Geier (Wappentier)

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Wappen der Ebinger von der BurgW-Logo.png: Geier mit Maus im Schnabel auf grünem Dreiberg stehend zum Flug geschickt.
(kolorierte Bleistiftzeichnung um 1900, nach Wappenstein in Riedlingen anno 1283)
1450-1580: Geier im Wappen der Schenk(en) von GeyernW-Logo.png (nach dem Scheiblerschen Wappenbuch)

Geier (französisch vautour; englisch vulture) sind in der Heraldik seltene Wappentiere bzw. nicht sehr verbreitete gemeine Figuren.

Darstellung

Die Darstellung eines Geiers in einem Wappen lehnt sich an jene eines heraldischen Adlers an. Dem relativ vertrauten Bild des Gänsegeiers oder Mönchsgeiers (beflaumter Kopf und ausgeprägte Federkrause um den Hals) entspricht er gar nicht. Man kann allerdings nicht in Abrede stellen, daß der BartgeierW-Logo.png (Gypaetus barbatus) als Vorbild gedient haben könnte. All diese drei Geierarten (dazu noch der Schmutzgeier, der aber als Koprophage einen vermutlich noch schlechteren Ruf hatte als die anderen drei Arten zu ihren schlechtesten Zeiten) waren im Mittelalter zumindest gebietsweise in Europa noch wohlbekannt.

Da die meisten (Altwelt-) Geier noch deutlich größer und stattlicher sind als Stein- oder Seeadler, bieten sie sich als Symbole eigentlich durchaus an, nichtsdestoweniger ist ihre Verwendung eher selten.

Adler und Geier als Wappentiere sind im Grunde kaum zu unterscheiden, allenfalls dadurch, daß der Geier einen längeren Hals als der Adler besitzt, wobei die Halsfedern beim Geier teilweise enger anliegen und kleiner sind als beim Adler.

Da Geier selten als Wappentiere geführt werden, gibt es in der traditionellen Heraldik nur wenige heraldische Vorgaben für sie (Gestalt wie beim Adler, kein kahler Kopf/Hals, immer auf etwas stehend). Ansonsten gelten jene heraldische Regeln, die die für den Adler bzw. für heraldische Vögel allgemein gelten.

Ein Kuriosum ist das Wappen der Republik Ísland, deren einer Schildhalter (für Nordisland) gewöhnlich als "Greif" bezeichnet wird, auf isländisch aber "gammur" heißt, was "Geier" auf deutsch bedeutet.

Siebmacher

Geyer (Tafel XVIII. Figur 33) erscheinen nicht mit dem kahlen Kopfe des natürlichen Geyers, sondern in Gestalt des Adlers, stehen aber auf ihren Füssen, theils mit angeschlossenen Flügeln (Tafel XVIII. Figur 33), theils flugbereit (Figur 35.), immer aber auf Berg, Hügel, Ast oder Felsen gestellt, vornehmlich in Wappen, welche an den Namen anklingen, z. B. Geyer, Geyersberg etc.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Paraheraldik

In der modernen Heraldik oder in der Paraheraldik wird das Wappentier Geier teilweise wie sein natürliches Vorbild dargestellt (z. B. im Siegel Malis, 1960-1981).

Verbreitung und Anwendung

Geier kommen oft als sprechendes Motiv bei Familienwappen wie Geyer, Geyern, Gyr, Geier, Geyr, Giger etc. oder bei Ortswappen wie Geiersberg, Geiersthal, Geyer und so weiter vor.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Geier in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Blason: „In Gold auf grünem Dreiberg, darin eine silberne Scheibe, ein roter, flugbereiter Geier mit schwarzem Schnabel und schwarzen Beinen.“
  3. Blason: „In Gold (Gelb) auf einer liegenden, vierendigen blauen Hirschstange (Zinken nach unten) stehend ein flugbereiter, rot bezungter schwarzer Geier.“
  4. Blason: „In Silber auf rotem Dreiberg eine gesenkte rote Spitze, darin ein silberner Geier.“
  5. Blason: „In Blau über einem silbernen Fünfberg schwebend ein von Silber und Schwarz geteiltes Schildchen, darin der Rumpf eines rot gezungten Geiers in verwechselten Farben.“
  6. Blason: „Im blauen Schild mit durchgebogenen Wolkenschildfuß einander zugewendet, verbunden u. daraus wachsend ein silberner Geier und ein Silberner Windhund mit blauen Band, daran innen ein silberner Ring.“