Leistenstab (Heraldik)

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Leistenstab
 
1/14 der Schildhöhe
 
1/12 der Schildhöhe

Der Leistenstab (auch Fadenbalken genannt; frz.: filet en fasce; engl.: barrulet, closet) ist in der Heraldik ein Heroldsbild.

Darstellung

Der Leistenstab leitet sich von den Heroldsbildern Balken bzw. Leiste ab. Genau wie diese erscheint ein einzelner Leistenstab, indem man sich zwei parallellaufende waagerechte Begrenzungslinien von Rand zu Rand denkt, die ein Feld oder ein Wappenschild in drei Flächen aufteilen. Die oberere und die untere Fläche besitzen zwingend die gleiche heraldische Farbe, die sich von jener des eigentlichen Leistenstabes unterscheidet. Wenn oberhalb und unterhalb der Teilungslinien nicht die gleichen Farben verwendet werden, spricht man nicht von einem „Leistenstab“, sondern von „Teilung“.

Die Begrenzungslinien eines Leistenstabes stehen sehr eng beieinander. Er erscheint insgesamt schmaler als Balken und Leiste und wird allgemein mit weniger als der Höhe von der Hälfte eines Balken bzw. mit etwa der Höhe der Hälfte einer Leiste dargestellt. Gewöhnlich hat ein einzelner Leistenstab eine Höhe von etwa 1/14 bis 1/12 der Schildhöhe. Diese Angaben sind kein heraldisches Dogma, sondern eine Empfehlung. Je nach Wappen und Wappendarstellung und Kontext, kann die Leistenstabhöhe leicht variieren, wenn dies dem Gesamteindruck des Wappens förderlich ist. Erscheinen mehrere Leistenstäbe im Schildbild werden die Höhen entsprechend angepaßt.

Siebmacher

„Wird er (der Balken -- Anm. Redaktion) auf 1/14 der Schildhöhe verringert, so heißt er: Leistenstab.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Ausprägungen

Ist der Verlauf eines Leistenstabs diagonal in der Fläche, wird er als Schrägleistenstab bezeichnet. Es wird die Richtung „Schräglinks-“ mit angegeben, wenn der Verlauf von vorn unten nach hinten oben ist. Bei entgegengesetzter Richtung ist die Angabe nicht erforderlich.

Galerie

Wappenbilderordnung

Der Leistenstab („Fadenbalken“) wurde zusammen mit der Leiste[6] in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 0162 aufgenommen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Blason: „In Blau ein ausgerissener, belaubter silberner Baum überdeckt von einem achtfach gold-schwarz geteilten schrägen Leistenstab.“ Quelle: Amtsblatt für den Landkreis Wittenberg Nr. 24/2008 Seite 2
  3. Blason: „Durch einen silbernen Schräglinksbalken, belegt mit einem grünen Leistenstab, geteilt; oben in Grün ein goldenes Hirschgeweih, unten in Rot eine goldene, heraldische Rose mit silbernen Kelchblättern.“
  4. Blason: „In Grün über zwei parallelen, schwarz konturierten Wellenleistenstäben ein offener silberner Torbogen (Korbbogen), in der Toröffnung ein abgeschnittener Pferderumpf.“
  5. Blason: „Geteilt durch einen erniedrigten, wellenförmigen goldenen Leistenstab; oben in Rot eine goldene Giebelseite eines niedersächsischen Bauernhauses mit schwarzen Fachwerk und schwarzen Giebelbrettern mit abgewendeten Pferdeköpfen, unten in Grün ein unterhalbes, achtspeichiges, achtschaufeliges goldenes Mühlrad.“
  6. Vgl. Band 2, Seite 190: Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo, hrsg. vom Herold - Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin. Bearb. von Jürgen Arndt und Werner Seeger, 2 Bde, 2. ergänzte u. berichtigte Aufl., Neustadt a. d. Aisch 1990-1996 (kurz: WBO). Bd. 1.: Wappenbilder; Bd. 2: General-Index.
    Editorische Notiz: Zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner (Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).