Vollwappen

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Vollwappen des Wettiner Landgrafen Albrecht um 1265
Kleines Wappen
(kein Vollwappen, Hauptschild des Wappens des Königreichs Preußen mit dem Königlich-Preußischen Adler)
Mittleres Wappen
(Vollwappen Wilhelms II. als König von Preußen)
Großes Wappen
(Vollwappen, deutsche Kaiser als Könige von Preußen)

Ein Vollwappen ist in der Heraldik die Darstellung von mindestens einem Wappenschild mit den dazu gehörigen obligatorischen Teilen des Oberwappens über dem Schild.

Darstellung

Neben dem Schild erscheinen in einem Vollwappen mindestens die obligatorischen Bestandteile des Oberwappens, nämlich Helm, Helmdecke und Helmzier.

„(..) Schild, Helm, Helmdecke und -zier (gehören) zu den notwendigen Bestandteilen eines Vollwappens“

Handbuch der Heraldik (2002)[1]

Ein Vollwappen kann darüber hinaus durch fakultative Wappenelemente, die nicht zwingend für die Darstellung eines Vollwappens erforderlich sind, vervollständigt werden, zum Beispiel durch Rangkrone, Mütze, Helmwulst, Hilfskleinod, auch durch Prachtstücke, Schildhalter, Wappenzelte oder Wappenmäntel, Orden, Wappendevisen, in der kirchlichen Heraldik durch Hut mit Quastenschnüren respektive durch die Mitra mit den dazugehörigen Insignien und so weiter.

Geschichte

Vollwappen sind erst seit dem 13. Jahrhundert im Wappenwesen gebräuchlich.

„In der Anfangszeit der Heraldik (12. Jahrhundert) wurde allein der Schild heraldisch verwendet. Von allen Waffen des Ritters bildetet er allein das „Wappen“. Erst später (im 13. Jahrhundert) tritt der Helm (und mit ihm Helmdecken und -zier) als Bestandteils des Wappens zum Schild hinzu.“

Handbuch der Heraldik (2002)[1]"

Gebrauch

In der Praxis und der heraldischen Literatur wird teilweise unterschieden, wobei die genauen Abgrenzungen nicht einheitlich definiert sind, zwischen:

  • „Kleines Wappen“: auch „einfaches Wappen“ genannt, gewöhnlich ist damit kein Vollwappen gemeint, sondern nur der Wappenschild, eine Wappenfigur oder ein Stammwappen, das nur ein einfaches Motiv zeigt.
  • „Mittleres Wappen“: damit ist in der Regel ein Vollwappen mit seinen substanziellen Wappenelementen gemeint, aber ohne unbedeutende oder schmückende Wappenelemente; oder ein für amtliche Belange eingeführtes Vollwappen, das meist nur die wichtigen Schilde enthält[2] (nebensächliche Wappenbesserungen werden weggelassen).
  • „Großes Wappen“: gewöhnlich ist damit das Vollwappen gemeint, daß neben seinen substanziellen, obligatorischen und fakultativen Bestandteilen, allen möglichen Zierrat und zusätzlichen Wappenmotive, möglichst alle Wappenbesserungen (ergänzende Schilde, besonderen Schildteilungen etc.) zeigen kann. Das große Wappen dokumentiert mehr oder minder komplexe Sachverhalte möglichst vollständig (zum Beispiel den Zugewinn neuer Lehen, den Ankauf oder die Erbschaft von Ländereien und Titeln, den Erhalt von Würden und Ämtern, Standeserhöhungen und -erhebungen, ganze Abstammungsreihen und so weiter).

Die Anzahl der unterschiedlichen heraldischen Elemente wird zunehmend in dieser Folge (klein-mittel-groß) mehr. Eine Überladung ist nicht ausgeschlossen. Je komplexer ein Wappen gestaltet wird, um so komplizierter wird die Blasonierung. Durch Belegung mit zusätzlichen Herz- und/oder Mittelschilden, mehreren Helmen über einem oder mehreren Schilden, durch die Anhäufung von Feldern et cetera kann ein Vollwappen recht unübersichtlich oder sogar unbrauchbar werden oder „monströs“ erscheinen.

Ein nicht auf Anhieb überschaubares Vollwappen ist beispielsweise das Große Wappen der deutschen Kaiser als Könige von Preußen.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Hildebrandt, Adolf Matthias; Biewer, Ludwig: Handbuch der Heraldik. Wappenfibel. Neustadt an der Aisch. 2002.
  2. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 274.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Vollwappen“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 24. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.