Wappenvereinigung

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Österreich-Ungarn, Mittleres Wappen 1915, mit zahlreichen verschiedenen Formen der Wappenvereinigung:
Zusammenstellen zweier Staatswappen und eines Hauswappens auf gemeinsamer Basis; Mittelschildauflegungen; vielfältige Zusammenschiebungen von Territorialwappen
Hugo Gerhard Ströhl, 1915/17
Extremform einer Wappenvereinigung mit 719 Feldern

Die Wappenvereinigung ist in der Heraldik ein Oberbegriff für

  • die Zusammenstellung, Zusammenschiebung, Zusammenbindung etc. von zwei oder mehreren Einzelwappen
  • die Fusion von zwei oder mehreren Einzelwappen zu einem Gesamtwappen/Gesamtschild („zusammengesetztes Wappen“)

Gründe

Wappenvereinigungen lassen sich schon in der Frühzeit der Heraldik nachweisen[1], um beispielsweise die Zusammengehörigkeit verschiedener Einzelwappen bei einem Wappenträger in einem gemeinsamen Wappen zu dokumentieren. Eine Wappenvereinigung kann aus erblichen, wirtschaftlichen, politischen oder anderen Gründen notwendig beziehungsweise gewollt sein (zum Beispiel sind/waren Gründe für Wappenvereinigungen Gebietszu- und –abgänge, Gebietsreformen, Gemeindefusionen, Eingemeindungen et cetera).

„Den unmittelbaren Anlaß zur Wappenvereinigung bildet die ursprünglich enge Verbindung der Wappen mit dem Grund- und Lehensbesitz und die daraus resultierende Häufung der Wappen in einer Hand. Sinn und Zweck der Wappenvereinigung ist es, alle diese Einzelwappen rangmäßig richtig geordnet in einem gemeinsamen Schild zu einem Gesamtwappen zusammenzufassen, wie es in der Regel bei Allianzwappen oder Heiratswappen geschieht. Wappenvereinigungen sind bereits in Siegeln aus dem Jahre 1250 nachweisbar.“

Walter Leonhard (2003)[2]

Methoden

Um Einzelwappen miteinander zu vereinigen, haben sich in der Heraldik mehrere Methoden entwickelt. Die Gesamtheit der Regeln über Zusammenstellung von Einzelwappen nennt man Courtoisie (=„Höflichkeit, Ehrenbezeugung“). Neben der Wappenvereinigung, die mit Hilfe von mehreren zusammengestellten, zusammengeschobenen, zusammengebundenen etc. Einzelwappen erfolgt, existiert die Möglichkeit, die Einzelwappen in einem einzigen Gesamtwappen zusammenzufassen (zu vereinigen). Die unterschiedlichen Methoden der Wappenvereinigung können zusammen auftreten (zum Beispiel ein Gesamtwappen mit Quadrierungs- und zusätzlich Herzschildnutzung). Unter anderem gibt es folgende Methoden:

Zusammenstellung

  • Zwei Wappen: Durch das Schrägstellen von zwei Schilden gegeneinander mit der Eckenberührung am oberen Schildrand
  • Drei Wappen (zu 1.2.): In Gestalt einer Dreiecks beziehungsweise einer „Schildpyramide“: die beiden unteren Schilde „V-förmig“ gegeneinander gestellt, von oben der dritte Schild auf die „V-Form“ gesetzt beziehungsweise der dritte Schild von den zwei oberen Ecken der zwei unteren Schilde gestützt.
  • 4 Wappen (zu 1.2.1.): In Gestalt einer „Schildraute“
  • mehrere Wappen: In Gestalt eines Halbkreises oder Kreises

Zusammenschiebung

  • Nebeneinanderstellen von zwei Wappen mit Schildrandberührung oder leichter Überdeckung

Zusammenbindung

  • Nebeneinanderstellen von zwei Wappen ohne Berührung, aber mit gemeinsamer Basis, mit Seilen oder Schleifen verbunden.

Vereinigung

Die Vereinigung mehrerer Einzelwappen zu einem einzigen Gesamtwappen kann auf mannigfaltiger Weise durchgeführt werden.

„Aus praktischen Gründen ist die Vereinigung mehrerer Wappen in einem Schild dem Zusammenstellen mehrerer Einzelschilde vorzuziehen. Die Wappenvereinigung wirkt geschlossener und überzeugender. Die Einzelwappen auf die Schildfelder eines Schildes verteilt, bilden eine Ganzheit.“

Walter Leonhard (2003)[2]

Verschränkung

Zusammenfügen der Einzelwappen zu einem Gesamtwappen; in der einfachsten Form durch „Halbierung“, zum Beispiel wenn der Schild eines Gesamtwappens geteilt oder gespalten ist und die Motive der Einzelwappen auf die beiden Schildfelder verteilt sind; oder durch die Quadrierung (Vierung) (hier ist die Wappenvereinigung von zwei Wappen möglich, wenn jeweils zwei Felder im Gesamtwappen das gleiche Motiv zeigen, aber auch die Vereinigung von drei oder vier Einzelwappen.

1. Wappen 2. Wappen Ergebnis
Verschränkung
mittels Teilung
+
=
Verschränkung
mittels Spaltung
+
=
Verschränkung
mittels Vierung
+
=

Einpfropfung

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Einpfropfung

Einpfropfung wird das Einfügen einer eingebogenen Spitze zwischen zwei Feldern am selben Platz genannt, so daß der Gesamtschild beispielsweise die Motive dreier Einzelwappen zeigen kann.

1. Wappen 2. Wappen 3. Wappen Ergebnis
Einpropfung
(mittels spitzenartigem
Zwischenraum)
+
+
=

Auflegung

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Auflegung

Die Auflegung erfolgt zum Beispiel in der Form eines Rechts- oder Linksschrägkbalken oder eines Pfahls mit dem zuzufügenden Wappenbild über das Schildbild des Gesamtschilds.

Einfassung

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Einfassung (Heraldik)

Zum Beispiel, indem der Schild des Gesamtwappens mit einem Bord „eingefasst“ wird, auf dem die Wappenfiguren oder Farben der Einzelwappen erscheinen; oder durch Belegen des Gesamtschilds mit Einzelwappen in Form eines Mittelschildes beziehungsweise Herzschildes.

Besäung oder Bestreung

Zum Beispiel durch Verteilung vieler kleiner Figuren im Gesamtschild, die das Schildbild eines Einzelwappes repräsentieren, neben einer Hauptfigur aus einem anderen Einzelwappen.

Freiviertel

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Freiviertel

Oberwappen, Helme, Prachtstücke bei vereinigten Wappen

Je nach Methode der Wappenvereinigung erscheinen gemeinsamen Oberwappen, gemeinsame Prachtstücke et cetera.

„In der Regel erscheinen bei zusammengesetzen Wappen über dem Gesamtschild die Helme der Einzelschilde mit ihren Kleinoden. Seltener bringt man auf einem Helm die Kleinode zweier Wappen an. Vielfach erscheint der Helm des wichtigsten Wappens, die untergeordneten werden weggelassen.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Siehe auch

Weblinks

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Wappenvermehrung Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Prinzipien der Wappenvermehrung am Beispiel von Amtswappen Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Courtoisie und Wenden: Wann und wie?

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 458, 459. ISBN 978-3-411-02149-9
  2. 2,0 2,1 Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 341, 342.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Wappenvereinigung“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 01. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.