Zopfheraldik

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Zopfheraldik ist ein abwertender Ausdruck für die Heraldik im Übergang zwischen 1700 bis 1800.

Begriffsgeschichte

Die despektierlich gemeinte Bezeichnung „Zopfheraldik“ wurde um ca. 1850 bis ca. 1900 von sich aufklärerisch gebenden Schriftstellern und Heraldikern geprägt, darunter zum Beispiel Otto Titan von Hefner (1855), Wolfgang Menzel (1856), Friedrich Pichler (1862), Curt Oswalt Edler von Querfurt (1872), Oskar Göschen (1877), Maximilian Gritzner (1890) und andere. Sie verweist auf die „Zopfzeit“ beziehungsweise die im 18. Jahrhunderts getragene Zopfperücke, welche bereits vor dem Jahre 1800 unmodern wurde.

„(..) Das Wort ZopfW-Logo.png stand somit synonym für altmodisch. Möglicherweise wurde der Begriff auch durch die häufig benutzten zopfförmigen Blattornamente und Blumengirlanden (siehe FestonW-Logo.png) geprägt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde diese Epoche gelegentlich auch Zopfzeit[1] genannt (..)“

Wikipedia (2013)[2]

„Schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde Heraldik zum Unterrichtsfach an einigen Hochschulen (J. de. Maliverne 1685 in Marburg). 100 Jahre später war sie eine populäre Wissenschaft. Die Hochschullehrer entfernten die Wappenwissenschaft von ihren Quellen und ihren direkten Beziehungen zum öffentlichen Leben und ordneten sie den gewollten Ansprüchen ihrer Zeit unter. Das hatte zur Folge, daß die Heraldik „versandete“ und ihr wesentlicher Inhalt mißverstanden wurde.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Die Heraldik zwischen ca. 1850 bis ca. 1900 verstand sich als eine Art bürgerlich-lexikalisch geprägte „Heraldik der Aufklärung und der Wissenschaft“, die mit dem Begriff Zopfheraldik auf die heraldische Epoche vor der französischen Revolution zielte und sich im Grunde von veralteten und „versandeten“ heraldischen Begriffen einer adelsgetriebenen Kanzleiheraldik zu lösen suchte. Insbesondere kritisierte man, daß die im 17. und 18. Jahrhundert in den Wappenbriefen dargestellten Wappen nicht immer den heraldischen Regeln entsprachen[3].

„Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es, dank einer intensiven Erforschung der Kulturgeschichte des Mittelalters, der Heraldik einen neuen Inhalt zu geben.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Abgrenzung

Umgangssprachlich oder außerhalb der Heraldik wird die Bezeichnung Zopfheraldik teilweise synonym mit Papierheraldik verwendet. Streng genommen liegt jedoch beim Paar Papierheraldik-Zopfheraldik keine strikte Bedeutungsgleicheit vor. Der Begriff Papierheraldik umfaßt nicht nur den Zeitraum des 18. Jahrhunderts, sondern im weitesten Sinn das gesamte Wappenwesen, das mit der „Verfallszeit der Heraldik“ (ab etwa dem 16. Jahrhundert) begann, im engeren Sinn zumindest die Heraldik im 17., 18. und 19. Jahrhundert, das heißt, sowohl das Zeitalter der Zopfheraldik als auch jenes, daß sich von diesem durch Verwendung des Ausdrucks abzugrenzen versuchte.

Einzelnachweise

  1. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Zopfzeit. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. Seite „Zopfstil“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Mai 2013, 09:24 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zopfstil&oldid=118644674 (Abgerufen: 15. Juni 2013, 01:00 UTC)
  3. 3,0 3,1 3,2 Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 193 und 445.