Bastardwappen

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Bastardwappen: Ducs de Vendome

Ein Bastardwappen (auch Pastart-Wappen[1]; englisch bastard coat of arms) ist im Wappenwesen ein Wappen, in dem besondere optische Unterscheidungsmerkmale/-figuren erscheinen, die zur Kennzeichnung einer außerehelichen Herkunft beziehungsweise einer illegitimen Geburt dienten.

Darstellung

Frühes Bastardwappen von John BeaufortW-Logo.png, Sohn von John of GauntW-Logo.png, mit Elementen des Vaterwappens auf dem Schrägrechtsbalken, um die Bastardie zu bezeichnen. (Heinrich IV.W-Logo.png erließ später ein Edikt, mit dem er Beaufort legitimierte, erklärte ihn aber für nicht folgerichtig. Beauforts Urenkel Henry VII.W-Logo.png konnte diese Verbindung dennoch nutzen, um den Thron als erster Tudor-Monarch zu erhalten.)

Ein Bastardwappen ist in manchen Fällen erkennbar durch „negative“ Wappenmotive. So verweisen Wappentiere mit verhülltem Kopf oder verbundenen Augen manchmal auf eine illegitime Abkunft des Wappenführenden[2].

In Süd- und Südosteuropa wurden über das väterliche Wappenbild teils ein Bastardfaden, teils ein Faden gelegt, um uneheliche/eheliche Abstammung zu symbolisieren (diese zusätzlichen Wappenfiguren waren in diesen Fällen Beizeichen). Der Bastardfaden (Schräglinksfaden/Schräglinksbalken) deutet eine illegitime Herkunft an und verläuft gewöhnlich von links oben nach rechts unten (heraldisch: aus der Sicht des Trägers); bei einer legitimen Herkunft verläuft ein Schrägfaden/-balken umgekehrt von rechts oben nach links unten. Diese Unterscheidungsmerkmale sind in der Früh- und Blütezeit der Heraldik nicht gebräuchlich:

„Wir müssen in Bezug der Schrägteilung und Schrägbalken also wiederholt unsere Überzeugung dahin aussprechen, daß man in der alten Wappenkunst zwischen „schräglinks“ und „schrägrechts“ keinen Unterschied machte, oder wenigstens auf diesen Unterschied gar nichts gab, daß jeder, je nach Richtung des Schildes auch die Schrägen stellen (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Ein nur kurzes "Balkenstück" als Kennzeichen illegitimer Abstammung wird als schräglinker Einbruch bezeichnet.

In Nord- und Nordwesteuropa erschien das väterliche Wappen je nach Schildfigur in einem Schrägbalken, in einem Schildhaupt, in einem Sparren oder in der rechten oberen Ecke (oberes oder vorderes Geviert; „Freiviertel“), des ansonsten gewöhnlich ledigen Schildes.[4]

Vaterwappen Bastardwappen
Kombiniertes Besitzwappen: Wappen von Flandern und Holland (später: Wappen des Hennegau) Unehelicher Sohn: Im Freiviertel das Vaterwappen
 
 
Cuser.svg
Johann von AvesnesW-Logo.png (1247-1304) Willem CuserWp Insigne Nederlandicum.png (ca. 1290-1355)

„Manche Bastardwappen führen keine eigentlichen heraldischen Beizeichen, sondern lassen sich nur durch irgend eine Ähnlichkeit mit dem väterlichen Wappen erkennen.“

Emil von Pfeilitzer-Franck (1868)[5]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Vgl. Fliesbach, Johann Theodoretus von: hochbefriedigtes Käyserliches Wappen-Regal oder Verboth Der selbst-angenommenen falsch-erdichteten Affter- oder Bastart-Wappen, mit Cronen, Schild und Helm : Wie solches In der Anno 1658. zu Franckfurth aufgerichteten/ und bey neulichster Crönung zu Augspurg Anno 1690. wiederholten Käyserl. und Königl. Wahl-Capitulation ausdrücklich enthalten/ vermittelst eines Extracts ... von wem/ wie und wodurch die Wappen mit zugethanen oder offenen Helmen zu erlangen? ... was sie bedeuten/ und wem solche zu führen zukommen? 1699.
  2. Huber, Christian: Wappen und Privilegien. Standessymbolik im 'Ritterspiegel' des Johannes Rothe. In: Ackermann, Christiane; Barton, Ulrich: Texte zum Sprechen bringen: Philologie und Interpretation. 2009. ISBN 3484971509 S. 396.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 189.
  4. Herold, Verein für Heraldik (Hrsg.): Wappen. Handbuch der Heraldik. Als „Wappenfibel“ begründet von Adolf Matthias Hildebrandt, zuletzt weitergeführt von Jürgen Arndt, bearbeitet von Ludwig Biewer und Eckart Henning. Aktualisierte und neugestaltete Auflage. 20. Auflage. Böhlau Verlag GmbH & Cie., Köln, Weimar, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50372-7, S. 232 (deutsch: Wappenfibel.).
  5. Pfeilitzer-Franck, Emil von: Beitrag zur Adelsgeschichte der Ostseeprovinzen Russlands: Erster Abschnitt: Ritterwesen, Lehnsverfassung, Adelsentstehung, Wappenkunde. Ries. 1868. S. 11.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Bastardwappen“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 29.Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.