Wachsend

Aus Heraldik-Wiki
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Historisches Beispiel:
1. (Mensch) wachsend aus (unterem Schildrand)
2. Wachsende Helmzier
3. (Fledermausflügel) wachsend an (Menschenkopf)

Als wachsend, hervorkommend oder hervorgehend (auch hervorwachsend, manchmal irreführend „Hals ..“; frz.: „.. issant[e] / mouvant[e] de ..“; engl.: „demi .. issuant from ..“) bezeichnet die Heraldik:

  • Einerseits ein Motiv im Wappen, meistens in Menschen- oder Tiergestalt (Wappentier), deren untere oder hintere Hälfte durch ein anderes Motiv oder Objekt (Heroldsbild, gemeine Figur, Schildrand) derart verdeckt ist, dass es aus demselben „hervorzukommen“ scheint.
  • Andererseits Motive in der Helmzier, meistens in Menschen- oder Tiergestalt, wenn diese ohne Wulst oder andere Hilfsmittel nahtlos in die Helmdecke übergehen.
  • Zum Dritten divergente Bestandteile an einem heraldischen Motiv, wenn diese dort „angewachsen“ oder „hervorwachsend“ erscheinen (zum Beispiel zwei Flügel, die an einem menschlichen Kopf „angewachsen“ dargestellt sind).
  • Zum Vierten Halbfiguren allgemein, also Figuren, von denen nur die obere Hälfte dargestellt wird:

Wachsend, das heißt bis zur Hälfte des Leibes oder noch weiter sichtbar, als Halbfiguren mit Händen oder Vorderfüßen; erst in der späteren Zeit vorkommend, aber noch immer der guten Heraldik angehörig. Sie („Wachsende Menschen und Tiere als Helmkleinode“ -- Anmerkung der Redaktion) wurden in ähnlicher Weise ausgestattet wie die Rümpfe, von denen sie sich nur durch größere Naturwahrheit und die Arme oder Vorderfüße unterscheiden. Tiere erhielten oft auf dem Rücken einen ornamental behandelten Kamm, wie der wachsende Panther (..)“

Eduard Freiherr von Sacken: 1893[1]

Abgrenzung

Der Begriff wachsend gehört zum fachspezifischen Wortschatz der Heraldik. Je nach Quelle variiert die Bedeutung des Ausdrucks in der heraldischen Literatur. Einige Autoren grenzen den Begriff streng von Ausdrücken wie hervorgehend, hervorbrechend oder halb ab, andere verwenden ihn mehr oder weniger synonym mit diesen.

Hervorbrechend

Allgemein empfiehlt es sich, hervorbrechend synonym zu den Ausdrücken hervorschauend, hervor-/herausragend oder dann anzuwenden

„(..) wenn der Ausdruck „wachsend“ nicht angezeigt erscheint, vornehmlich also in dem Falle, wenn ein Thier nicht bis zur Hüfte, andere Gegenstände nicht bis zur Hälfte ihres Obertheils, vielmehr nur bis ungefähr 1/3 desselben (Adler bis zur Hälfte der Flügel .. Löwe bis zur Schulter) sichtbar sind.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

„(..) wenn sie aus einer Krone hervorgehen (..), nennt man sie hervorbrechend.“

Eduard Freiherr von Sacken: 1893[1]

„(.. wenn das -- Anm. der Red.) Wappentier (..) aus dem unteren Schildrand oder einer Teilungslinie nur teilweise hervorschaut.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Hervorgehend

Allgemein empfiehlt es sich, hervorgehend dann anzuwenden

  • wenn ein Motiv erscheint, das aus den Seitenrändern des Schildes hervorkommt (zum Beispiel aus dem „unteren Schildrand“) oder ein Tiermotiv

„in schreitender Stellung aus einem Seitenrande, Gebüsch, Wolke oder Wald herauskommt.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

„(.. wenn das -- Anm. der Red.) Wappentier (..) mit seiner vorderen Hälfte aus einem Schildrand oder einer Teilung sichtbar ist. Ist das Tier in schneller Bewegung dargestellt, so spricht man von hervorrennend oder hervorspringend.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[4]

Halb

Allgemein empfiehlt es sich, des Ausdruck halb dann anzuwenden

  • wenn sich die obere, untere, rechte oder linke Hälfte von Wappenfiguren in der Mitte des Schildes/Feldes (frei → schwebend) befinden, während wachsende Figuren im Schild/Feld gewöhnlich einem anderes Motiv oder Objekt (Heroldsbild, gemeine Figur, Schildrand, Teilungslinie o. ä.) hervorgehen.[4]

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Sacken, Eduard Freiherr von: Katechismus der Heraldik. Grundzüge der Wappenkunde. Leipzig. 1893
  2. 2,0 2,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 199.
  4. 4,0 4,1 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 172.