Formschneiderwappen

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens ist ein Formschneiderwappen, das eigens von Formschneidern oder einer Zunft zur Kennzeichnung des Formschneiderhandwerks verwendet wird, nicht gebräuchlich.
1898: Formschneiderwappen (nach Siebmacher; Entwurf von Seyler 1890 nach Grenser und dem Wappen der Familie Formschneider aus Nürnberg von 1560)
1898: Formschneiderwappen (nach Siebmacher; Entwurf von Ströhl nach einem Entwurf von Seyler)
1898: Formschneiderwappen (nach Siebmacher; moderne Variante)

Das Formschneiderwappen (auch Wappen der FormschneiderW-Logo.png, [Wappen der] Xylographenwappen, Xylografenwappen, Holzschnittkünstlerwappen, Holzschneiderwappen oder ähnlich genannt; englisch coat of arms of xylographers oder coat of arms of woodcutters) ist ein allegorisches Wappen, das etwa seit dem 19. Jahrhundert von Form-/Holzschneidern beispielsweise zur Kennzeichnung ihres Handwerks benutzt werden kann; heute gilt es manchen in einem weiten Sinn womöglich als Berufswappen oder als Sinnbild für das SchnitzhandwerkW-Logo.png insgesamt.

Darstellung

Das Formschneiderwappen ist kein Zunftwappen, da es eine eigenständige Zunft oder eine dieser vergleichbare Organisation der Formschneider nie gab.[1] Es entsteht im 19./20. Jahrhundert in Folge einer Tendenz von Wappenliebhabern, für jeden Beruf und jedes Handwerk ein spezifisches Wappen zu bestimmen und zu entwerfen. Der Heraldiker Gustav Adelbert Seyler nutzte im Jahre 1890 ein von Alfred Grenser mitgeteiltes Wappen der Nürnberger Familie Formschneider von 1560 für den Entwurf eines Formschneiderwappens:[2]

Blasonierung (Entwurf Seyler):
„Der Schild ist gold-rot-goldg geteilt; im 1. Platz ein schwarzer Schwärzeballen mit rotem Griff zwischen zwei roten Schildchen; im 2. und 3. Platz zwei schräggekreuzte goldene Schnittmesser mit schwarzen Griffen. Auf dem Helm eine wachsende Jungfrau, Kleid rot-golden gespalten, in der Rechten ein Schnitzmesser, in der Linken einen Schwärzeballen haltend. Decken: rot-golden“[2]

Hugo Gerard Ströhl änderte diesen Entwurf ab und entwarf folgende Variante des Formschneiderwappen:

Blasonierung (Entwurf Ströhl):
„Der Schild ist silbern-schwarz geteilt und enthält zwei schräggekruzte blaue Schnittmesser mit goldenen Griffe. Helm: ein in Silber und Schwarz gekleideter wachsender Mann, einen sogenannten Gaisfuss und ein Druckerbällchen in den Händen haltend. Decken: schwarz-silbern“[2]

In einer weiteren, modernen Variante erscheinen im Formschneiderwappen über einem Schwärzeballen zwei schräggekreuzte, auf einen offenen Zirkel gelegte Schnitzmesser.[2]

Wappen von Formschneidern

Kunsthandwerker, die Druckstöcke für den Holzschnitt („Formen aus Holz“) anfertigten, führten teilweise Wappen, die sich sehr vom Formschneiderwappen unterscheiden und auch ohne für das Handwerk typische Werkzeuge gestaltet sein können. Beispielsweise erscheinen im Wappen des Ulmer Formschneiders Anthoni Windtshellm weder Schnitzmesser, noch Druckerballen oder Zirkel.

Einzelnachweise

  1. Tilman Falk: Formschneider, Formschnitt: In: Reallexikon zur Deutschen KunstgeschichteW-Logo.png, Bd. X (2004), Sp. 190–224. Abgerufen: 16. Januar 2019
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch. I. Band 7. Abteilung. Gustav Adelbert Seyler: Berufswappen. Nürnberg: Bauer & Raspe, 1898. Text: S. 16-17. Tafel: 21 Nr. 3, 4 und 7

Literatur

  • Rudi PallaW-Logo.png: Falkner, Köhler, Kupferstecher. Ein Kompendium der untergegangenen Berufe. Goldmann, München 1997, ISBN 3-442-72120-2.
  • Gordon Friese: Hori-shi. 249 Faksimiles unterschiedlicher Siegel von 96 japanischen Holzschneidern. Verlag im Bücherzentrum, Unna 2007.