Studentenwappen

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Wappen der L! Alemannia-Silesia zu Technische Universität ClausthalW-Logo.png

Studentenwappen sind die Wappen von StudentenverbindungenW-Logo.png, die gegenüber den im Sinne der Heraldik üblichen Wappen (von Familien, Adelsgeschlechtern, Ländern und Gemeinden etc.) einige Besonderheiten aufweisen.

Entstehung und Anwendung

Diese Sonderform der Wappen kam in der Verfallszeit der Heraldik, ungefähr um 1810 in Gebrauch, als sich die Frühform der CorpsW-Logo.png, die älteste heute noch existierende Form von Studentenverbindung, entwickelte. Ihre Entstehung ist wohl im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Porzellanpfeifen zu sehen, die als früheste Wappenträger bekannt sind. Die meisten frühen Überlieferungen stammen aus Jena, das gemeinhin als Ursprungsort des Korporationswappens angesehen wird.[1]

Bis heute finden diese Wappen Darstellung auf Wänden und Decken von Gebäuden, als eigenständige Ölgemälde sowie auf allen möglichen Gegenständen, speziell aber auf den Porzellandeckeln von Bierkrügen. In den 1970er und 1980er Jahren kamen Autoaufkleber mit Studentenwappen in Mode.

Gestaltung

Studentenwappen werden von der Schulheraldik nicht als "eigentliche" Wappen bezeichnet, da sie oftmals nicht den heraldischen Regeln folgen und meistens unheraldische Elemente im Schild verwenden, also Identitätssymbole der jeweiligen Verbindung, die aus einem anderen Kontext stammen und dann im Wappen zusammengeführt werden.

Der Schild ist bei Studentenwappen meist linear geteilt oder geviert, oft mit zusätzlichem Herzschild. Dadurch entstehen im Schild in der Regel vier Felder (manchmal mit einem fünften in der Schildmitte), die mit einem gewissen Repertoire von Elementen ausgefüllt werden.

Häufigstes Element ist das CouleurW-Logo.pngband, also ein Stück des meist dreifarbigen Bandes, das Verbindungsstudenten um die Brust tragen, diagonal durch das Feld geführt.

Hinzu kommen verschnörkelte Monogramme, der sogenannte „Zirkel“W-Logo.png, in kursiven lateinischen Anfangsbuchstaben, der auch in einem Feld seinen Platz findet. Ebenfalls zum Füllen eines Feldes verwendet wird das Bundeszeichen, oft verkürzt dargestellt mit einem Lorbeerkranz, zwei gekreuzten Mensurschlägern und dem eingeschriebenen Gründungsdatum. Als weitere Schildbilder kommen dann noch „Schläger“, Mützen und dergleichen in Betracht.

Weiter üblich sind verschiedene Symbole für Freundschaft und Ewigkeit, die noch aus dem Freimaurerwesen der Studentenorden übernommen worden sind oder aus der Antike stammen (Treuhände, Ouroboros). Möglich sind auch einzelne heraldische Elemente, die bei landsmannschaftlich ausgerichteten Verbindungen auf das Herkunftsland der Mitglieder (Übernahmen aus der Kommunal-, Provinzial- oder staatlichen Heraldik) oder auf die Universitätsstadt verweisen. Bei montanistisch, jagdlich-forstlich oder (tier)medizinisch ausgerichteten Verbindungen boten sich weitere Symbole (Bäume, Hirschköpfe, Schlägel und Eisen, Totenkopf, Aeskulapschlange) an.

Die Helmzier ist bei den meisten Studentenwappen in derselben Form gestaltet: drei Straußenfedern in den Korpsfarben der Verbindung (oder genauso viele Federn wie in der Zahl der Farben). Diese Art der Helmzier ist sonst nur von den Wappen des spanischen niederen Adels und in polnischen Wappen bekannt. In Einzelfällen finden sich auch andere Figuren (Offener Flug, Hirschkopf).

Die Farben sind oft eine Anlehnung an die Stadt oder das Land, in denen die Universität steht oder nach der sich die Verbindung benannt hat. Oft sind notgedrungen diejenigen Farbzusammenstellungen gewählt worden, welche an der betreffenden Universität noch nicht vertreten waren.

Bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts bürgerte sich eine einheitliche Kurzform für Studentenwappen ein. Dazu wird ein Wappenschild diagonal mit den Couleurfarben belegt, in die Mitte wird der Zirkel der betreffenden Verbindung gesetzt.

Kritik

Ludwig Clericus, im 19. Jahrhundert einer von Deutschlands maßgeblichen Heraldikern, schrieb 1890 zum 60. Stiftungsfest seines Corps Masovia:

„Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß mit die allerunglücklichsten heraldischen Bildungen die Corpswappen sind. Auffällig ist das nicht weiter, da die ältesten Corps zu einer Zeit entstanden, in welcher die Wappenkunde und Wappenkunst tief danieder lagen und selbst ältere, erfahrenere und historisch und kunsthistorisch gebildete Männer nicht im Stande waren, ein schönes Wappen von einem scheußlichen zu unterscheiden. Nach dem Vorbilde des ersten besten freiherrlichen Diplomwappens wurde das Corpswappen entworfen: gerüstet mit Mittelschild, in letzterem der Corpszirkel, im ersten und vierten Felde die Streifen der Corpsfarben, im zweiten Felde ein Paar eichenkranzumschlungene, gekreuzte Hieber und allenfalls im dritten Felde der Versuch einer anderweiten landsmannschaftlichen Allegorie. Auf dem Helm ein Federbusch in den Corpsfarben. Diese Schablone ist immer wieder nachgeahmt worden und die dadurch entstandene Monotonie ist wirklich abschreckend dürftig. Weitere Fehler traten hinzu, um hie und da die Dürftigkeit auch noch zu verhäßlichen. Beispiele anzuführen, will ich mir versagen. Neuerdings, da der Kösener SC-Verband und die Institution der Alten Herren-Kommerse eine häufigere Anwendung von Corpswappen bedingt, hat man freilich meist die alten komplizierten Wappen in Pension gesetzt und schmückt dafür die Festsäle und Gärten mit Pappschilden, die irgendein Buchbinder im Ramsch geliefert hat. Da kommen dann Dekorationen zum Vorschein, die für jedes heraldisch verständige, auch für jedes nur ästhetisch einigermaßen veranlagte Auge peinlich und empörend sind. Fünfzig, hundert oder mehr Pappdeckel, die sämtlich in einer Richtung, einmal schräg-rechts, ein andermal schräg-links farbig gestreift sind, wirken in der Tat abschreckend – es sieht so aus, als wenn der Musterreisende einer Band- oder Bettzeugfabrik seine Proben ausgekramt und zur Ausstellung gebracht hätte. Nirgends eine Spur origineller Gedanken, künstlerisch geschmackvoller Erfindung. Vor zehn Jahren setzte sich Herr Dr. Hartmeyer in Hamburg – ich weiß nicht gleich, welches Corps[2] – mit mir in Verbindung, eine Reform des Corpswappenwesens anzustreben, doch die Gleichgültigkeit, mit der diese Idee überall aufgenommen wurde, ließ damals den Plan scheitern.“

Ludwig Clericus

Literatur

  • Erich Bauer: Wann, wo und wie entstanden unsere Wappen? Eine Aufgabe für unsere gemeinschaftliche Geschichtsforschung. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. 7, 1962, S. 74–79.
  • Michael Doeberl, Otto Scheel u.a. (Hrsg.): Das Akademische Deutschland. Wappenband, Berlin 1930.
  • Gregor Gatscher-Riedl: Das studentische Wappenwesen. Eine Einführung in die heraldische Tradition akademischer Studentenverbindungen. In: Adler. Zeitschrift für Genealogie und Heraldik. 24, 4, 2005, S. 97–105.
  • Theodor Hoelcke: Die Wappen der Bünde des Coburger Convent. o. O. 1982/1983.
  • Rudolf Sack: Akademische Wappenkunde. Ein Handbuch für Akademiker, Heraldiker und Künstler. Neu Isenburg 1935.
  • Aribert Schwenke: Symbole, Embleme und Geheimzeichen in Kösener Corpswappen. In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. 41, 1996, S. 29–82.

Weblinks

 Commons: Studentenwappen – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Erich Bauer: Wann, wo und wie entstanden unsere Wappen? In: Einst und Jetzt. Jahrbuch. 7, 1962, S. 74–79.
  2. In Frage kommt nur Emil Hartmeyer (Vandalia Heidelberg 1843); KKL 1910 122, 81


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Studentenwappen“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 05. März 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.