Künstlerwappen

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1595: Künstlerwappen (als Schildhalter ein weiblicher Akt, Pictura, Allegorie der Malerei und Inspiration, mit Palette und Pinsel, von einem Teufel mit Feuer angeblasen)
1900/01: Künstlerwappen
(Quelle: Der Wappensammler; gezeichnet von Oskar Julius Roick)
Wappen der Maler und Graphic-Designer
Wappen der Lithographen, Steindrucker und Offsetdrucker, in der Helmzier ein Künstlerwappenschild

Als Künstlerwappen (einst „Schilter(er)-Wappen“, auch Malerwappen, Künstlerzeichen genannt; engl.: coats of arms of painter; artist's coat of arms) bezeichnet man ursprünglich das Zunftwappen der Malerzunft, später das Berufswappen von Berufsgruppen rund um Malerei und Zeichnung, Grafik und Design sowie um das Kunstgewerbe, Lackiererei et cetera.

Darstellung

Nach Gert Oswald existiert keine feste heraldische Regel für die Gestaltung des Künstlerwappens.[1] Allerdings erscheinen Künstlerwappen seit 1347 in der Regel nicht unheraldisch und gleichen einander. Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Gestaltung des Künstlerwappens und seine Geschichte folgendermaßen beschrieben:

Künstlerwappen, nach jetzigem Gebrauch drei kleine silberne oder weiße Schilde in einem großen roten, (..) seltener blauen. Als Gewerksabzeichen soll dieses Wappen von den Malerzünften gegen die Mitte des 14. Jahrh. angenommen worden sein. Anfangs stand die Zahl der kleinen Schilde nicht fest; erst später ist die Dreizahl die normale geworden. Das älteste nachweisbare Künstlerwappen ist vom Jahre 1347. Da die Maler damals in deutscher Mundart »Schilderer« hießen, wird das Künstlerwappen mit den drei Schilden zu den sogenannten „redenden“ Wappen gezählt. Daß es von Kaiser Maximilian 1. oder Kaiser Karl V. Albrecht Dürer verliehen worden sei, ist eine unbegründete Sage, die schon dadurch hinfällig wird, daß Dürer ein eignes Familienwappen führte. Zum Künstlerwappen gehörte in frühern Darstellungen als Helmkleinod ein Jungfrauenrumpf zwischen zwei Damhirschschaufeln (in älterer Zeit zwischen zwei Adler- oder Rabenflügeln). Dieses Helmkleinod ist jetzt nicht mehr gebräuchlich. Nach einer andern Erklärung sind in den drei silbernen Schilden nicht wirkliche Schilde, sondern die »Farbenhäfelein« (Farbentöpfchen) zu erkennen, die von der böhmischen und schlesischen Malerzunft in ihren Wappen geführt wurden. Dieses Wappen ist, wie urkundlich feststeht, durch Kaiser Karl IV. bestätigt worden.“

Meyers Großes Konversations-Lexikon (1907)[2]

Im 20. beziehungsweise 21. Jahrhundert erscheint das Künstlerwappen zunehmend nur noch als paraheraldisches Branchenlogo, das meist die Farben Rot, Blau und Gelb in Beziehung zueinander setzt, zum Beispiel

  • in Form von drei kleinen Schilden in diesen Farben innerhalb eines weißen Schildes;
  • oder in Form von drei kleinen weißen Schilden, die drei Farbkleckse in diesem Farben überdecken;
  • oder in Form von drei großen Schilden in diesen Farben, die in irgendeiner Form miteinander kombiniert sind;

Darüber hinaus wird das „alte“ Künstlerwappen oft durch Bildbearbeitungseffekte moderner Grafiksoftware „auf-“ und „abgepeppt“ oder zu einem Wortzeichen einer Firma umgestaltet (zum Beispiel mit unheraldischer Schrift rund um das Künstlerwappen herum).

2016: Künstlerwappen bzw. Logo des heraldischen Forums Heraldik im Netz (Wappenaufriss mittels moderner Grafiksoftware; Urheber: © Frank Martinoff)
1879: Herold mit Künstlerwappen auf dem Tappert
(Heraldisches Handbuch, von Warnecke herausgegeben)

Weblinks

 Commons: Künstlerwappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Warnecke, Friedrich: Das Künstlerwappen. Berlin 1887. Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg.
  • Clericus, L.: Das sogenannte Künstlerwappen. In: Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst. 1892. Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg.
  • Lisch, Georg Christian Friedrich: Das Amt und Wappen der Maler und Glaser und das Künstlerwappen. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 23 (1858), S. 377-384. Digitalisat der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern.
  • Ertwin, G.: Das Künstlerwappen. Sage aus dem 16. Jahrhundert. Nürnberg. Ca. 1828. Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek digital

Einzelnachweise

  1. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 242.ISBN 978-3-411-02149-9
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon: Lemma Künstlerwappen. Band 11. Leipzig 1907, S. 817-818.