Helmkleinod

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Dieser Artikel behandelt Helmkleinod; zu anderen Kleinodien siehe Kleinod.
Helmzier
Wappen
Wappenelemente
1541: Helm mit Helmkleinod
(nach Arthur Charles Fox-Davies)

Helmkleinod (auch Helmzier, Helmschmuck, Helmfigur, Zier, Cimir, Zimir oder kurz Kleinod) ist ein aufgesteckter Zieraufsatz für Helme, die von Rittern getragen wurden.

„Unter einem Kleinode versteht man in der Wappenkunde die heraldischen Zierden, Figuren oder Bilder, welche in plastischer Weise am Helme angebracht wurden.“

Carl Mayer von Mayerfels (1857)[1]

Bei der Darstellung eines Wappens kann ein Helmkleinod zur bildhaften Aussage desselben gehören.

Funktion und Darstellung

Zierrat und Kleinodien sind seit dem frühen 13. Jahrhundert nachgewiesen und dienten wohl ursprünglich der besseren Erkennung der Ritter im Schlachtgetümmel.

„Die Uranfänge der Kleinode finden sich in der Bemalung der Helme. Auf dem Siegel des Grafen Philipp von Flandern vom Jahre 1164 findet sich der Helm desselben mit dem flandrischen Löwen zu beiden Seiten bezeichnet. Obwohl Kesselhauben wie sie damals gebräuchlich, nicht zu den eigentlich heraldischen Helmen gerechnet werden können, so ist doch diese Beispiel für die Entstehung der Kleinode ein vollkommen gültiges. Im 13. Jahrhundert, als schon der Anfang mit dem sogenannten freien, das heißt den in körperlicher Gestalt auf dem Helm angebrachten Kleinoden gemacht worden war, hat sich die Sitte der Bemalung noch allein und neben freien Kleinoden erhalten (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Ursprünglich wiederholte die Helmzier das Schildwappen (waren also gleich tingiert), dann kamen aber zusätzliche Attribute hinzu, die dieses ergänzten oder etwa den Rang anzeigten.
In der Heraldik dienen sie insbesondere dazu, Wappen mit gleichem Schild zu unterscheiden, in der späteren Heraldik auch einzelne Mitglieder, Zweige oder Ansitze einer Familie: Die Helmzier orientiert sich auch an persönlichen Merkmalen.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden die Zimire fantasievoller und waren oft frei erfunden. Sie sollten beim Turnier im Kampf abgehauen werden. Diese Helmzierden wurden aus Holz- und Drahtgestellen, Pappmaché und Naturmaterialen wie Stoffen und Tierteilen gefertigt. Sie waren am Helm oben montiert oder mützenartig darübergezogen, konnten also heraldisch auf der Helmdecke und der Helmkrone) sitzen oder aus der Decke hervorwachsen.

Meist waren es figürliche Darstellungen von Menschen, Pflanzen, Tieren, Flügeln, Hörnern oder Gegenständen. Diese bildlichen Elemente werden zusammenfassend mit dem heraldischen Fachbegriff Gemeine Figur bezeichnet. Zusammen mit Helm und Schild bilden sie das Wappen. Erst durch die Helmzier wurde ein Helm wappenmäßig oder heraldisch.

Ohne Kleinod kein Wappenhelm und ohne Helm kein Kleinod!

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Helmzier und Helm werden dem Oberwappen zugeordnet. Je nach Helmzier ist der Wappenhelm normal dem Betrachter zugewandt oder blickt nach vorn (heraldisch rechts, also links im Bild).

Bei einer Wappenvereinigung werden in der nachmittelalterlichen Heraldik im Vollwappen die Helme auf dem vereinigten Schild versammelt. Sind über einem Wappen mehrere Helme, sollte die Ausrichtung der Helmzieren nach der Richtung der Helme erfolgen. Bei zwei Zieren werden diese zueinander gewendet oder abgewendet. Sind drei Helme geschmückt, wird die mittlere unabhängig von den anderen nach vorn dem Betrachter zugedreht.

Beispiele

Zürcher Wappenrolle (14. Jh.): Wappen mit Helmzier als heraldisches Nachschlagewerk

Verbreitete Helmzierden sind:

  • Hörner: Büffelhörner, tingiert oder behängt; Antilopengeweihe, Steinbockshörner, Hirschhörner und -Geweihe, Gemshörner und -Gewichte
  • Flug, offen oder geschlossen, als Träger des Wappenbilds
  • diverse Kopfbedeckungen, wie Krone, Hut, Inful (Bischofsmütze), Beutelstand, letztere auch als Projektionsfläche des Schildinhaltes
  • Schirmbrett als Projektionsfläche des Schildinhaltes
  • Kissen, offen oder geschlossen, als Träger des Wappenbilds oder Unterlage der eigentlichen Helmzier
  • Federgestell (Federköcher, Federkorb, Federbüsche), mit Straußen-, Hahn-, Reiher-, Fasan-, Adler-, Papagei-, Schwan-, Gänse- und Pfauenfedern
  • Feldzeichen: Fahnen, Fähnlein, Flaggen, Standarten, Bannern, Wimpeln
  • Blumen Pflanzen etc.
  • Kleidung von Figuren des Schildbilds
  • Menschen, deren Körperteile oder Wappentiere, als Figur, Puppe (für die Rümpfe wachsender Figuren als Ausdruck gebräuchlich), auch Köpfe
  • Schildchen, die das Schildbild wiederholen

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Helmkleinode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Die Helmzier, Vortrag vom 2. April 2004 am 777. Bott der Gilde der Zürcher Heraldiker
Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Einführung in die Heraldik: Helmzier

Literatur

  • Hans und Maria Rüegg: Die Helmzier. Vortrag vom 2. April 2004 am 777. Bott der Gilde der Zürcher Heraldiker. (Webseite, h-u-m-rueegg.li, abgerufen am 11. November 2009).

Einzelnachweise

  1. Mayerfels, Carl Mayer von: Heraldisches ABC-Buch. Das ist Wesen und Begriff der wissenschaftlichen Heraldik, ihre Gesetze, Literatur, Theorie und Praxis. Leipzig 1857. S. 135
  2. 2,0 2,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.



Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Helmkleinod“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 17. April 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.