Wappenbrief

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappenbrief für die Familie Rottengatter, ausgestellt von Kaiser Friedrich III. in Ulm am 21. Juni 1473
1571, engl. Wappenbrief: für Henry Draper of Colnbrook (ausgestellt von Clarenceux King of Arms Robert Cooke; Quelle: Nationalarchiv UK)

Ein Wappenbrief ist in einem weiten Sinn eine Urkunde, durch die ein bestimmtes Wappen verliehen, verbessert, bescheinigt oder bestätigt und „meist auch beschrieben“[1] wird.

Darstellung

Einen Wappenbrief erhielten ursprünglich schon im Mittelalter nichtadlige Ritter über das vom König verliehene Wappen. Wappenbriefe oder auch Wappendiplome können zum Zeichen der Anerkennung oder für besondere Verdienste an einzelne Personen oder Familien ausgestellt sein. Wappenbriefe sind nicht gleichbedeutend mit einer Erhebung in den Adelsstand.

„Wappenbriefe adeln nicht.“

Deutsches Sprichwörter-Lexikon (1880)[2]

„er ist verschieden vom adelsbrief: wapenbriefe allein adeln nicht“

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (1854-1961)[1]

Wappen- als auch Adelsbriefe entstanden im 14. Jahrhundert und wurden von einem Landesherr, vom Kaiser oder dessen Hofpfalzgrafen ausgestellt und verliehen.[3] Einer der ältesten bekannten Wappenbriefe wurde nach Gert Oswald von Kaiser Ludwig IV., dem Bayern, am 8. Februar 1338 für den Grafen Carbonesi ausgestellt[3], und einer der ältesten Adelsbriefe von Kaiser Karl IV. am 30. September 1360 für den Frankfurter Bürger und Mainzer Geistlichen Wicker FroschW-Logo.png, dessen Grabplatte man sich noch heute in der Katharinenkirche in Frankfurt am Main ansehen kann.

Der Wappenbrief verlieh dem Besitzer mitunter durch seinen Inhalt alle damaligen Ehren- und Vorzugsrechte des Adels. Wenn die Empfänger der Wappenbriefe und ihre Nachkommen das Wörtchen „von“ nicht vor ihren Namen setzten, so entsprach das einer damaligen Sitte. Als dies dann Anfang des 18. Jahrhunderts gebräuchlich wurde, geschah es unbeanstandet. In dieser Zeit sind die in Wappenbriefen verbrieften Wappen teilweise unheraldisch:

„Die in den Wappenbriefen dargestellten Wappen entsprachen nicht immer den heraldischen Regeln. Das trifft insbesondere auf Wappenbriefe des 17. und 18. Jahrhunderts zu.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Weblinks

 Commons: Wappenbriefe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Arndt, J.: Die Entwicklung der Wappenbriefe von 1350 bis 1806 unter Berücksichtigung der Palatinatswappenbriefe. In: Der Herold. Neue Folge. Band 7. Heft 8. 1970
  • Dachenhausen, A. v.: Die kaiserlichen Wappenbriefe und Adelsdiplome. Wien. Ohne Jahr.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Wappenbrief. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880.
  3. 3,0 3,1 3,2 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. ISBN 978-3-411-02149-9 S. 414


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Wappenbrief“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 30.Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.