Trauerwappen

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Der Ausdruck Trauerwappen (auch Trauertafel genannt) ist

  • ein Synonym für „Totenschild“[1]
  • eine literarisch-poetische, fiktive Erfindung/Verklärung eines Wappengebrauchs (ein „Wappen, mit den Abzeichen der Trauer“; ein „Wappen, welches speziell zu TrauerzweckenW-Logo.png erstellt und ausgestellt wurde“)
  • eine (schwarze) Tafel, auf der im englischsprachig-geprägten TotenkultW-Logo.png des 19. Jahrhunderts das Wappen eines Verstorbenen dargestellt wird.

Darstellung

Trauerwappen in der Literatur

Wie der Ausdruck „Trauerwappen“ literarisch benutzt wird, zeigt Seyler anhand der Novelle „Das Dampfschiff“:

„2) In der Novelle „das Dampfschiff" (neue Novellen I. Bd. Berlin 1836) kommt ein blinder Harfenspieler vor, der augenscheinlich dem blinden Willy des Scott'schen gomans Redgauntlet nachgebildet ist. Dieser blinde Harfenspieler nun sagt: '„Ehemalen war Constantinopel die Hauptstadt vom römischen Reich ... und damals war das kaiserliche Wappen ein Doppeladler von Gold. Seitdem aber die Türkenhunde Constantinopel genommen haben, haben sie ihn schwarz angestrichen, und daher heissts jetzt: das deutsche Wappen ist ein schwarzer Adler; das ist aber nicht wahr: es ist blos das Trauerwappen (Hervorhebung durch die Redaktion). Allein was sie sagen, dass er von selbst schwarz angelaufen wäre, aus Gram, das ästimiere ich nicht und ist's albernes Gerede von Leuten, die so was nicht verstehen (..)“ Eine Parallel-Stelle befindet sich in Alexis´ Roman Wärwolf 25. Cap.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[2]

Trauerwappen in der englischen Heraldik

Eine Trauerzeremonie, bei der eine schwarze (oder bunte) Tafel mit dem Wappen des Verstorbenen für eine gewisse Zeit veröffentlicht wird, ist in Reiseberichten über London und England zu Beginn des 19. Jhdt. dokumentiert:

„An den Häusern des Adels wird nach einem Todesfall ein ganzes Jahr lang ein großes Trauerwappen (nicht Familienwappen) bald in schwarzen und bald in farbigen Feldera, ausgehangen.“

– Einblicke in England und London (1819)[3]

„Wenn ein adeliger Besitzer dieser aristocratischen Wohnungen stirbt, so wird auf der Vorderseite des Hauses ein großes, rechteckiges Tableu aufgestellt, in welchem die Wappen des Verstorbenen auf schwarzem Grunde glänzen. Dieses Trauer-Wappen bleibt hier ein ganzes Jahr aufgestellt.“

Reise-Skizzen: Das Leben zu London (1837)[4]

Siehe auch

Totenschild

Quelle

  1. Vgl.: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 38. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz. 2012. S. 156.
  2. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 805
  3. Einblicke in England und London. In: Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. No. 59. 1819,4/6. Haude & Spener. 18. Mai 1819.
  4. Reise-Skizzen: Das Leben zu London. In: August Lewald (Hrsg.): Europa. Chronik der gebildeten Welt. Bd. 3, Stuttgart 1837, S. 397. (online, abgerufen 3. Dezember 2012)