Afterwappen

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Afterwappen (auch Affterwappen geschrieben) ist in der Heraldik ursprünglich ein seltener, abwertender und heute veralteter Ausdruck für

  • „selbstangenomme“ oder „erdichtete“ Wappen, die man man nicht vom Staatsoberhaupt (Kaiser) oder in dessen Namen verliehen bekommen hatte.

Begriffsgeschichte

Historisch wurde der Ausdruck in seiner abwertenden Bedeutung vom Briefadel benutzt, um sich einerseits von der eigenen bürgerlichen Herkunft oder von bürgerlichen Wappen abzugrenzen und andererseits den Eindruck zu erwecken, daß die „Neu-Adligen“ durch einen Adelsbrief (auch „Adelsdiplom“ genannt) beziehungsweise mit der Verleihung eines vorgeblichen „adligen“ Wappens („Adelswappen“) dem gleichen Stand wie der „alte Adel“/Uradel angehörten.

1699 gebrauchte beispielsweise Johann Theodoretus Fliesbach (alias von Fliessenhausen) -- dessen Adel zu diesem Zeitpunkt gerade mal sieben Jahre alt war -- den Ausdruck „Affterwappen“, um strenge Repressionen gegen diejenigen einzufordern, die seiner Meinung nach ein Wappen zu unrecht führten. In einer polemischen Schrift empfahl er, daß nur durch den Kaiser oder in dessen Namen verliehenen Wappen in das Vorrecht einer bestimmten Darstellungsweise kommen sollten.[1]

Gustav Adelbert Seyler zitiert 1885-89 (1890) in seinem Werk „Geschichte der Heraldik“ den Johann Theodoretus Fliesbach. Aus dem Zitat leitet Gert Oswald 1984 eine mißverständliche Definition für Afterwappen ab:

Afterwappen: seltener Begriff, der zum Beispiel von Gustav Adelbert Seyler (Geschichte der Heraldik) für Wappenführungen benutzt wird, die nach dem Wappenrecht unrechtmäßig sind.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[2]

Diese Bestimmung des Ausdrucks Afterwappen durch Oswald ist ungenau und irreführend. Sie geht von einem Wappenrecht und von der RechtmäßigkeitW-Logo.png beziehungsweise der RechtswidrigkeitW-Logo.png von Wappen aus. Im rechtlichen und im historischen Sinne hat es ein von einer hierzu befugten Rechtsautorität geschaffenes „Wappenrecht“ mit genau umrissenen und umfassenden „Wappengesetzen“ mit de- und vor allem präskriptiven Funktionen und konsistente Normen zur Rechtmäßigkeit/-widrigkeit von Wappen nie gegeben

Im Jahre 2003 bestimmt Walter Leonhard Wappen, die nur als monochrome Siegelbilder überliefert sind und denen man nachträglich heraldische Farben „andichtete“ als Afterwappen:

Afterwappen: Als solche bezeichnet man frühe Städtewappen, aber auch Bauern- und Handwerkerwappen. Sie führen im Wappen unveränderte Siegelbilder, die nachträglich tingiert wurden.“

Walter Leonhard (2003)[3]

Woher diese spezielle Definition des Ausdrucks ursprünglich stammt, ist der Redaktion (bislang) nicht bekannt.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Fliesbach, Johann Theodoretus von: hochbefriedigtes Käyserliches Wappen-Regal oder Verboth Der selbst-angenommenen falsch-erdichteten Affter- oder Bastart-Wappen, mit Cronen, Schild und Helm : Wie solches In der Anno 1658. zu Franckfurth aufgerichteten/ und bey neulichster Crönung zu Augspurg Anno 1690. wiederholten Käyserl. und Königl. Wahl-Capitulation ausdrücklich enthalten/ vermittelst eines Extracts ... von wem/ wie und wodurch die Wappen mit zugethanen oder offenen Helmen zu erlangen? ... was sie bedeuten/ und wem solche zu führen zukommen? 1699.
  2. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 31.
  3. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 28.