Hut (Heraldik)

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Der Hut ist in der Heraldik allgemein:

  • eine gemeine Figur
  • ein Hilfskleinod
  • ein Oberbegriff, unter dem die meisten heraldischen Kopfbedeckungen gefaßt werden: Einerseits „Hüte“, die durch eine feste Form und eine umlaufende Krempe gekennzeichnet sind; andererseits „Kappen“, bei der eine Hutkrempe nicht um den ganzen Hut/Kopf verläuft; sowie „Mützen“ und „Helme“, die dem Schutz vor Verletzungen dienen (nur selten oder gar nicht werden „Kronen“ zu den Hüten gezählt).

Darstellung

Hüte und Kopfbedeckungen sind in der heraldischen Darstellung oft ein Spiegel der Mode einer bestimmten Zeit. Ursprünglich wurden in Wappen mittelalterliche blecherne Sturmhauben, aber auch der HutW-Logo.png der Bürger abgebildet. Kopfbedeckungen tauchen in den Wappenschildern/Feldern in unterschiedlichen Darstellungsformen auf. Farbgebung und die Kombination mit Heroldsbildern machen sie zu beliebten heraldischen Objekt. Hüte bzw. Kopfbedeckungen können mit anderen heraldischen Motiven bestreut oder besteckt sein. Nicht nur im Schild, sondern auch als Teil des Oberwappens hat sich der Hut behauptet. Hier kann man unterscheiden zwischen bloßes Zierelement und Rangzeichen.

Je nach Huthöhe unterscheidet man zwischen:

  • Hoher Hut“ (frz.: chapeau pyramidal oder chapeau conique; engl: conic bonnet): Meist sind damit Spitzhüte gemeint; das sind verbreitete, lange und schlanke Hüte, der nach oben schmaler werden. Sie dienten einigen anderen Hüten als Vorlage.
  • Mittelhoher Hut“: Meist sind damit Böhmische Hüte gemeint respektive Hüte, die, was die Höhe anbetrifft, in der Mitte zwischen Spitzhüten und Turnierhüten liegen.
  • Niedriger Hut“: Meist sind damit Turnierhüte, Kappen oder Edelmannshüte (frz.: chapeau de tournois; engl.: chapeau oder cap of maintenance) gemeint.

Kopfbedeckungen in der Heraldik

Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen die Vielfalt der Kopfbedeckungen.

Name Beschreibung Beispiel
Spitzhut
(auch niederer Hut, Kappe oder Edelsmannhut genannt)
Gugel oder Kapuze ist eine alte Kopfbedeckung und wird in der Seitenansicht mit der offenen Seite nach rechts gezeigt. Diese ist fast ausnahmslos nur in Farbe und ohne Belegung mit anderen Dingen.
/Narrenkapuze Die zweizipflige und dreizipflige Narrenkapuze kann auch mit Schellen (Glöckchen) im Wappen erscheinen. Sie sind häufig sehr bunt gestaltet.
  • Heidenhut
  • Tatarische Mütze
  • Unter einem Heidenhut muss der Betrachter sich ein Hut mit Stulpe vorstellen, dessen Spitze nach unten wie eine Locke eingerollt ist und der Stulp mit Heroldsbildern belegt ist. An der Außenhutkante können andersfarbig Perlen aufgesetzt sein. Ist der Wickel nach oben, nennt sich dieser Hut Phrygische Mütze.
  • Die tatarische Mütze[1], meistens spitz nach oben auslaufend oder umgebogen ist etwa seit dem 16. Jahrhundert im Gebrauch. Sie wird auch mit albanische und ungarische Mütze bezeichnet. Der Begriff Heidenhut wird auch dafür eingesetzt. Ein Stulp aus Hermelin, sowie Quaste oder Troddel an der Mützenspitze kennzeichnen diese heraldisch verwendete Kopfbedeckung. Das Aussehen kann variieren. Anwendung im Wappenschild als gemeine Figur oder als Helmzier im Oberwappen. Im realen Leben wurde diese Mütze auch Tafja benannt und soll zu Hause nicht abgenommen worden sein.
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Tatarenmützen im Wappen von Klitzing (Adelsgeschlecht)W-Logo.png
Eisenhut Der Eisenhut ist auch durch die Form namensgebend für das Eisenhutfeh. Die Form gibt es hoch und flach ausgeführt. Wird auch in der Beschreibung erwähnt, wenn es ein wichtiges Merkmal ist.
Ähnlich dem vorgenannten, nur noch spitzer ist der Judenhut.
Der Doktorhut zeigt in vielen Fällen den Bildungsstand des Trägers.
Barett beziehungsweie Toque erscheinen ähnlich wie der Doktorhut.
Schweizerhut, Tellenhut Der Schweizerhut erscheint ähnlich wie ein Doktorhut, wird aber zur Unterscheidung mit einer angesteckten Feder („Federschmuck“) dargestellt. Dieser Freiheitshut, ist ein breitkrempiger Filzhut, der vorrangig in der Schweizer Heraldik vorkommt, oft über einem Kantonswappen (beispielsweise im Wappen Aargau um 1803).
Böhmischer Hut Aus der flachen Kurhutform wird mit einer längeren gefälligen runden Hutspitze ein böhmischer Hut. Wird auch so blasoniert.
Geflügelter Hut,
  • Wenn auch Krone und Helm nicht zu den Hüten zählen, sind es doch Kopfbedeckungen und sollen hier auch kurz erwähnt werden. Sie sind untrennbar mit dem Hut verbunden. Es gibt kronengeschmückte Hüte und auf manchen Helm wird als Helmzier ein Hut aufgesetzt. Auch Kronen und Helme werden im Wappenschild allein oder Wappentieren aufgesetzt, dargestellt. Der Heraldiker blasoniert dann bekrönt oder behelmt. Vögeln mit schlangen Hälsen (Schwan, Kranich...) wird die Krone oft über den Hals gezogen. Die Verwendung im Oberwappen ist die wichtigere Funktion diese Kopfbedeckungen.
  • Der Hut kann auch eine Pelzstulpe haben. Der Stulp hat häufig Einschnitte.


Hut als weltliches und kirchliches Rangzeichen

Päpstliches Wappen Benedikt XVI. mit Tiara

Der Hut hat als Rangzeichen einen besonderen Stellenwert. So haben weltliche und kirchliche Würdenträger oder Fürsten einen ihren Rang zeigenden Hut über dem Schild schweben. Über den Wappen in der kirchlichen Heraldik sind es beispielsweise der Bischofshut, Kardinalshut, die Mitra oder der Erzbischofshut. Hinter den Rangzeichen in Form von Hüten werden zur Aufwertung manchmal Krummstab, Kreuze und Waffen wie Schwerte gelegt. An den flachen Hüte der Würdenträger hängen an den Seiten Quasten in festgelegter Anzahl herab. Hier sind Farbe und Anzahl ein wichtiges Indiz für den Rang. Auch der Kurhut mit Hermelinstulpe ist Rangzeichen.

Weblinks

 Commons: Kopfbedeckungen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Einführung in die Heraldik: Kopfbedeckungen als Helmzier

Literatur

  1. Lexikon der Heraldik, Gert Oswald, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1984


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hut_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 2. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.