Widerwappen

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Der Ausdruck Widerwappen wird in der Heraldik nicht einheitlich verwendet und kann zu Verwechslungen führen, weil dasselbe Wappen je nach Definition sowohl ein Widerwappen als auch keines sein kann. Folgende Bedeutungen sind gebräuchlich: Ein Widerwappen ist ..

Beispiel
  • .. ein Wappen, das den heraldischen Farbgesetzen „widerspricht“. In diesem Fall ist der Ausdruck ein Synonym für den Begriff Rätselwappen (beziehungsweise ein Art falsches Wappen).[1]
  • „(..) eine Umkehrung des Grundwappens: die Figur nimmt die Farbe des Schildes und der Schild die Farbe der Figur an.“[2]
bei Gossenbrot (veraltet):
  • .. jedes Wappen, dessen Schild-/Feldtinktur nicht Gold oder Silber ist (Metall), sondern in einer heraldischen Farbe erscheint.

In der Regel ist der Ausdruck „Widerwappen“ im Zusammenhang mit der Umkehrung eines Grundwappens gemeint.

„Die meisten Fürstenwappen der Urzeit enthalten im Schilde von Metall eine Figur von Farbe. Wappen, die in den Farben umgekehrt geordnet sind, weisen häufig auf Grundwappen zurück, und es verdienen alle Widerwappen der ältesten Zeit -- etwa bis 1250 -- einer Prüfung dahin unterzogen zu werden, ob sie einem anderen Wappen, das zumeist in der Nachbarschaft zu suchen sein wird, gegenüber stehen.“

Gustav Adelbert Seyler (1857)[2]

Die Umkehrung eines Grundwappens in sein Widerwappen besitzt einen dialektischen Aspekt:

  • das Grundwappen wird einerseits negiert beziehungsweise „aufgehoben“ (negare) im Sinn von beendet/überwunden
  • das Grundwappen wird andererseits im Widerwappen bejaht beziehungsweise „aufgehoben“ (conservare) im Sinn von aufbewahrt
  • das Widerwappen kann seinerseits durch Anpassungen wie Wappenbesserung, Wappenvereinigung, Wappenallianzen et cetera Basis für mögliche neue/höhere „Entwicklungen“ (elevare) sein und womöglich die Funktion eines Stammwappens erlangen.

Durch den dialektischen Aspekt der Wappenumkehrung kann die Annahme eines Widerwappens sowohl eine politische Demonstration gegen denjenigen sein, welcher das entsprechende Grundwappen führte, als auch eine politische Demonstration für ihn.[2] Die Heraldik kennt Beispiele für beide Fälle. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts kommt das Annehmen von Widerwappen aus der „Mode“[2]. Die Farbumkehr eines Wappens wird statt dessen teilweise genutzt, um eine bestimmte Linie einer Familie von anderen abzugrenzen. In der heutigen Zeit sind Widerwappen nicht gebräuchlich. Die Farbumkehr eines bestehenden Wappens ohne jegliche Motivänderung wird bei einer Wappenneustiftung manchmal als Ausdruck mangelnder Individualität und Kreativität gewertet.

Einzelnachweise

  1. Historischer Verein von Oberbayern: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte. Band 30. 1871. § 353. S. 32.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 237.