Heroldsbild

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Heroldsbild
Wappen
Wappenelemente

Heroldsbild (auch Heroldsfigur, Ehrenstück und Heroldsstück genannt) ist allgemein in der Heraldik ein geometrisches Wappenbild auf einem Wappenschild, das die Schildfläche in verschiedenfarbige regelmäßige Flächen „aufteilt“.

Jedes Heroldsbild zeichnet sich durch spezielle und wohldefinierte geometrische Eigenschaften aus, für die es eigene heraldische Bezeichnungen gibt, durch die ein Heroldsbild als eindeutige und wohldefinierte, spezifische „Schildteilung“ beschrieben werden kann.

Bestimmung des Ausdrucks „Heroldsbild“

Der Ausdruck „Heroldsbild“ wird seit seinem ersten Auftreten mehrdeutig und uneinheitlich verwendet. Spätere lexikalische Bestimmungen explizieren nicht hinreichend gesichert oder wissenschaftlich exakt und vollständig die Grenze, Bedeutung und den Zweck des alten Ausdrucks im Verlauf seines Gebrauchs durch die Jahrhunderte. Gebräuchliche Bestimmungen in Lexika sind zum Beispiel:

Heroldsbild (Heroldsfigur, Heroldsstück): Wappenbild, das durch die Teilung des Schildes in verschiedene, durch regelmäßig gezeichnetete Linien begrenzte Flächen entsteht. Die Teilungslinien können gerade oder krumm sein, müssen aber immer bis an die Schildränder reichen (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Heroldsbild: durch die Bemalung von Schilden entstandene, ungegenständliche Figur“

Duden online (2017)[2]

Querfurth kritisiert Mitte des 19. Jahrhunderts den Gebrauch des Ausdrucks „Heroldbild“:

Heroldbilder ist eine falsche, eine offenbare contradictio in adjectoW-Logo.png enthaltende Bezeichnung für "Heroldfiguren" (..) - Bilder sind eben gemeine Figuren; Heroldfiguren aber stellen heraldisch-abstracte Begriffe graphisch dar (wenn auch nicht allemal lauter Waffen, wie zwar der alte Zschackwitz will) , sind also jedenfalls erst recht keine Bilder.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1857)[3]

Ende des 19. Jahrhunderts verwendet Eduard Freiherr von Sacken die Ausdrücke Heroldsbild, Heroldsstück und andere dagegen synonym:

„Wappenbilder, die bloß in einer Teilung des Schildes durch regelmäßig gezeichnete Linien in zwei oder mehr verschiedenfarbige Plätze bestehen; diese nennt man (von den Herolden, welche diese Schildteilungen erfanden oder doch bestimmten) Heroldbilder, Heroldsstücke, Heroldsfiguren oder Ehrenstücke.“

Eduard Freiherr von Sacken: Katechismus der Heraldik (1893)[4]

Gert Oswald beschreibt im 20. Jahrhundert heute obsolete Einteilungen der Heroldsbilder:

„(..) Die alte Heraldik teilte die Heroldsbilder in zwei Klassen: 1. in Teilungsbilder oder Sektionen (hier findet die gleiche Verteilung der Farben in gleichgroße Plätze statt), 2. in eigentliche Heroldsbilder, bei denen eine Farbe einen größeren Platz einnimmt als die andere, so daß der kleinere Platz von den größeren eingeschlossen erscheint beziehungsweise als selbständige Figur sichtbar ist. In der Blütezeit der Heraldik war solch eine Differenzierung unbekannt. Die moderne Heraldik faßt unter dem Sammelbegriff Heroldsbild beide zusammen (..)“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[1]

Teilungslinien/Teilungsformen

Der Verlauf, wo die geometrischen Farbflächen aneinander grenzen, wird in der Heraldik „Begrenzungslinie“, „Teilungslinie“ oder einfach nur „Linie“ genannt. Diese können gerade, krumm oder anders geometrisch definiert erscheinen, reichen grundsätzlich an die Schildränder oder an die Feldränder und bewerkstelligen eine Teilung des ganzen Schildes oder Feldes. Durch Kombination derselben stehen eine große Anzahl unterschiedlich abstrakter Farbflächen zur Gestaltung eines Wappens mit Heroldsbildern zur Verfügung.

Plätze und Gevierte

Viele Wappenbilder lassen sich auf wenige Elemente zurückführen. Die Flächen verschiedener Farben, die in einem Wappenschild durch eine oder mehrere Teilungslinien getrennt werden, nennt man Plätze. Bei „einfachen“ Wappen liegen die Teilungslinien auf den grundlegenden Geviertlinien (Längs- und Querlinien, die den Schild gleichgroße Plätze teilen). Die dabei verwendeten Farben und Metalle („Tinkturen“) solllten den heraldischen Farbenregeln folgen, das heißt, es werden nur die „Farben“ schwarz, blau, grün und rot sowie die „Metalle“ Gold (Gelb) und Silber (Weiß) verwendet. Soweit es geometrisch möglich ist, berühren sich Flächen mit Farbe und Metall. Beispielsweise ist ein in Rot und Grün bzw. Farbe an Farbe gehaltener Wappenschild unter heraldischen Gesichtspunkten nicht wohlgestaltet. Bei Verwendung dreier verschiedener Tinkturen ist möglichst auf eine Trennung der beiden Farben zu achten, die Verwendung von zwei Metallen ist selten.

Platzbezeichnungen eines Wappens

Feldbezeichnungen eines Wappens Bezeichnungen der Gevierte:

1 = rechtes Hauptstück / rechter Kanton / rechtes Obereck
2 = mittleres Hauptstück / Hauptstelle / das Ort
3 = linkes Hauptstück / linker Kanton / linkes Obereck
4 = rechte Flankenstelle / rechter Seitenort / rechte Hüftstelle
5 = Herzstelle / Mittelstelle
6 = linke Flankenstelle / linker Seitenort / linke Hüftstelle
7 = rechter Punkt / rechtes Untereck
8 = Punkt / Fuß / Fußort
9 = linker Punkt / linkes Untereck

Bezeichnungen der Gevierten-Kombinationen:

1, 4, 7 = rechter Pfahl / rechte Flanke
2, 5, 8 = Pfahl / Pfahlstelle
3, 6, 9 = linker Pfahl / linke Flanke
1, 2, 3 = Schildhaupt
4, 5, 6 = Querbalken / Binde / Balkenstelle / Balken
7, 8, 9 = Schildfuß

In älteren Beschreibungen wird der Schild in fünf Reihen mit Hauptreihe, Ehrenreihe, Mittelreihe, Nabelreihe und Fußreihe bezeichnet. Für die Mittelreihe gibt es Synonyme: Gürtelreihe, Bandreihe oder Schildstraße.

Teilung und Spaltung, Ständerung

Die Kombination einer oder mehrere Teilungs-, Spaltungs-, Schräg- und anderen Linien mit unterschiedlichen Wappenschnitten eröffnen eine große Zahl an Gestaltungsmöglichkeiten, Wappenschilde in verschiedene Flächen mit verschiedenen Farben aufzuteilen.

Neben einer senkrechten Schildteilung („Spaltung“) und einer waagerechten (nur „Teilung“ genannt) zählen den grundlegenden Aufteilungskombinationen:

Teilungsbeispiele

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Ohne Bild:

Alle Teilungslinien können besondere Konturen, sogenannte „Wappenschnitte“ haben.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wappenschnitt

Weitere Grundelemente

Weitere Grundelemente um ein Wappen in die gewünschten Felder zu zerlegen sind die der Sparren, das Bord und das Nesselblatt. Ein breiten Rand nennt der Heraldiker Bord. Hier gehört auch das Nesselblatt dazu. Beide sind parallel zum Schildrand. Das Bord verläuft im Abstand zum Schildrand und kann unterschiedliche Linienformen haben. Auf den Bord sind auch gemeine Figuren möglich.

Die Schindeln, Rauten und Wecken und die Schachteilung sind aus der Heraldik nicht wegzudenken. Bei durch die Überschneidung gerader Linien entstehenden Farbwechsel spricht man von gerauteten bzw. geschachten Schilden. Auch hier gehören die schmaleren Rauten zu. Sie heißen dann Wecken. Ergänzt werden die Heroldsbilder durch die Flanke, das Gitter, den Göpel und die Stufe. Das Kreuz ist hier nur mit einer Darstellungsform von den zwei Möglichkeiten als Heroldsbild vertreten. Die andere Form ist eine Gemeine Figur.

Aus der Kombination von sich kreuzenden geraden Linien entstehen das Kreuz oder die Deichsel. Die Teilungslinien müssen aber nicht gerade sein. Sie können auch gewölbt, gewellt oder gezackt sein, was die Gestaltungsmöglichkeiten deutlich erweitert. Diese Art wird dem Wappenschnitt zugerechnet. Die Wappenschnitte als Schildteilungsmöglichkeit ist die Umfangreichste. Daneben gibt es Wellen, mit Zinnen gespaltet, Zacken (Zick-Zack-Line mit Spitzen), oder im Schneckenschnitt. Heroldsbilder aller Arten sind im Oberwappen auf gemeinen Figuren möglich und ihre Ausführungen sind wie im Schild vorzunehmen.

Beispiele

Besonders einfache Heroldsbilder finden sich zum Beispiel oft bei den Wappen der Schweizer Kantone (Kanton Luzern, Kanton Zürich etc.). Bekannte Wappen mit Heroldsbildern in Deutschland sind der Fränkische Rechen und das Bayerische Rautenwappen der Wittelsbacher.

Unterschied Heroldsbild und Gemeine Figur

Das Heroldsbild stellt einen Gegensatz zur Gemeinen Figur dar, bei der Lebewesen (wie das Wappentier), Gegenstände, Gebäude, Landschaftsbestandteile, astronomische Objekte oder andere visuell wahrnehmbare Erscheinungen der Realwelt zur Wappengestaltung eingesetzt werden. Gemeine Figuren können theoretisch auch in „natürlichen Farben“ dargestellt werden, auch wenn dies vermieden werden sollte. Gemeine Figuren unterscheiden sich in der Regel von Heroldsbildern dadurch, dass ihre Farbflächen den Schildrand nicht berühren. Dieses Kriterium kann in schwierigen Grenzfällen bei der Unterscheidung helfen. So zum Beispiel beim heraldischen Motiv des Kreuzes: Ein Kreuz, dessen Arme den Schildrand berühren, gilt als Heroldsbild. Wenn die Arme nicht bis an den Schildrand reichen, das Kreuz also gänzlich innerhalb des Schildes steht, handelt es sich um eine Gemeine Figur.

Literatur

Siehe: Literatur des Artikels Heraldik

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 198.
  2. Duden online „Heroldsbild“. Abgerufen: 04. November 2017
  3. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 65.
  4. Sacken, Eduard Freiherr von: Katechismus der Heraldik. Grundzüge der Wappenkunde. Leipzig. 1893. S. 19

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Heraldische Plätze – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Heroldsbild“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 17. April 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.