Ralf von Retberg

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1867, 54 Jahre alt: Ralf von Retberg (nach Julius ThaeterW-Logo.png)

Ralf von Retberg (auch Ralph Leopold oder Ralf Leonard von Ret[t]berg/Rittberg/Ret[t]berg-Wettbergen, fälschlich auch von Rietberg genannt; * 25. November 1812 in Lissabon; †­12. März 1885 in München) war ein Kgl. hannov. Offizier, deutscher Privatgelehrter, Kunstschriftsteller, Kulturhistoriker und Heraldiker.

Leben

Ralf von Retberg, Sohn des hannoverischen Generalmajors a. D. und Artilleriehauptmanns der englisch-deutschen Legion Johann Karl Ludwig von Retberg (* 25. März 1777 in Stade; † 19. März 1845 ebenda) und der Karoline Amalia Friederike von Schnehen (* 24. Februar 1780 in Stade; † 18. Januar 1848 in Rom), trat nach seiner Schulausbildung in Stade in den hannoverischen Militärdienst ein (1829 Kadett, im gleichen Jahr, den 24. Mai Leutnant, danach mehrere Jahre Adjutantendienste, 1845 als Premierleutnant aus dem Militärdienst ausgeschieden).

„Am 21. April 1840 heirathete Retberg Fräulein Davide Caroline, die hochgebildete Tochter des aus einer alten Hugenottenfamilie stammenden Generaladjutanten Martin (Martäng). Mit seiner jungen Frau bereiste Retberg 1842 Italien und die Schweiz, machte dann 1844 einen längeren Aufenthalt zu Nürnberg, Leipzig, Dresden und Berlin, nahm hierauf, nach dem Tode seine Vaters, eines frühe sich einstellenden Gichtleidens wegen seinen Abschied vom Militär (1845) und siedelte 1846 nach München über (..)“

Hyacinth HollandW-Logo.png (1889)[1]

In München betätigte sich Retberg als Privatgelehrter:

„(Er) wurde 1854 in den Gelehrtenausschuß des Germanischen Museums gewählt (bis 1865). Nach kurzer Betätigung als Maler beschäftigte sich Retberg als Kunstsammler und kulturgeschichtlicher Schriftsteller. Seit den 70er Jahren widmete er sich vorzugsweise der Heraldik (..)“

Biographisches Lexikon der Heraldiker (1992)[2]

Aus seiner Ehe mit Davide Caroline Martin stammten zwei Söhne, deren Tode Retberge überlebte, und eine Tochter.

Familienwappen

Bevorzugtes Wappen Ralf von Retberg
 
Wappen-Exlibris
 
Im Stil von Albrecht Dürer aufgerissen.

In der Literatur finden sich viele Wappenaufrisse und Wappenvarianten zu Familien namens Retberg, Rettberg, Rittberg, Retberg-Wettbergen und so weiter. Sie unterscheiden sich im Detail und werden nach dem Wappenbuch des Westfälischen Adels in „größerer Anzahl unberechtigt“ geführt.[3]

„Ralf von Retberg bediente sich jedoch selten des diplommäßigen Familienwappens (..) sondern zog es vor, ein einfacheres Wappen, bestehend aus einem halben schwarzen Adler in Gold und drei silbernen Sternen in Blau, im gespalteten, manchmal auch quergeteilten Schilde vereinigt, anzunehmen (..)“

Heraldische Gesellschaft Adler (1886/1887)[4]

Wappenherkunft

Das Wappen, welches Ralf von Retberg führte, ist im Wesentlichen an den Wappenaufrissen eines ursprünglich westfälischen Adelsgeschlechts angelehnt, den Herren von RittbergW-Logo.png (vormals Herren von Retberg). Nach dem Genealogischen Handbuch des Adels erscheint das Geschlecht 1405 mit dem zu LippstadtW-Logo.png ratsgesessenen Hermann von dem Redberge erstmals urkundlich.[5] Gobel Redberg erhielt 1651 das BürgerrechtW-Logo.png der Stadt SoestW-Logo.png. Dessen Sohn Johann Rembert Rettberg (1654–1734) auf SassendorfW-Logo.png, Bürgermeister von Soest und königlich dänischer Hauptmann a. D.W-Logo.png, erhielt am 1. Mai 1717 zu Berlin eine preußische Adelsanerkennung in Form einer Adelserneuerung.[6][7]

Nachstehend, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, eine Auswahl an Wappenaufrissen und -varianten, wie sie im Zusammenhang mit den Herren von Rittberg/Ret(t)berg in der Literatur zu finden sind:

Stammwappen Retberg (mit Wurzeln in Lippstadt)
  • In Blau drei (2-über-1) sechsstrahlige goldene Sterne. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei blaue Fasanenfedern.



Nach dem Wappenbuch des Westfälischen Adels;
Quelle: Archiv des Hauses Brockhausen bei Soest [..]
[3]
Rittberg-St-Wappen 255 8.png
Gemehrtes (gespaltenes) Wappen derer von Retberg/Rittberg aus Lippstadt
  • Gespalten: Rechts in Weiß ein an den Spalt gelegter halber schwarzer Adler, links in Blau drei goldene Sterne über einander. Auf dem Helm zwei blaue Fasanenfedern.

 Decken: blau-weiß

Nach dem Wappenbuch des Westfälischen Adels;
Quelle: Totenschild in Soest.
[3]
Rittberg Sp-Wappen 255 7.png
„Stammwappen“ (?) Rettberg
  • „Von Gold und Blau gespalten, vorn an den Spalt angelehnt ein halber rot gekrönter und bewehrter schwarzer Adler, hinten 3 auch 2 silberne Sterne (2-über-1 oder 1-über-1). Kleinod: Gekrönt, der schwarze Adler mit roter Krone wachsend.

 Decken: blau-golden“

Nach Siebmacher Band: Bad Seite 70 Tafel 42; Pr Seite 324 Tafel 377;
Quelle: Staats- und Adresshandbücher für Nassau, Familienmitteilungen etc.
[8]
Coat of arms family de Rettberg 01.jpg
Vermehrtes Wappen Rettberg (1754)

„Geviert.

  1. in Gold der halbe rot gekrönte schwarzer Adler, beseitet von 2 silbernen Sternen (1-über-1) (Stammwappen)
  2. in Blau ein silberner Anker
  3. in Blau auf silbernen Wellen schmimmend ein Wasser ausspritzender silbener Delphin
  4. in Rot ein gewellter silberne Balken

Kleinod: gekrönt der wachsende gekrönte schwarze Adler des Stammwappens;
 -  Decken: rechts blau-golden links blau-silbern“

Nach Siebmacher Band: Bad Seite 70 Tafel 42;
Quelle: Staats- und Adresshandbücher für Nassau, Familienmitteilungen etc.[8]


Nach Siebmacher Band: Han Seite 33 Tafel 33 die Deckenfarben anders herum:

 -  Decken: rechts golden-blau, links weiß-blau
Coat of arms family de Rettberg 02.jpg
Wappen Retberg (diplommäßiges Wappen 1754)

„Geviert.

  1. in Gold der ein halber, rot gekrönter schwarzer Adler am Spalt, rechts beseite von drei roten Sternen
  2. in Blau ein aufgerichteter, unten mit zwei aufwärts gebogenen Zierarten versehener goldener Szepter alias Doppelhaken
  3. in Blau wasserspeiender goldener Delfin
  4. in Rot ein weißer Querstrom

Helm: ein rot gekrönter schwarzer Adler (ob ganz oder wachsend, ist nicht gesagt)
 -  Decken: rechts schwarz-golden links weiß-rot“

Nach dem Wappenbuch des Westfälischen Adels;
Quelle: Beschreibung im Adelstaschenbuch [Brünn] des Freiherrn A. v. Dachenhausen, Jahrgang 1879
Wappen Westfalen Tafel N4 5.jpg
Wappen Retberg (Lübeck)

„Geviert.

  1. in Gold ein schwarzer Adler am Spalt, beseitet von 2 silbernen Sternen übereinander;
  2. in Blau auf silbernen Wellenschildfuß ein silbener Delphin;
  3. in Blau ein silberner Anker;
  4. in Rot ein silberne Wellenbalken;

Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein wachsender, goldengekrönter und -bewehrter schwarzer Adler.“


Vertauschte Felder, der Adler nicht rot-, sondern goldengekrönt - nach dem Biographischen Lexikon der Heraldik und nach Siebmacher Band: Ha Seite 17 Tafel 17[2][9]
Coat of arms family de Retberg 03.jpg
Wappen Rettberg (Nassau)

„Rot und (Blau) gespalten, vorn an den Spalt angelehnt ein halber goldener Adler, beseitet von zwei silbernen Sternen, hinten zwei gewellte silberne Balken. Kleinod: gekrönt mit wachsendem gekröntem goldenen Adler.
 -  Decken: rechts rot-golden, links rot-silbern.“

Nach Siebmacher Band: Bad Seite 70 Tafel 42;
Quelle: Staats- und Adresshandbücher für Nassau, Familienmitteilungen etc.[8]
Coat of arms family de Rettberg 05.jpg
Wappen Retberg (Bremen)

Von Schwarz und Rot gespalten, vorne drei sechstrahlige silberne Sterne 2-über-1, hinten ein halber schwarzer Adler am Spalt; auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine goldene Helmkrone (ansonsten keine weitere Helmzier)


Quelle: Fenster der Kirche St. Johann in Bremen, Oberneulander Landstraße 41
Kirche Oberneuland - Wappen Retberg - jh15.jpg

Wappen-Usurpation

In vielen genealogischen und heraldischen Quellen wird bis ins 19. Jahrhundert eine Abstammung der Familie des Ralf von Retburg von dem 1562 erloschenen Grafengeschlecht von RietbergW-Logo.png kolportiert[4][8], die durch jüngere Forschungsergebnisse als widerlegt gilt. Die Stammlinie des Ralf von Retberg leitet sich nicht von einem vorgeblichen Johann von Rietberg (1481-1516) und einer vermeintlichen morganatischen EheW-Logo.png mit Marie von Sünzemann (Sinzmann) ab. Vergleiche hierzu:

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Erfolgreich zum fremden Wappen durch Namensähnlichkeit: Grafen von Rittberg[10]

Grafen von Rittberg/Ret(t)berg
(1751 an die Herren Ret[t]berg verliehenes gräfliches Wappen, mit Bestandteilen aus dem Wappen der erloschenen Grafen von Rietberg)
Geviert mit Herzschild, zwei Helmen und Schildhaltern
  • Feld 1 und 4: in Silber ein halber schwarzer, goldengekrönter Adler am Spalt
  • Feld 2 und 3: in Blau drei (2:1) goldene Sterne
    (echtes Stammwappen)
  • Herzschild: in Rot ein goldener Adler
    (usurpiertes Stammwappen)
  • Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein goldener Adler
    (usurpiertes Kleinod)
  • Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken eine rechte blaue und eine linke rote Straußenfeder.
  • Schildhalter: Zwei silberne Geharnischte mit rotem Federbusch auf den Helmen und mit auf den Boden aufgestützter goldener Turnierlanze mit silberner Spitze in der freien Hand.

In einige Beschreibungen/Aufrissen findet sich noch zwischen den Helmen eine Grafenkrone und ein an sich nicht signifikanter goldener Schildrand als Schildbord.

  • Nach Siebmacher Band: Pr Seite: 24 Tafel: 26
  • Nach Johann Andreas Tyroff: Wappenbuch des höheren Adels der deutschen Bundesstaaten. 18 Bände. Nürnberg (1846-1865). Band 11. 1858. S. 67
  • Nach Wappenbuch des Westfälischen Adels

Ursurpiertes Stamm­wappen der Grafen von Rietberg
Coat of arms family de Rittberg 04.jpg
Rittberg - Tyroff HA.jpg
Rittberg-Wappen.png

Werk

Retberg befasste sich mit dem Aufbau von umfangreichen und verschiedenartigen Sammlungen, war als Zeichner respektive Maler und hauptsächlich als Schriftsteller tätig. Sein umfangreiches literarisches Werk umfasst unter anderem kunst- und kulurhistorische, enzyklopädische, sprachtheoretische, heraldische und biografische Schriften, manchmal in Briefform. Sie wurden teils zu Lebzeiten oder posthum veröffentlicht, teils nicht abgeschlossen oder sind noch unveröffentlicht.

Heraldisches Wirken

Retberg plante schon 1864 unter Mitwirkung von Carl Mayer von Mayerfels, Friedrich Heyer von Rosenfeld und anderen ein allgemeines deutschen Wappenlexikon zu verfassen.[4] Er war zeitweise Mitglied in zwei der ältesten deutschsprachig geprägten heraldischen Vereine (vom 8. Dezember 1869 bis zum 31. Dezember 1876 im Herold und vom 30. Dezember 1872 bis zum 29. Februar 1874 im Adler).[2] Beiden Vereinen arbeitete Retberg anfänglich zu (er äußerte sich beispielsweise umfangreich zur heraldischen Terminologie im Monatsblatt des Adlers von 1873); später rückte er aber von den Vereinen und deren Repräsentanten ab. Seine heraldische Schriften wurden weitgehend unabhängig von anderen Heraldikern und deren Erkenntnissen ausgearbeitet.

„Er beschäftigte sich mit Vereinfachung der (heraldischen) Kunstsprache und gab, als die Vereine »Herold« und »Adler« (1871) in die Öffentlichkeit traten, nach beiden Richtungen hin, besonders in Schöpfung einer Fachsprache, mancherlei Anregung und Beihilfe. Allgemach (..) begann Retberg sich dem Schaffen beider Vereine zu entfremden und selbstständig fortzuarbeiten.“

Heraldische Gesellschaft Adler (1886/1887)[4]

Die Geschichte der deutschen Wappenbilder

Das Werk Die Geschichte der deutschen Wappenbilder schloß Retberg am 18. März 1884 vorläufig ab. Zu seinen Lebenszeiten wurde es nicht veröffentlicht. Die k.k. heraldische Gesellschaft Adler gab das Werk 1886 und 1887 in seinen Jahrbücher XIII und XIV heraus. Sie griff dabei unkritisch auf den Inhalt ein, änderte ihn nach eigenem Gutdünken ab (vorgeblich um „veraltete“ Standpunkte zu eliminieren und damals aktuelle Forschungen zu präsentieren) oder setzte Gegenbemerkungen hinzu. Wie umfangreich die Adler-Schriftleitung dabei vorgegangen ist, ist Stand heute (2018) unklar beziehungsweise noch nicht wissenschaftlich-kritisch erforscht. Der Werk gliedert sich in drei Abschnitte:

  • Teil 1: Einleitung - Entstehung und Blüthe der Wappen (umfasst die Entwicklung der Wappen vom Auftreten in der Stauferzeit ab 1137 bis 1480, wo das Wappenwesen nach Retberg abschließt).
  • Teil 2: Wappenzierkunst (umfasst eine Einteilung verschiedener Kunstperioden, die nach Retberg alle der Afterheraldik zuzurechnen sind), nämlich:
    • der Grünenbergstil von 1450 bis 1500
    • der neudeutsche oder Dürerstil von 1500 bis 1550
    • der Bandrollenstil von 1550 bis 1650
    • der Parucken-/Barockstiel von 1650 bis 1700
    • der Muschelstil von 1700 bis 1740
    • der Zopfstil von 1740 bis gegen 1860
    • der gereinigte Stil von 1860 (bis zu seinem Tod 1885 bzw. bis heute? -- Anmerkung der Redaktion)
  • Teil 3: Sachwörterbuch der Wappenbilder (alphabetisch geordnetes Wörterbuch heraldischer Fachausdrücke von „Adler“ bis „Zwilling“)

Alle drei Teilen sind in Retbergs eigener heraldische Fachsprache verfasst. Zu dem Werk legte Retberg eine Art „Wappenrolle“ aus Quartblättern an, auf welche, korrespondierend zum Sachwörterbuch Wappenbeispiele aufgeklebt wurden.

Wörterbücher der heraldischen Kunstausdrücke

Ein Übersetzungswerk für heraldische Fachaudrücke wurde ebenfalls zu Lebzeiten von Retberg nicht veröffentlicht:

„(..) Er schuf also fünf Wörterbücher der heraldischen Kunstausdrücke, in je fünf Sprachen alternirend: neu- und mittelhochdeutsch, holländisch, französisch und lateinisch, wozu bei jedem Schlagwort die betreffenden Wappenbeispiel nach gleichzeitigen Denkmalen beigezeichnet sind (..)“

Hyacinth Holland (1889)[1]

Wappenrepertorium

1873 begann Retberg ein zweiteiliges Wappenrepertorium, anzulegen, dass bei seinem Tode aus ca. 80.000 Zetteln bestand.

„(..) der erste (Teil) dient dazu, um zu einem Namen das Wappen, der andere, um zu einem Wappen den unbekannten Namen suchen zu können. Hierin sind adelige und bürgerliche Familien, Bisthümer, Klöster, Städte u. s. w. von ganz Deutschland, mit Einschluß von Deutsch-Oesterreich, der Schweiz, Belgien, Lothringen und der Niederlande, blühende wie ausgestorbene Geschlechter in einem phonetischen Alphabet enthalten. Einen neuen Begriff seines Bienenfleißes gibt die Einrichtung der Repertorienzettel: jeder enthält außer dem Namen das Land, das Datum des ersten Auftauchens, die Standeserhöhung, das Erlöschen, das Wappenbild, die Nebenbilder und die Quellenangabe. So umfaßt zum Beispiel der Buchstabe »M« rund 2150, das »R« 2050 Nummern! Dieses ungeheure Material zur „Geschichte der deutschen Wappenbilder“ schenkte Retberg wenige Wochen vor seinem Tode der Wiener Gesellschaft „Adler“, welche den Schatz mit dem dazu gehörigen Materiale als „Retberg-Stiftung“ zur systematischen Benützung und Weiterforschung aufstellte.“

Hyacinth Holland (1889)[1]

Kritik

Schon kurz nach Retbergs Tod wird Retbergs heraldisches Œuvre von Zeitgenossen und Fachheraldikern kritisiert. Sie „schreien“ zwar nicht „Zeter“ und versuchen es auch nicht totzuschweigen, wie Retberg es vor seinem Tode vermutet hatte, aber sie wenden seine eigenen zentralen Forderungen (wie z. B. „eine kurze, klarverständliche Fachsprache mit Ausscheidung aller schwulstigen und höchst unnötigen Worthülsen“) gegen sein Werk und dessen Terminologie.

„Retberg hat die mittelhochdeutsche Literatur nur zum Teil studiert und nur sehr mäßige Resultatet erzielt. Es konnte nicht anders sein, da er nur nach Belegen für sein a priori feststehendes System, nach Wortformen für die Fachsprache suchte (..). Ich brauche kaum zu sagen, dass ich mich mit diesem Systeme in keiner Weise einverstanden erklären kann (..) Den Grundfehler der Retberg'schen Fachsprache habe ich bereits hervorgehoben: sie will ursprungserklärend sein, -- sie steht und fällt daher mit dem Retberg'schen Systeme der Ursprungserklärung. Dazu kommt ein übergrosses Neuerungs-Bedürfniss; allgemein eingeführte und verstandene Bezeichnungen sucht er durch neue zu ersetzen.“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[11]

Werke (Auswahl)

Als Erbe des Retberg’schen Nachlasses ist nicht nur der Verein Adler zu verzeichnen; einen anderen, geringern, auf germanistische Literatur bezüglichen Teil „erbte Herr Professor Dr. Reinhold BechsteinW-Logo.png zu Rostock, während alle auf deutsche Cultur- und Kunstgeschichte bezüglichen Manuscripte Retberg’s der Hof- und Staatsbibliothek in MünchenW-Logo.png anheimfielen“.[1] Eine frühe Zusammenstellung von Retbergs Lebenswerk, übersendet durch die Familie, findet sich im Vorwort des Jahrbuchs der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien (Jahrgang 1886/1887), wobei diese keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit erhebt, sondern „nur die wesentlichsten Hervorbringungen“ Retbergs namhaft machen will. Demnach umfaßt sein Œuvre:[4]

  • Chronologische Malertabellen (13 große Foliotafeln mit Tabellen der Maler von CimabueW-Logo.png bis ca. 1820/1840). Hannover 1841.
  • Übersichtstafeln zur Geschichte der Kunst in Nürnberg. Hannover 1846.
  • Einige Worte zur Erinnerung an Hannover und die vierzehnte hannoverische Kunstausstellung, Hannover 1846.
  • Nürnberger Briefe. (Schilderung der Geschichte der Stadt in den romanischen und germanischen Stielepochen auf den Gebiete der Bau-, Bildnerkunst und Malerei, mit einer Übersicht aus dem Gebiete des Holzschnitt und Kupferstichs). Hannover 1846.
  • Nürnbergs Kunstleben in seinen Denkmalen. (umgearbeitete und mit Holzschnitten ergänzte zweite Auflage der Nürnberger Briefe). Stuttgart 1854.
  • Übersichtstafeln zur Begründung einer Geschichte der christlichen Kunst in Oberbayern. München 1858.
  • Kulturgeschichtliche Briefe. (Vorläufer des nicht abgeschlossenen, zu universell angelegten Werkes von Retberg über die „Deutsche Culturgeschichte“). Leipzig 1865.
  • Diverse Kupferstiche und Holzschnitte. München 1871.
  • Im Anzeiger für Kunde deutscher Vorzeit:
    • Nachträge zur Geschichte der christlichen Kunst in Nürnberg. 1849.
    • Grabstein von Erasmus Postar in Reinhardsbrunn. 1853.
    • Besuch in der neuen Pinakothek. 1854.
    • Ein Psalterbuch des zehnten Jahrhunderts in der Bücherei zu Stuttgart. 1855.
    • Dürer's Kupferstiche und Holzschnitte. 1855.
    • Offenbarung. 1855.
    • Das Urbamreiten. 1855.
    • Siegel der Stadt Nürnberg. 1855.
    • Martin Schongauer. 1855.
    • Der Holdbildner Desider Beychel. 1856.
    • Dürer's „Krieger und Tod“. 1856.
    • Zur Symbolik (Schulpforte). 1856.
    • Das mittelalterliche Beinkleid. 1858.
    • Zur Symbolik (Paulinzelle). 1858.
    • Zur Geschichte der Musikinstrumente. 1860.
    • Zur Geschichte der Feuerwaffen. 1860.
  • In Naumann's Archiv, 6. Jahrgang: Ueber Dürer
  • In v. Löher Archivalischer Zeitschrift: Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. 1884.
  • Deutsches Jägerlied. München 1848.
  • Skizzenbuch (Gedichte). München 1858.
  • Zum Andenken an C. v. R. München 1862.
  • Aufruf zur Einigkeit. München 1863.
  • Zum Besten für Schleswig-Holstein. München 1863.
  • Das Retberg'sche Becherlied. Wiesbaden 1863.
  • Reiterlied und deutsches Jägerlied, komponiert von Schletterer in „Lieder zu Schutz und Trutz“. Berlin 1872.
  • Wappenalphabet für Freunde. 1865.
  • Preussisches Wappenalphabet. 1867.
  • Ferner 32 Faksimile nach Dürer.

Handschriftlich sind hinterlassen worden:

I. Geschichte der deutschen Wappenbilder, bestehend aus:
  1. Einleitung.
  2. Wappenzierkunst
  3. Sachwörterbuch der Wappenbilder
  • Wappenrolle, eine Sammlung von Beispielen zum Sachwörterbuche.
  • Heraldische Wörterbücher in fünf Sprachen
  • Wappenrepertorium, bestehend aus 80.000 Zetteln (begonnen 1873);
    (Eigentum der k.k. heraldischen Gesellschaft „Adler“ in Wien.)
II. Dürer-Büchlein. (1884 vollendet, aber nicht mehr zu Lebezeiten zu Druck gebracht).
III. Vorarbeiten zur Culturgeschichte.
IV. Kunstgeschichte mit Bezug auf die Wolfegg'sche Bilderhandschrift
(Eigentum des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg)
V. Literaturgeschichte
(Eigentum der königlichen Hof- und Staatsbibliothek in München)
VI. Germanische Studien; Über die Ausscheidung von Fremdworten aus der deutschen Sprache.
(Eigentum des Professors Reinhold Bechstein in Rostock)
VII. Tagebücher (6 Bände „Tagebüber des äußeres Leben“; sowie 6 Bände „Tagebücher des inneren Lebens“.)
(Im Besitze der Familie)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Artikel „Retberg, Ralf (Leopold) von“ von Hyacinth HollandW-Logo.png in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 251–255, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Retberg,_Ralf_von&oldid=2488922 (Version vom 12. August 2018, 10:08 Uhr UTC)
  2. 2,0 2,1 2,2 Jürgen Arndt (Bearbeiter) unter Mitwirkung von Horst Hilgenberg und Marga Wehner: Biographisches Lexikon der Heraldiker sowie der Sphragistiker, Vexillologen und Insignologen. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. H). Bauer & Raspe, Neustadt an der Aisch 1992, ISBN 3-87947-109-6, S. 440 (664 S.).
  3. 3,0 3,1 3,2 Max von Spießen: Wappenbuch des westfälischen Adels mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt. 1. Band, Görlitz 1901–1903. S. 104.; S. 138.; Band II, Tafel
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Ralf von Retberg: Die Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralf von Retberg's Nachlasse. In: Jahrbuch XIII. und XIV. der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler. Wien. Jahrgang 1886/1887.
  5. Stadtarchiv Lippstadt
  6. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XI, Band 122 der Gesamtreihe, S. 438–439.
  7. Seite „Rittberg (Adelsgeschlecht)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 22. April 2018, 07:15 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rittberg_(Adelsgeschlecht)&oldid=176755543 (Abgerufen: 13. August 2018, 17:05 UTC)
  8. 8,0 8,1 8,2 8,3 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, II. Band, 6. Abteilung; Der Adel in Baden; Verfasser: C.A. Freih. von Graß, A. von Bierbrauer-Brennstein; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1878. Seite 70. Tafel 42.
  9. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, III. Band, 3. Abteilung; Der Adel der freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck; Verfasser: M. Gritzner, Ad. M. Hildebrandt; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1871. Seite 17. Tafel 17.
  10. Bernhard Peter: Sich mit fremden Federn schmücken....: Wappen-Usurpation. . Internet: www.welt-der-wappen.de. Erstellt: 2008-2017. Abgerufen: 14. August 2018.
  11. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Reprogrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970 S. 770.