Rechts und links

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Rechts und Links in der Heraldik: Figuren auf dem Schild, wie hier der aufgerichtete Löwe, „schauen“ aus der Sicht des Ritters zur rechten Seite, aus der Sicht eines Gegenübers zur linken; die heraldische Sicht ist stets jene des Ritters hinter einem Schild (Figuren, die zur heraldisch linken Seite blicken, sind ausdrücklich im Blason zu erwähnen).
 
Heraldische Sichtweise:

Rotes Feld = rechts oder vorn;

Goldenes Feld = links oder hinten
 
Engl. Bezeichnungen:
dexter =rechte Seite des Schildträgers (linke des Betrachters), Platz der Ehre;
sinister =linke Seite des Schildträgers (rechte des Betrachters)

Rechts (engl./lat.: dexter) und links (engl./lat.: sinister) sind in der Heraldik meist einander entgegengesetzte PositionsangabenW-Logo.png.

Lagebestimmung

In der Heraldik sind bei der Wappenbeschreibung die Begriffe „rechts“ und „links“ zur Lagebestimmung zum Beispiel von Wappenfiguren im Wappen gebräuchlich.

Die heraldischen Richtungsangaben rechts und linksW-Logo.png beziehen sich nicht auf der Perspektive des Betrachters eines Wappens, sondern auf die Perspektive desjenigen, der sich hinter dem Wappenschild befindet bzw. der den Schild vor sich hält (was außerhalb der Heraldik manchmal für Verwirrung sorgt).

  • „Heraldisch rechts“ ist die vom Betrachter aus linke Seite (manchmal auch als vorn benannt).
  • „Heraldisch links“ ist die vom Beschauer aus rechte Seite eines Wappens (manchmal auch als hinten benannt).

Diese Seitenbezeichnung leitet sich aus der Zeit her, als das Wappen auf dem Schild im Kampf oder Turnier getragen wurde. Sie beziehen sich immer auf den Schildträger, das ist der hinter dem Schild stehende, nicht auf den Betrachter.

In der neueren Heraldik wird für „heraldisch rechts“ manchmal der internationale bzw. engl./lat. Begriff „dexter“ angewendet; für „heraldisch links“ der Ausdruck „sinister“.

Bedeutung

Die rechte Seite gilt als die Seite der „größeren“ Ehre, zum Beispiel bei einer Wappenvereinigung, wenn zwei Wappen mittels Spaltung verschränkt werden. Traditionell ist in diesem Fall die rechte Seite des neuen Wappens beispielsweise dem ursprünglichen Wappenbild des Mannes vorbehalten, die linke Seite dagegen dem ursprünglichen Wappenbild der Frau (genauer: dem Wappenbild ihres Vaters). Der Schild eines Bischofs zeigt traditionell auf der rechten Seite die Wappenmotive des Bistums, auf der linken die persönlichen. Auf Grabmälern wird die Seite, auf der das Wappen des Vaters oder der Großmutter väterlicherseits war, als Schwertseite bezeichnet. Spill- oder Kunkelseite ist die Bezeichnung der weiblichen oder mütterlichen Seite[1]. Auch diese Bezeichnung bezieht sich auf den historischen Zusammenhang.

Querrechts

Querrechts (auch „querrechtshin“; balkenweise nach rechts gewendet“; frz.: (..) posé en fasce la tête vers le flanc dextre; engl.: (..) in fess/fesswise, posed to dexter) ist in der Heraldik ein Fachbegriff beziehungsweise eine ...

„Bezeichnung für längliche Wappenfiguren in rechter Querstellung. Entscheidend ist die Lage des Hauptteiles (Kopf oder Spitze) der Figuren. Diese Stellung wird stets aus heraldischer Sicht blasoniert (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[2]

Gritzner erläutert 1889 den Fachbegriff folgendermaßen:

querrechtshin (Tafel XII. Figur 11. bis 15.): längliche Figuren, sobald ihre Längenachse der Querachse des Schildes folgt; bei querrechtshin ist zugleich ausgedrückt, dass ihre Spitzen, Köpfe, überhaupt ihr oberer Theil nach rechts (..) weist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Besitzt eine querrechte längliche Wappenfigur zudem ein besonderes Merkmal, dass nach oben oder nach unten gekehrt ist (der Bart eines Schlüssels, die Schneide eines Messers, die Spitze eines Stiefels etc.), ist dies zusätzlich zu melden.

Querlinks

Querlinks (auch „querlinkshin“; „balkenweise nach links gewendet“; frz.: (..) posé en fasce la tête vers le flanc senestre; engl.: (..) in fess/fesswise, posed to sinister) ist in der Heraldik ein Fachbegriff beziehungsweise eine Bezeichnung für längliche „Wappenfiguren in linker Querstellung“[2] (aus heraldischer Sicht). „Entscheidend ist die Lage des Hauptteiles (Kopf oder Spitze) der Figuren.“[2] Gritzner erläutert 1889 den Fachbegriff folgendermaßen:

querlinkshin (Tafel XII. Figur 17. bis 21.): längliche Figuren, sobald ihre Längenachse der Querachse des Schildes folgt, bei (querlinkshin -- Anm. der Redaktion) ist zugleich ausgedrückt, dass ihre Spitzen, Köpfe, überhaupt ihr oberer Theil nach links (..) weist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Besitzt eine querlinke längliche Wappenfigur zudem ein besonderes Merkmal, dass nach oben oder nach unten gekehrt ist (der Bart eines Schlüssels, die Schneide eines Messers, die Spitze eines Stiefels etc.), ist dies zusätzlich zu melden.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: rechts – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary Wiktionary: links – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Ökonomische Enzyklopädie, Johann Georg Krünitz, 1773 bis 1858 in 242 Bänden
  2. 2,0 2,1 2,2 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 317. ISBN 978-3-411-02149-9
  3. 3,0 3,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 70