Funeralheraldik

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Dieser Artikel erläutert ein Teilgebiet die Heraldik, das Wappen umfaßt, die auf Grabsteinen, Epitaphen et cetera angebracht sind; Grabmotive, die als gemeine Figuren in einem Wappen erscheinen können, werden im Beitrag → Grab besprochen.

Forschungsgegenstand der Funeralheraldik
(Tischgrab mit acht Trauernden, die die Wappenschilde von sieben Urgroßeltern von Phillippe Pot und das Stammwappen tragen.)
zwischen 1435 und 1440: Heraldischer TransiW-Logo.png
1603: Leichenbegängnis von Elisabeth I.: Auf den Bannern erscheinen die Ehewappen ihrer leiblichen Vorfahren aus 12 Generationen.
1637: Heraldisch drapierte Särge
(Monumentum Sepulcrale, f. 55)
Sarkophoag mit Ahnenwappen
(Clara Augusta von Braunschweig-Lüneburg, † 1700)
1877: Heraldisch drapierter Sarg
(Gemälde: Die verrückte Doña Joanna von Francisco Pradilla Ortiz)

Die Funeralheraldik (auch Sepulkralheraldik, Grab-/Gräberheraldik, Trauerheraldik, Begräbnisheraldik oder ähnlich genannt; englisch funeral heraldry) ist ein Teilgebiet beziehungsweise eine Subdisziplin der Heraldik; sie umfasst sämtliche sepulkralheraldischen Phänomene, Riten, Zeremonien, sepulkralheraldische gemeine Figuren und Objekte wie Totenschilde, Wappen/Wappendarstellungen, genealogische Wappensysteme auf Grabmälern und Epitaphen, an Grabkapellen, Grüften, Särgen und so weiter.[1][2]

Anlass, Gegenstände, Memoria

Tod, Sterben, Begräbnis und Trauer geben Anlass, einem Verstorbenen ein Denkmal zu setzen und seine Bedeutung und Abstammung für die trauernden Zeitgenossen und die Nachwelt zu dokumentieren und zu glorifizieren. Dies geschah durch alle Stilperioden zwischen dem 12. und 18./19. Jahrhundert mit Hilfe von Wappendarstellungen, die bei Leichenbegängnissen oder Trauerzügen gezeigt und innen und außen in Kirchen und Kapellen sowie auf Grabmalen aller Art angebracht wurden.

„Sehr schnell wurde die Heraldik zu Leichenfeiern herangezogen. In den Trauerzügen des Mittelalters ließ man das Kriegspferd des Verblichenen der Bahre folgen, Freunde oder Herolde trugen sein Wappen, die 'Ehrenstücke', die in der dem Anlaß entsprechend schwarz ausgeschlagenen Kirche oder Privatkapelle über dem Grab angebracht werden sollten.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[3]

Viele der Gräbmäler mit Wappen nehmen „nicht nur Bezug auf Einzelpersonen, sondern erweitert auch auf die Ahnen. Sie sind in Stein gehauene Ahnenproben“ und daher für genealogische, soziologische, kunstgeschichtliche, archäologische und funeralheraldische Forschung „noch bedeutender und beziehungsreicher“.[4]

„Wappen helfen dabei, das genealogische Modell mnemotechnisch festzufügen. Die Ahnenwappen produzieren (..) fest verbindliche mentale Setzungen, bleiben als beweisbare Größen evident, sind aber dennoch Bilder und erweisen deshalb dem Augenschein beachtliche Referenz. Grabmonumente gehören zu den beliebtesten Objekten für genealogische Systemapplikationen. Gerade von den blasonierten Wappen an Grabmonumenten ging ein erhebliche mnemonische Prägekraft aus. Beispiele dafür sind auf dem Gebiet des Alten Reiches -- oft hinunter bis in die kleiste Dorfkirche -- Legion.“

Kilian Heck (2002)[5]

Im 18., spätestens im 19. Jahrhundert geht das allgemeine heraldische Grundwissen verloren, die Systematik der Ahnenwappenanordnung an Grabmalen und Funeralwerken zumindest ansatzweise dechiffrieren zu können. In der Folge verschwinden bis auf wenigen Ausnahmen Wappen als wesentliche Bestandteile von Grabmalen beziehungsweise werden durch knappe Inschriften (Name des Verstorbenen, Geburts-/Todesdaten) ersetzt.

„Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts verschwindet die Heraldik dann von den Gräbern wie von den Leichenfeiern.“

D. L. Galbreath; Léon Jéquier: 1942/1990[3]

„Seit dem Niedergang der Heraldik (etwa 1750-1850) hat sich die Sitte, das Wappen als Grabsteinschmuck zu verwenden, nicht mehr im früheren Umfang durchsetzen können.“

Handbuch der Heraldik: 2017[6]

Siehe auch

Literatur

  • Pia Bosch: Funeralheraldik. Wappen in der Begräbniskultur des Spätmittelalters. Das Beispiel der Echter von Mespelbrunn. 2015, ISBN 978-3-668-38451-4 (Hausarbeit, Fernuniversität Hagen, Note: 2,0).

Einzelnachweise

  1. Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1984, ISBN 3-411-02149-7, S. 138.
  2. Neubecker, Ottfried: Heraldik. Wappen - ihr Ursprung, Sinn und Wert. Battenberg Verlag im Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-275-5, S. 250, 251 (© EMD-Service für Verleger. Luzern, Schweiz 1990. Deutsche Ausgabe: Genehmigte Lizenausgabe. Titel der amerikanischen Ausgabe: Heraldry. Sources, Symbols and Meaning.).
  3. 3,0 3,1 Donald Lindsay Galbreath, Léon Jéquier: Handbuch der Heraldik. Battenberg Verlag, Weltbild Verlag, Augsburg 1990, ISBN 3-89441-259-3, S. 262–270 (französisch: Manuel du Blason. Lausanne, Lyon 1942. Übersetzt von Ottfried Neubecker).
  4. Walter Leonhard: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Callway, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7, S. 59 f. (Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH: Bechtermünz, Augsburg 2000).
  5. Kilian Heck: Genealogie als Monument und Argument. Der Beitrag dynastischer Wappen zur politischen Raumbildung der Neuzeit. Deutscher Kunstverlag, München, Berlin 2002, ISBN 3-422-06338-2, S. 61 (Kunstwissenschaftliche Studien; Bd. 98).
  6. Herold, Verein für Heraldik (Hrsg.): Wappen. Handbuch der Heraldik. Als „Wappenfibel“ begründet von Adolf Matthias Hildebrandt, zuletzt weitergeführt von Jürgen Arndt, bearbeitet von Ludwig Biewer und Eckart Henning. Aktualisierte und neugestaltete Auflage. 20. Auflage. Böhlau Verlag GmbH & Cie., Köln, Weimar, Wien 2017, ISBN 978-3-412-50372-7, S. 260–267 (deutsch: Wappenfibel.).