Schräggeteilt

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Dieser Artikel behandelt den Ausdruck „schräggeteilt“ und das Heroldsbild. Weitere Schrägteilungen siehe Schrägteilung (Hauptgruppe).
 
Schräggeteiltes Wappenschild
(Feldeinteilung:
1=oben; 2=unten)
 
Schräggeteilt
(Heroldsbild:
Schräggeteilt von Rot und Silber; Wappen Niedergösgen, Solothurn, Schweiz)
 
1305-1315: Schrägteilung im Wappen Heinrichs von Veldeke (nach Codex Manesse)
 
um 1460: Schrägteilung im Wappen von Wildenstein (nach Berliner Wappenbuch)

Schräggeteilt (auch „schräggequert“, „geschrägt“, „schrägrechts geteilt“, „durchschnitten“ oder nur „schrägrechts“, bei Konrad Fischnaler „schrägfach“; frz. tranché; engl. per bend) bezeichnet in der Heraldik

  • allgemein: die in diagonaler Richtung verlaufende Teilung eines Wappenschilds oder einer Wappenfigur mittels mindestens zweier unterschiedlicher Tinkturen beziehungsweise mittels mindestens zweier farblich geschlossener Teilflächen.
  • im engeren Sinn: eine abkürzende Bezeichnung für schrägrechtsgeteilt („rechts geschrägt“), das heißt für eine in diagonaler Richtung verlaufende Teilung eines Wappenschilds oder einer Wappenfigur, die von heraldisch rechts oben durch die Schild-/Figurmitte nach heraldisch links unten verläuft („von rechter Oberecke zu linker Unterecke“). Sie ist gewöhnlich gerade ausgeführt oder erscheint in Form einer anderen zu meldenden Teilungslinie („wellenförmig schräg[rechts]geteilt“, „zinnenförmig schräg[rechts]geteilt“ etc.)
  • im besonderen Sinn: ein spezifisches Heroldsbild („Schrägteilung“), bei dem an der schrägrechten Diagonalen eines Wappenschildes (eines Feldes) zwei Flächen mit unterschiedlichen heraldischer Farbe aneinander grenzen (z. B.: schräg[rechts]geteilt von Rot und Silber; rot-silberne Schräg[rechts]teilung o. ä.).[1]

Geschichte

In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens steht die Bedeutung des Ausdrucks schräge Teilung („schräggeteilt“) allgemein im Gegensatz zu einer waagerechten Teilung und einer senkrechten Spaltung. In der heraldischen Praxis dieser Zeit ist es zweitrangig, ob die Schrägteilung als schrägrechte oder als schräglinke erscheint beziehungsweise ob sie von rechts oben nach links unten oder von rechts unten nach links oben verläuft. Erst die spätere Heraldik unterscheidet streng zwischen einer schrägrechten und einer schräglinken Teilung. Vor allem im 17., 18. und 19. Jahrhundert findet in der heraldischen Literatur eine Debatte darüber statt, ob „schräggeteilt“ als Schrägrechtsteilung (von Sacken, Gritzner u. a.) oder als Schräglinksteilung (Bernd, Dorsch, Hefner u. a.) zu deuten ist.

„V. Theilungen in diagonaler Richtung: Die verschiedenen Heraldiker der letzten beiden Jahrhunderte sind über die Art, die Schrägteilung
1) von rechts oben nach links unten und
2) von links oben nach rechts unten anzusprechen, leider sehr verschiedener Ansicht gewesen und das schrägrechts und schräglinks, was in der alten Heraldik gar keine Rolle spielte, ist von den Zopfheraldikern zu einem Casus belli ohne Gleichen aufgebauscht worden, obwohl man, bei ruhiger Betrachtung der Sache, unwillkürlich an das „Ei des Columbus“ zu denken genöthigt wird.
Denn, da nach alter heraldischer Regel das Rechte dem Linken und das Obere dem Unteren voranzugehen pflegt, so liegt es auf der Hand, dass für die Schrägteilung von rechts oben nach links unten es keinen logischeren Ausdruck geben kann, als: schrägrechts oder kurzweg schräg, dagegen für die vom linken Ober- nach dem rechten Untereck den Ausdruck schräglinks.
All die neuerfundenen Ausdrücke (zum Beispiel das „Gehren“ Bernds und Anderer) fallen somit in sich selbst zusammen und glauben wir auch, das 910 der heutigen Heraldiker sich bereits für die obigen kurzen und logisch-verständlichen Ausdrücke entschieden haben dürften.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Heute ist es allgemein angenommen, daß „schräggeteilt“ und „schrägrechtsgeteilt“ Synonyme sind.

Darstellung

Entsprechend der Teilung und der Spaltung sind ein- und mehrfache Schrägteilungen möglich[3]. Alle gebräuchlichen Teilungslinien (siehe → Wappenschnitte) können bei einer Schrägteilung angewendet werden, wenn dies entsprechend gemeldet wird. Bei der Meldung sollte immer das obere Feld der Schrägteilung zuerst angesprochen werden. Gewöhnlich verläuft die Schrägteilung in einem Winkel von 45 Grad. Bei der konkreten Darstellung gibt einen kleinen Spielraum: In Ausnahmefällen - wenn die Gesamtharmonie eines konkreten Wappenbildes es erforderlich macht - kann der Winkel ein wenig nach oben oder unten von den idealen 45 Grad abweichen, ohne daß dies gesondert gemeldet werden müßte. Wie fast immer in der Heraldik hat eine harmonische Gestaltung in diesem Zusammenhang Vorrang vor einer mathematisch-geometrisch exakten Zeichnung.

Einfache Schrägteilung

„Geschrägt (schräggeteilt) von rechts oben nach links unten: Wie immer, so geht auch hier der oben entstandene Platz dem unteren vor; man beschreibt also zum Beispiel (Tafel VII. Figur 58.) von Rot und (oder „über“) Gold schräggeteilt (oder geschrägt).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: mit Gegenspickel

„Geschrägt mit Gegenspickel (Tafel VII. Figur 59.): heißt der Schild, wenn aus der Mitte der Schrägteilungslinie sich ein nach dem entgegengesetzten (nicht durchschnittenen) Obereck gerichteter Spickel (oder eine bis zur diagonalen Mitte des oberen Feldes reichende Spitze) erhebt, der mit dem unteren Felde von gleicher Färbung ist (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: mit Gegenspitze

„Geschrägt mit Gegenspitze (Tafel VII. Figur 60.): wenn die Spitze bis zum Obereck durchreicht.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: mit Gegenkeil

„Geschrägt mit Gegenkeil (Tafel VII. Figur 61.): wenn die Spitze keilförmig von dem oberen in das untere Feld hinein bis zum Untereck gezogen ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: stufenförmig

„Stufenförmig geschrägt (mit Treppe geteilt; Tafel VII. Figur 62.): wenn die Schrägteilungslinie im Stufenschnitt abwärts gezogen ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: zinnenförmig

Zinnenförmig geschrägt sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Zinnenschnitt gezogen ist.

Schräggeteilt: schrägzinnenförmig

Schrägzinnenförmig geschrägt sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Schrägzinnenschnitt gezogen ist.

Schräggeteilt: spitzenförmig

Spitzenförmig geschrägt (Tafel VII. Figur 65.): sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Spitzenschnitt (..) geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: zahnförmig

Zahnförmig geschrägt (Tafel VII. Figur 66.): (sagt man), wenn die Schrägteilungslinie im Zahnschnitt (..) geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: bogenförmig

Bogenförmig geschrägt (Tafel VII. Figur 67.): (sagt man, wenn die Schrägteilungslinie) im Bogenschnitt (..) geführt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Schräggeteilt: wellenförmig

Wellenförmig geschrägt sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Wellenschnitt gezogen ist.

Schräggeteilt: rundzinnenförmig

Rundzinnenförmig geschrägt sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Rundzinnenschnitt gezogen ist.

Schräggeteilt: wolfszahnförmig

Wolfszahnförmig geschrägt sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Wolfszahnschnitt gezogen ist und die Spitzen nach oben gebogen sind.

Schräggeteilt: wolkenförmig

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wolkenschnitt

Wolkenförmig geschrägt sagt man, wenn die Schrägteilungslinie im Wolkenschnitt gezogen ist beziehungsweise Wolken (Wogen) bildet.

Schräggeteilt: doppelwolkenförmig

Schräggeteilt mit Lindenschnitt

Mehrfache Schrägteilung

Bei mehrfacher Schrägteilung werden in der dt. Heraldik die Anzahl der Teilungslinien gezählt (nicht die Anzahl der entstandenen Farbflächen/Plätze, wie das in der englischen und französischen Heraldik der Fall ist). Der eher unbestimmte Ausdruck mehrfach/vielfach schräg(rechts)geteilt bedeutet, daß mehr als elf Teilungslinien erscheinen (Minimum).

Blason Anzahl Linien Anzahl entstandene Flächen
schräg[rechts]geteilt Eine Spaltungslinie Zwei Farbflächen
zweimal schräg[rechts]geteilt Zwei Spaltungslinien Drei Farbflächen
... ... ...
mehrfach/vielfach schräg[rechts]geteilt mehr als elf Spaltungslinien mehr als zwölf Farbflächen

Grundsätzlich ist bei mehrfachen schrägen Teilungen zu unterscheiden, ob tatsächlich echte Schrägteilungen vorliegen -- oder ein oder mehrere Schrägbalken.

„Treten Schrägteilungen in ungerader Anzahl auf, spricht man auch bei mehreren Linien von mehreren Schrägteilungen. Gezählt werden dabei nicht die enstandenen Farbflächen, sondern die Teilungslinien. Treten Schrägteilungen in gerader Anzahl auf, und kommen nur zwei Farben abwechselnd vor, spricht man von einem „Schrägbalken“ oder mehreren Schrägbalken. „n“ Schrägteilungen (n = gerade) ergeben n/2 Schrägbalken. Bei zwei Farben genügt folglich ein Vergleich der beiden gegenüberliegenden „Schildecken“: Gleiche Farbe - Schrägbalken, ungleiche Farbe - Schrägteilungen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit der Verwendung mehrerer Farben, dann spricht man auch bei gerader Anzahl der schrägen Teilungen von „Schrägteilungen“. Der Ausdruck „Schrägbalken“ setzt voraus, daß er auf beiden Seiten von der gleichen Farbe begrenzt wird. Ist das nicht der Fall, wird weiterhin von „Schrägteilungen“ gesprochen.“

Bernhard Peter (2007)[4]

Erniedrigte/erhöhte Schrägteilungen

Schrägteilungen können wie andere Heroldsbilder exzentrisch im Schild/Feld liegen und sind dann erhöhte oder erniedrigte Schräg(rechts)teilungen.

Galerie

Wappenbilderordnung

Weblinks

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Schrägteilungen und Schrägbalken

 Commons: Schräg(rechts)geteilte Schilde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Dreimal schräg(rechts)geteilt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Fünfmal schräg(rechts)geteilt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Siebenmal schräg(rechts)geteilt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Neunmal schräg(rechts)geteilt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Elfmal schräg(rechts)geteilt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vgl. WBO 0401 in: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 12
  3. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 155
  4. Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Schrägteilungen und Schrägbalken. Internet. Erstellt: 2007. Abgerufen am 29. Dezember 2013.