Conrad Grünenberg

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Konrad von Grünenberg

Conrad Grünenberg (auch Konrad Grünenberg, * vor 1442; † um 1494) war ein bedeutender Bürger und Ritter aus einem Patriziergeschlecht aus Konstanz.

Leben

Auf der Reise nach Jerusalem

Genauer Geburtstermin und Sterbetermin sind nicht belegt. Als Sterbejahr ist 1494 anzunehmen. Er war in Konstanz am Bodensee Bürgermeister und Baumeister. Erstmals ist sein Name öffentlich, als er im Auftrag der Stadt Konstanz 1442 als Baumeister erwähnt wird.

Grünenberg widmet sich der Heraldik und verfasst sein nach ihm benanntes Wappenbuch („Konrad Grünenbergs Wappenbuch“). Beim Verfassen des Werkes griff er auf mehrere Vorlagen zurück. Er war Mitglied des regierenden Rates (1454 bis 1462) über viele Jahre und mehrmals Bürgermeister der Stadt. 1465 wurden er und sein Bruder Hans vom Kaiser Friedrich III. zum Diener ernannt und auch 1485 erstmals als Ritter in den Ratsbüchern genannt.[1]. Ab 22. April 1486[1] war er auf einer 22 Wochen dauernden Wallfahrt nach Palästina und wurde in Jerusalem zum Ritter des Ordens vom Heiligen Grab geschlagen.

Er war zudem Ritter des Kannenordens und des Schwertordens von Famagusta. Dieser Orden ist der bekannte Schwertorden und hat nur den Zusatz Famagusta, da die Verleihung nur in dieser Stadt erfolgte. Es ist kein neuer Orden im eigentlichen Sinne. Der habsburgische St. Georgs-Orden[1] soll sein Wappen geziert haben.

Konrad Grünenbergs Wappenbuch

Nach neueren Forschungsarbeiten sind Stand 02/2016 von Konrad Grünenbergs Wappenbuch mindestens acht Handschriften erhalten, womöglich mehr, wobei die Berliner Handschrift im Geheimen Staatsarchivs, Preussischer Kulturbesitz (GStA PK VIII. HA, II 21) das Original zu sein scheint, die anderen Kopien.[2]:

  1. Berliner Papierhandschrift (auch Konstanzer oder Stanz’sche Handschrift genannt): Berlin Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, VIII. HA II, Nr. 21. Laut Vorwort angeblich am 9. April 1483 vollendet; Klaus Graf und andere führen Gründe an, daß diese Handschrift vermutlich jedoch nicht vor 1485/86 fertiggestellt wurde.
  2. Münchener Pergamenthandschrift (Münchner Kopie): München, BSB Cgm 145. Das genaue Datum der Entstehung dieser Handschrift ist unbekannt. Je nach Autor datiert man die Entstehung unterschiedlich: ca. 1480 (Münchner Kataloge); nach 1483 (Stillfried-Alcántara); zwischen 1480 und 1500 (Schmeler); um 1500 (Pastoureau). Einige Autoren interpretieren diese Handschrift als Abschrift der Berliner Papierhandschrift.
  3. Handschrift Linz (Aistersheim Kopie): Linz, Oberösterreichisches Landesarchiv, Neuerwerbungen, Hs. 214). Diese Handschrift ist laut Klaus Graf in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden (um 1580); „Denke bezeichnet sie als Abschrift von Cgm 145“ bzw. als Kopie der Münchner Kopie.[2]
  4. Brün-Kopie: Mährisches Landesarchiv Brünn (Moravian Land Archives Brno), sign. G12 Cerr. II, 397. Die genaue Entstehungszeit dieser Handschrift ist unbekannt. František Pícha erwähnt, dass Bernd Konrad eine vorläufige Analyse von Zeichen- und Schreibstil dieser Handschrift durchführte (wobei er keine Möglichkeit hatte, dabei die Wasserzeichen zu studieren). Nach der vorläufigen Analyse wird eine vage Entstehungszeit nach 1550 geschätzt.[2]
  5. Rosengartenhandschrift (Konstanzer Kopie): Rosgartenmuseum Konstanz, Hs. 1971/54. Das genaue Datum der Entstehung dieser Handschrift ist unbekannt. František Pícha erwähnt, dass diese Handschrift aus zwei getrennten Büchern besteht und womöglich Ende des 16. oder Anfang des 17 Jahrhunderts angelegt wird.[2]
  6. Münchener Papierhandschrift (Ortenburg-Kopie): München, BSB, Cgm 9210. Dieses Werk ist zwischen 1602 und 1604 entstanden. Die Handschrift gilt als Abschrift der Münchner Pergamenthandschrift und weist gegenüber dieser im Detail zahlreiche kleinere Änderungen auf.
  7. Schwarzenberg Kopie: Bibliothek Schloss Frauenberg (Castle Library Hluboka nad Vltavou), sign. Cod. 9729. František Pícha erwähnt, dass Bernd Konrad den Ursprung dieser Kopie etwa auf 1680 schätzt. Der Urheber dieser Kopie erscheint im Vergleich mit den Malern der anderen Handschriften kein Wappenkünstler im eigentlichen Sinn zu sein, sondern ein Laie oder Gelegenheitsmaler ohne Sinn für Präzision und Detailtreue.[2]
  8. Züricher/Zürcher Derivat (Züricher/Zürcher Kopie): Zentralbibliothek Zürich, sign. A 42. Nach František Pícha wahrscheinlich zwischen 1515 und 1527 entstanden. Diese Handschrift ist keine Kopie von Grünenbergs Wappenbuch im eigentlichen Sinn. Sie basiert auf der Auswertung von historischen Aufzeichnungen des Wappenbuchs, die eher als Inspiration dienten. Der Urheber der Zürcher Kopie fügte seiner Abschrift eine Reihe eigener Bilder und viel Begleittext und Kommentare hinzu.[2]

Ein breitem Publikum wurde Grünenbergs Wappenbuch durch die (nicht ganz seitengetreue) Faksimilierung der Berliner Papierhandschrift bekannt, die im Jahre 1875 von Hildebrandt und anderen herausgegeben wurde und später mehrfach neu aufgelegt wurde.

Werke und Faksimilie von Conrad Grünenberg

  • Österreichische Chronik, von 1480 enthält etwa 84 Wappendarstellungen, Phantasiewappen und Wappen von österreichischen Adligen (Herzöge ?).
  • R. Graf von Stillfried-Alcantara, Ad. M. Hildebrandt (Hrsg.): Des Conrad Grünenberg, Ritters und Burgers zu Constenz, Wappenbuch. Volbracht am nünden Tag des Abrellen do man zalt tusend vierhundert drü und achtzig jar. In Farbendruck neu herausgegeben. Starke, Görlitz 1875–1884, (Als Faksimile, Saarbrücken 2009).
  • Reise von Konstanz nach Jerusalem, 1487, Reisebericht mit Abbildungen.
  • Johann Goldfriedrich, Walter Fränzel (Hrsg.). Ritter Grünembergs Pilgerfahrt ins Heilige Land 1486 Mit 24 Nachbildungen der Handzeichnungen Grünembergs. Voigtländer, Leipzig 1912, (Voigtländers Quellenbücher 18), (Als Faksimile, Saarbrücken 2009).

Galerie

Siehe auch

Literatur

  • Andrea Denke: Konrad Grünenbergs Pilgerreise ins Heilige Land 1486. Untersuchung, Edition und Kommentar. Köln 2010, ISBN 978-3-412-20608-6.
  • Klaus Graf: Adel als Leitbild – Zur Geschichte eines Grundwerts in Spätmittelalter und früher Neuzeit, in: Gelungene Anpassung? Adelige Antworten auf gesellschaftliche Wandlungsvorgänge vom 14.–16. Jahrhundert, hg. von Horst Carl und Sönke Lorenz, (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 53), Ostfildern 2005, 67–81. Adel als Leitbild
  • Michel Pastoureau: L’armorial universel de Conrad Grünenberg (1483), in: Armorial Grünenberg. Édition critique de l’armorial de Conrad Grünenberg (1483), hg. von Michel Popoff, Mailand 2011, III–XXXII. [1]
  • Siegfried Haider: Das Grünenberg-Wappenbuch aus Aistersheim, in: Blickpunkt Oberösterreich 40 (1990), 1-7.
  • Oberösterreichisches Landesarchiv: Panzerschrankverzeichnis

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Lexikon Heraldik, Gert Oswald, VEB Bibliographische Institut Leipzig, 1984
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Angaben nach:
    • Pícha, František: The Grünenberg armorial and seven of its copies: an assessment of the mutual dependency. In: Heraldica nova. Medieval Heraldry in social and cultural-historical perspectives (blog on Hypotheses.org), published: 19/02/2016, Internet: http://heraldica.hypotheses.org/4282.
    • Rolker, Christof: Konrad Grünenbergs Wappenbuch I: Die Handschriften. Internet: Heraldica Nova. Blog posted on 29/07/2013 by christofrolker. Abgerufen am. 30. Oktober 2013.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Conrad_Grünenberg“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 23. August 2012 (Permanentlink: [2]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.