Stufengiebel (Heraldik)

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Stufengiebel
 
als gemeine Figur
(„Stufengiebelfront“ gemäß WBO Nr. 8063; „Giebelhaus“ gemäß Siebmacher)
 
als schwebende Sonderform
(gemäß WBO, Nr. 0287)
 
als Heroldsbild
(„mit Stufengiebel geteilt“, gemäß Siebmacher)
 
1450-1580: „Stufengiebel“ im Wappen derer von Schwarzenstein, eigentlich die heraldische Stilisierung von „Fels/Stein“
 
Backstein-Staffelgiebel mit Blendbögen (historisches Rathaus Rostock, Bilddatum 1953
1942: Stufengiebelhaus im Wappen von Heinrich Hußmann

Der Stufengiebel (auch Staffelgiebel, Treppengiebel, Mauergiebel oder Katzentreppe genannt; frz.: pignon; engl.: gable) ist eine Wappenfigur, die im Verlauf der Geschichte unterschiedlich zu interpretieren ist:

Fels/Stein

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Felsen (Heraldik)
Aufsteighilfe aus Steinstufen
Die heute als „Stufengiebel“ bezeichnete Figur erscheint gewöhnlich als eine rechteckige Fläche, die wie eine Plattform auf zwei nach außen „gestuften“ symmetrischen Flächen mit senkrechten und waagerechten (gegebenenfalls zum Schildrand geschnittenen) Begrenzungslinien gefügt ist. Die Gesamtfigur, die auch als „Stufenpyramide“ bezeichnet wird, wirkt wie ein (dreistufiges) Podest mit rechts und links je einem „Stufen-/Treppenlauf“. Die Figur ähnelt einer Aufsteighilfe aus Steinstufen, die das Besteigen eines Pferdes erleichterte.

Diese Figur ist im älteren Wappenwesen die heraldische Stilisierung von Fels/Felsen/Felsgestein/Stein („giebelförmig abgestufte/r Fels/Felsen“) und wird in Form von drei Steinstufen dargestellt, die übereinander angeordnet sind (vgl. zum Beispiel die Steinstufenfigur im redenden Wappen der Grafen von Steinach/Stainach/Staynacher, die in Wappenderivaten bis heute erscheint).

Stufengiebel

Das Stufengiebel wird in der heraldischen Literatur unter anderem in folgende Kategorien der Wappenfiguren zugeordnet:

  • Zu den gemeinen Figuren, wenn der Stufengiebel mit eingezeichnetem Mauerwerk, Fenstern, Türen oder ähnlichem im Wappen erscheint oder Gebäudeteil einer anderen gemeinen Figur ist.
  • Zu den Sonderformen, wenn der Stufengiebel nicht bis zu den Schildrändern reicht, er also schwebend und ohne eingezeichnetes Mauerwerk im Wappen erscheint.

Stufengiebel als gemeine Figur

Stufengiebel als Gebäude

Der Stufengiebel (auch Stufengiebenfront, Giebelhaus genannt; frz.: façade pignonnée; engl.: gable-frontage grady) erscheint in der Heraldik stark stilisiert dem gleichnamigen Bauwerk nachempfunden. Teilweise wird ein Mauerwerk angedeutet. Die Anzahl der Stufen reichen meist von einem bis fünf. Die Farbgebung der Stufengiebel ist nicht einheitlich, erfolgt bevorzugt aber in Rot. Aus der realen Welt werden komplexe Staffelgiebelverzierungen und Schmuckelemente (Blendbögen, Friesen, Maßwerk, Zinnen, Voluten) in das Wappenwesen nicht oder nur heraldisch-stilisiert übernommen.

Stufengiebel als Mauerwerk

Wird ein Stufengiebel oder ein stufengiebelförmiges Mauerwerk mit einzelnen Ziegel-/Mauersteinen dargestellt, sollte gegebenenfalls die genaue Ausprägung und Form gemeldet werden. Siehe in diesem Zusammenhang auch:

Stufengiebel als Heroldsbild

In der Heraldik erscheinen mehrere Heroldsbilder, die ein Wappenschild oder ein Feld mit stufengiebelähnlichen Figuren respektive im Stufengiebelschnitt aufteilen. Teilweise ähneln die Stufengiebel-Heroldsbilder stufen- oder treppenförmigen oder anderen Wappenschnitten und werden wie diese als gestuft oder abgetreppt beschrieben. Erscheint in einem Wappen eine unbestimmte beziehungsweise größere Anzahl von Figuren im Stufengiebelschnitt bezeichnet man dies mit stufengiebelförmig.

„(Mit) Stufengiebel (geteilt) (Tafel III. Figur 59.) heißt der Schild, wenn die Teilungslinie sich vom unteren Drittel der beiden Schildseiten aus zunächst quer, dann senkrecht und so fort stufenförmig bis zur Höhe zwischen den ersten und zweiten oberen Drittel der Schildbreite auftreppt.
Beginnt die Teilungslinie zwischen dem ersten und zweiten Drittel der Schildseiten von oben und treppt sich nach unten ab, so ist dies ein gestürzter Stufengiebel (Tafel III. Figur 60.).
Wiederholt sich innerhalb einer Teilungslinie die Form des Stufengiebels mehrfach nebeneinander, so sagt man: stufengiebelförmig geteilt (Tafel III. Figur 61).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Offener Stufengiebel

(Offener) Stufengiebel (Tafel X. Figur 23.) ist ein mit Stufen, nach Art einer Treppe geführter Sparren.
Oben gestufter Sparren (Tafel X. Figur 24.) dagegen ist ein Sparren, von dem nur die obere Begrenzungslinie im Stufen-/Treppenschnitt geführt ist.
Zwei Stufengiebel (Tafel X. Figur 51.): hierbei gilt, was oben bei Tafel X. Figur 23. gesagt ist.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Spitze als Stufengiebel

Teilweise wird eine Spitze „giebelgestuft“.

„(..) Auch der Stufengiebel (Tafel IX. Figur 2.) ist eine Spitze bis zum Schildhaupt.
(Die rechten Spitzen -- Anm. der Redaktion) Tafel IX. Figur 21. und Figur 22 sind „rechte Stufengiebel“, der in der Figur 22. nur „bis zur Mitte“.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

Galerie

Andere Varianten

Stufengiebelkreuz

Stufengiebelkreuz (Tafel VI. Figur 62.) hat die Form wie das Sternkreuz, ist aber in Form eines Schweizerkreuzes durchbrochen und die Seiten abgestuft; es besteht sonach aus 4 durchbrochenen gemauerten Stufengiebel.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Stufengiebelkreuz

Schräg-Stufengiebel

Schräg-Stufengiebel (auch schräger Stufengiebel, Eckgiebel genannt) ist in der Heraldik ein Oberbegriff für vier Wappenfiguren, die spezielle Formen des Stufengiebels sind. Es gibt rechte und linke, obere und untere Schräg-Stufengiebel. Je nachdem, in welcher Schild-/Feldecke die Figuren liegen (hervorkommen) und in welche Richtung sie zeigen, werden sie in der Heraldik benannt (vergleichbar den Eckspitzen). Die oben genannten Empfehlungen für den gemeinen Stufengiebel gelten auch für einen Schräg-Stufengiebel. Ist beispielsweise seine Basis „durchbrochen, so daß die Tinktur des Feldes hindurchschaut, so nennt man ihn einen“ offenen Schräg-Stufengiebel[11]

Eine gewisse Bekanntheit erlangte das Motiv durch das Wappen des Adelsgeschlechtes Klammenstein (Ritter von Chlammstein/Klammensteiner, 14. Jahrhundert)[12]. Diese führten es als redendes Wappen (etwa im Sinne von „klammer Stein“[13]). Das Wappen des Ortes Nußdorf, der in der Nähe der Stammburg derer von Klammenstein liegt, ist dem Stammwappen des Adelsgeschlechts nachempfunden. Es zeigt: in Schwarz über blauen Wellen ein schräglinks absteigender silberner Mauergiebel. Bei Maximilian Gritzner wird die Figur als Linker Schräg-Stufengiebel beschrieben:

Linker Schrägstufengiebel (Tafel IX. Figur 28.): ist, obwohl im rechten Untereck stehend, doch in Richtung der linken Schrägspitze geführt; daß er nicht bis in das linke Obereck reichen kann, liegt in seiner Form“

Siebmacher/Gritzner (1889)[14]

Curt Oswalt Edler von Querfurt beschreibt das Motiv mißverständlich und nicht gemäß der heraldischen Terminologie als „in Schwarz ein schrägrechts construierter schwarzgemauerter silberner Mauergiebel“[11].

Wappenbilderordnung



Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweis

  1. Wappenbeschreibung: „In Grün eine erhöhte eingebogene silberne Spitze, vom unteren Schildrand aus belegt mit einem roten Stufengiebel mit zwei tagbeleuchteten Rundbogenfensteröffnungen nebeneinander, oben rechts begleitet von einem schwebenden silbernen Kuhkopf, links von einem schwebenden silbernen Schild, darin ein schwebendes Tatzenkreuz mit Nagelspitzfuß. “
  2. Wappenbeschreibung: „In Silber über grünen Schildfuß, darin ein silberner Bach, eine rote Kirche mit Stufengiebel, drei gotischen Fenstern und spitzbedachten seitlichen Treppentürmen. Der Schildfuß und die Portalstelle sind belegt mit einem goldenen Schild, darin ein rotbewehrter blauer Löwe, zwischen dessen Vorderpranken ein rotes Herz schwebt. Der Stufengiebel ist beseitet von zwei grünen Eichenblättern. “
  3. Wappenbeschreibung: „In Silber unter sechs stufenförmig aufeinandergeschichteten roten Ziegelsteinen (1:2:3) ein blauer Wellenbalken.“
  4. Wappenbeschreibung: „In Silber ein schwarzer Stufengiebel“
  5. Wappenbeschreibung: „Geteilt von Gold über Blau; oben ein rot gekrönter und bewehrter Schwarzer Löwe mit Doppelschweif, der aus dem im unteren Felde befindlichen, aus fünf roten Steinen gebildeten Stufengiebel hervorwächst. Auf dem Schild ruht eine Volkskrone; sie besteht aus einem mit roten Steinen geschmückten goldenen Reifen, der mit fünf ornamentalen Blättern besetzt ist. “
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  7. Wappenbeschreibung: „In Rot ein erhöhter silberner Stufengiebel, belegt mit einer eingeschweiften schwarzen Spitze, darin unten ein silberner Wellenbalken.“
  8. Wappenbeschreibung: „In Rot ein silberner Stufengiebel, belegt mit einem roten Tatzenkreuz (Kreuzlinger Kreuz).“
  9. Wappenbeschreibung: „In Grün ein bis in das Schildhaupt reichender silberner Stufengiebel, belegt mit einer siebenblättrigen grünen Linde auf grünem Dreiberg. In den oberen Ecken je ein goldener Spitzhammer, die Spitze nach innen gekehrt, die Stiele belegt rechts mit zwei geschrägten goldenen Ähren, links mit zwei geschrägten Schreibfedern (Gänsekielen).“
  10. Wappenbeschreibung: „Gespalten; vorne in Silber ein schwarzer Giebel mit vier Stufen, hinten in Blau zwei gekreuzte silberne Pilgerstäbe, auf der Kreuzung belegt mit einer silbernen Pilgermuschel.“
  11. 11,0 11,1 Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 86.
  12. Historischer Verein von Oberbayern: Oberbayerisches Archiv. Band 76-80, München 1950, S. 34.
  13. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Klamm. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  14. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.