Flanke (Heraldik)

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Linke Flanke
 
2/7 der Schildbreite
 
1/3 der Schildbreite
Rechte Flanke
 
2/7 der Schildbreite
 
1/3 der Schildbreite

Unter dem Heroldsbild Flanke oder auch Seite versteht man in der Heraldik (Wappenkunde) einen zum Schildrand verschobenen Pfahl. Abhängig davon, zu welchem Seitenrand die Verschiebung des Pfahles erfolgt, unterscheidet man zwischen

  • einer (rechten) Flanke (frz.: flanc dextre; engl.: per pale in flank dexter)
  • einer linken Flanke (frz.: flanc sensestre; engl.: per pale in flank sinister)

Darstellung

Wappenplätze

Ein einzelner gewöhnlicher Pfahl nimmt in einer reihenweisen Ordnung die gedachten Plätze 2, 5 und 8 in einem Wappen ein, wobei er je nach Entwurf eine Breite von etwa 27 bis 13 der Schildbreite besitzt. Verschiebt man einen gewöhnlichen Pfahl ...

  • in die Wappenplätze mit den Nummern 1, 4 und 7 bis zum heraldisch rechten Schildrand oder
  • in die Wappenplätze mit den Nummern 3, 6 und 9 bis zum heraldisch linken Schildrand

... dann spricht man von einer rechten beziehungsweise linken Flanke. Wie beim Pfahl oder Balken sollte die Breite einer Flanke etwa 27 bis 13 der Schildbreite nicht übersteigen, wobei dies ein allgemeiner Richtwert ist. In Ausnahmefällen sind kleinere Abweichungen möglich, wenn sie der Ästhetik des Gesamtbilds förderlich sind.

Alle nachstehenden Flankenarten können mit weiteren Heroldsbildern verändert werden oder mit gemeinen Figuren belegt werden. Die Begrenzunslinie der Flanke kann in einem zu meldenden Wappenschnitt ausgeführt sein. Alle Farbgebungen („Tingierung“) sind anwendbar.

Doppelflanke

Wenn sowohl eine rechte wie eine linke Flanke in einem Wappen dargestellt wird, spricht man von einer Doppelflanke (dies aber nur, wenn der mittleren Bereich signifikant breiter ist als jener der Flanken).

Flankenpfahl

Ist ein Abstand zum Seitenrand vorhanden, so spricht der Heraldiker von einem Flankenpfahl, möglich sind sowohl ein rechter wie auch ein linker Flankenpfahl. Die Mittellinie eines Pfahls muss mit der Begrenzung der Flanke zusammenfallen.

Flankenbalken

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Flankenbalken

Der Flankenbalken oder Seitenbalken stellt eine Verbindung zwischen der Flanke und einem Balken in gleicher Tinktur dar. Voraussetzung ist das Fehlen einer Abgrenzung beider Heroldsbilder durch eine Linie. Auch hier ist eine rechte und linke Ausführung erlaubt.

Schildfußflanke

Oft kommt es zu Verwechslungen, wenn beim Heroldsbild ein Schildfuß mit im Spiel ist. Der Schildfuß wird nicht nur mit einer Flanke kombiniert, sondern auch einem Pfahl. Der Schildfuß erhält bei gleicher Tinktur der beiden Figuren den entsprechenden Eigennamen: Schildfußflanke, auch rechte oder linke Fußflanke genannt (nicht zu verwechseln mit dem Schildfußpfahl).

Ein- oder ausgebogene Flanke

Die Flanke kann auch aus- oder eingebogen sein.

Besondere Flanken

Fehlt eine trennende Linie zum übrigen Teil des Wappenschildes und erscheinen am rechten/linken Schild-/Feldrand als Reduzierung/Erweiterung der Flankenfläche fortlaufende Spitzen, Spickel (kleine Spitzen), Winkel oder andere wenig ins Feld hinein reichende Wappenschnitte, Heroldsbilder etc., so kann das Morphem „-flanke-“ mit dem jeweiligen Schnitt beziehungsweise einer jeweiligen Wappenfigur zu einem Ausdruck mit einer speziellen Bedeutung zusammengezogen sein (zum Beispiel Flankenspitze, Flankenspickel/Spickelflanke und so weiter).

Winkelflankenspaltung

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Winkelflanke

Flankenspickelspaltung

Spalten Spickel („kleine Spitzen“) eine Flanke am rechten oder linken Schild-/Feldrand auf Flankenbreite, so kann man sie unter Angabe ihrer Anzahl als „1, 2, 3 ...“ und so weiter Flankenspickel zählen oder als Spickelflanke ansprechen, wenn die forlaufenden Spickel auf Flankenbreite durch eine senkrechte linienförmige Abteilung vom Hauptfeld eigenständig erscheinen und zum Beispiel jeweils drei (oder mehr) Spickel und Gegenspickel die vollständige Höhe einer Flanke ausfüllen.

Spickelflanke (Tafel II. Figur 80.): nennt man eine durch den Spickelschnitt abgetheilte Flanke. Wenn, wie hier, der dem Schilde zugekehrte Theil der Flanke dieselbe Färbung mit dem Schilde hat, also eigentlich nur 3 innerhalb der Flankenbreite zusammenhängende rothe Spitzen sichtbar sind und die Begrenzungslinie der Flanke nach dem Schilde zu — wie dies bei gleicher Färbung heraldisch richtig — fehlt, so könnte man sehr wohl diesen Schild auch ansprechen als: in Silber 3 rothe linke[1] Flankenspickel und würde die Figur demnach bei den Spickeln (s. diese) einzurangiren sein.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Flankenspitzenspaltung

Spalten Spitzen den Schild oder das Feld, indem ihre nach links oder rechts gerichteten Gipfel bis zu einer gedachten gegenüberliegenden Flanke reichen, so kann man sie unter Angabe ihrer Anzahl als „1, 2, 3 ...“ und so weiter Flankenspitzen zählen. Aus Gründen der Unverwechselbarkeit empfiehlt es sich, das jeweilige Heroldsbild eher systematisch und ausführlich zu beschreiben und kurze, in der heraldischen Literatur nicht einheitlich verwendete historische Ausdrücke zu vermeiden (also beispielsweise nicht nur „linke Flankenspitze“ sondern eher: „rechts liegende, mit ihrem Gipfel nach links bis zur linken Flanke zeigende Spitze“).

Mit Flankenspitzen gespalten (Tafel II. Figur. 63. bis 67.): heisst ein Schild, wenn die Spaltungslinie sich in Form von Spitzen zickzackförmig hin und her zieht, doch gehen diese Spitzen beiderseits nicht bis zu dem gegenüberliegenden Schildrande, sondern nur zwischen 2 Flanken (..) hin und her. Diese Spitzen werden daher „Flanken“ oder „mittelmässige“ Spitzen genannt werden. Der Schnitt heisst: Flankenspitzenspaltung. Man zählt auch hier die Zahl der Spitzen, wie bei der Spitzenspaltung (vergl. den vorigen Artikel).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Galerie

Weblinks

 Commons: (Rechte) Flanken in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Linke Flanken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bogenflanke in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bei Siebmacher versehentlich als „rechte“ Flankenspickel bezeichnet, was dem Umstand geschuldet ist, dass diese Spickel am heraldisch rechten Schildrand anliegen, aber außer Acht läßt, dass der „Gipfel“ der Spickel nach heraldisch links zeigt, was letztlich den Namen der Spickel bestimmt.
  2. 2,0 2,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 15


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Flanke_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 30.Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.