Adler (Wappentier)

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur heraldischen Terminologie gemäß Gritzner siehe Adler (Heraldische Terminologie)

Der Adler (frz.: aigle; engl.: eagle displayed) ist in der Heraldik eine Gemeine Figur und nach dem Löwen das zweithäufigste Wappentier.

Der Südtiroler Adler im Wappen der heutigen italienischen Autonomen Provinz Bozen – Südtirol.

Darstellung

Heraldische Adler

Die gemeine Figur Adler ist dem gleichnamigen Vogel nachempfunden. Das Motiv erscheint in Wappen in der Regel heraldisch stilisiert („heraldischer Adler“), freischwebend, frontal, mit nach der heraldisch rechten Seiten geneigten Kopf. Der heraldische Adler muß nicht besonders gemeldet werden.

Der heraldische Adler wird gewöhnlich

„(..) frontal mit seitwärts gewendetem Kopf, symmetrisch ausgebreiteten Flügeln, abstehenden Fängen, gespreizten Zehen und Krallen und gleichmäßig geordneten Schwanzfedern dargestellt (..) Kopf: seitwärts, in der Regel nach rechts gewendet, der Schnabel stark gekrümmt und geöffnet, die Zunge ausgeschlagen, das Auge groß, die Nackenfedern mehr oder weniger betont (..) Körper: entweder federlos oder regelmäßig, schuppenähnlich befiedert, am Halsansatz gewöhnlich zwei seitlich abstehende, aufwärts gebogene Nackenfedern. Flügel: im Halbkreis beidseitig und regelmäßig ausgebreitet, nur wenige, unten etwas aufgebogene Schwungfedern, symmetrisch geordnet und gespreizt, dazwischen oft feine Federchen. Die Flügelknochen nur leicht oder im Halbkreis gebogen, sind mitunter knotig, am Ende eingerollt, und zusätzlich mit kleineren Federn belegt (..) Fänge unverhältnismäßig groß, die Schenkel befiedert, drei Vorderzehen und eine Hinterzehe auffallend gespreizt, die Krallen deutlich abgesetzt und stark gekrümmt. Schwanz: Stets ornamental, wenige, symmetrisch geordnete Federn, die mittlere abwärts gerichtet, die restlichen in geschwungenen oder strafferern Formen, seitwärts verlaufend.“

Walter Leonhard (2003)[1]

Tingierung des heraldischen Adlers

Die Tingierung des Adlers kann in allen heraldischen Farben und Metallen erfolgen. Körper und Flug (Schwingen, die Flügel) sind im allgemein gleich tingiert. Daneben können auch die Waffen – die Bewehrung (Schnabel) und die Adlerfänge (Vogelfüße) – in anderer Farbe ausgeführt sein, wie auch die Zunge.

„Farbe: unterschiedlich. Schwarz, Rot und Gold herrschen vor. Die Bewehrung, Schnabel mit Zunge und Fänge unterhalb der Schenkel einschließlich Krallen oder auch diese allein, in abstechender Tinktur (..)“

Walter Leonhard (2003)[1]

Je nach Farbe des Adlers und seinem Grund unterscheidet man die typischen namentlichen Adler, etwa der schwarze Adler auf Gold des Heiligen Römischen Reichs, oder der rot-silber geschachte Mährische Adler. Der Schnabel wurde zu Beginn nicht besonders hervorgehoben. Darstellungen des Tieres mit ausgeschlagener Zunge treten in Wappen erst nach 1400 auf.[2]

Natürlicher Adler

Nur in Ausnahmefällen wird der Adler in Wappen eher unstilisiert dargestellt („natürlicher Adler“); diese Form ist nicht allgemein heraldisch anerkannt beziehungsweise heftig umstritten.

„Natürliche, fliegende oder „römische“ Adler sind unheraldisch.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[3]

Der natürlichen Adler(frz.: aigle naturel; engl. eagle close) muß in der Wappenbeschreibung gemeldet werden. Er erscheint gewöhnlich nur wenig stilisiert, „stehend“, mit angelegten Schwingen („angeschlossenen Flügeln“), nach heraldisch rechts sehend, teilweise einen der beiden Fänge anhebend, was zu melden ist.

Adler, flugbereiter oder auffliegend

Neben der traditionell Darstellungsweise des heraldischen Adlers kann er auch flugbereit oder auffliegend, mit Flügeln hinter dem Rücken oder ausgebreiteten Schwingen et cetera dargestellt werden. Sowohl in der flugbereiten als auch in der auffliegenden Darstellungsweise sind die Fänge „stehend“ darzustellen, obwohl die Figur als Ganzes ebenfalls freischwebend ist (das heißt ohne Berührung von anderen Motiven oder den Schild-/Feldrändern).

Adler, nach rechts überzwerch

Einige Wappen zeigen den Adler nach rechts überzwerch beziehungsweise rechts abwärts sehend, darunter zum Beispiel das Wappen der Adelsfamilie von Eptingen und Derivate des Familienwappens (Ziefen, Eptingen).

Weitere Adlerstellungen

In selten Fällen erscheint der Adler nicht freischwebend im Wappen, sondern mit beiden Fängen auf einem erhöhtem oder exponiertem Platz (Dreiberg oder ähnlichem) beziehungsweise einer anderen Wappenfigur „stehend“, „(an)sitzend“, „thronend“. Diese oder andere Besonderheiten der Adlerstellung sind explizit und genau zu melden, wenn sie im Wappen erscheinen. Auch Darstellungen im Sturzflug finden sich vereinzelt. Eine Sonderform ist der freischwebende Adler im Nebenwappen.

Stilformen des Adlers

Die Stilformen des heraldischen Adlers sind vielfältig. Selbst bei identischer Blasonierung können große Unterschiede in der genauen Ausgestaltung des Adlers vorliegen, je nach Entstehungszeit, Schildform respektive Form des Wappenfeldes sowie Mode, Stil und Fähigkeiten des Heraldikers bzw. Künstlers. Nachfolgend sind zehn Beispiele eines nach rechts blickenden rotbewehrten und rotbezungten schwarzen Adlers abgebildet:

Kopfanzahl

Der Adler erscheint im Wappenwesen gewöhnlich mit einem, zwei oder drei Adlerköpfen.

Doppeladler

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Doppeladler

Der Doppeladler, ein zweiköpfiger Adler, ist eines der ältesten Adlermotive in der Heraldik. Unter anderem nutzten ihn das Heilige Römische Reich, das Russische Reich und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Andere Nationen, die den Doppeladler als Staatswappen führen, sind Albanien, Jugoslawien (ehemalig), Serbien, Montenegro sowie Russland.

Adler mit drei Köpfen

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Dreiköpfiger Adler

Bei einem dreiköpfigen Adler sind die Sachsen nach innen gedreht und mit einwärts gerichteten Adlerköpfen an den Enden bestückt. Der eigentliche Adlerkopf folgt den heraldischen Regeln. Diese Darstellung ist aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift bekannt. Einen dreiköpfigen Adler in Conrad Grünenbergs Wappenbuch verweist auf das Wappenbild des römisch-deutschen Kaiser hin.

Attribute des Adlers

Quaternionenadler, ein nimbierter Doppeladler, die Flügel mit den Reichsständen belegt, als Symbol des Reiches
Holzschnitt von Hans Burgkmair d.Ä., 1510

Grundlegende Attribute eines Wappentieres sind auch beim Adler:

Typisch für den Adler sind aber insbesondere:

Nimbierter Adler

Erst spät hat sich der nimbierte Adler seinen Platz im Wappen erobert. Der Heiligenschein (Nimbus), häufig in Gold, selten anders gefärbt, ist erst ab dem 15. Jahrhundert nachweisbar und beschränkt sich auf den Kopf. Kaiser Sigismund soll ihn im Wappen um 1433/37 verwendet haben. Beim Doppeladler ist der Nimbus um beide Köpfe und symbolisiert das „heilig“ im Namen des Heiligen Römischen Reichs.

Er wurde auch in der Zwischenkriegszeit – sinnentfremdet – vom austrofaschistischen Ständestaat (Österreich) verwendet.

Formen der Figur

Halber Adler

Der Adler kann im Wappen auch gespalten oder geteilt vorkommen.

Wenn er am Spalt ist, wird er mittig in zwei gleiche Teile zerlegt. Der Adlerkopf ist davon ausgenommen und wird vollständig dargestellt. Die Blickrichtung legt die Schildseite fest. Der halbe Adler am Spalt kann rechts oder links von der senkrechten Teilungslinie im Wappen dargestellt sein. Die Beschreibung[4] halb oder wachsend (aus einer Teilungslinie oder einem Heroldsbild) treffen nicht für diese Wappentieranordnung zu. Die Entstehung des halben Adlers wird in der im späten Mittelalter aufkommenden Vereinigung von mehreren Wappen in einem Schild vermutet und um dem Platzbedarf gerecht zu werden.

Junger Adler / Aiglette

Junger Adler (auch Jungadler, Adlerjunges, Aiglette, kleiner Adler oder ähnlich genannt; frz.: aiglette, aiglon; engl.: aiglon) ist eine Bezeichnung für besonders klein im Wappen dargestellte Adler. Die Bezeichnung findet sich in der Blasonierung älterer Heraldiker. Angewendet wird der Begriff, wenn im Schild oder Feld mehr als drei Adler oder auf einer Wappenfigur, wie Balken, ein klein dargestellter Adler aus Platzgründen vorhanden ist. Die Beschreibung ist unheraldisch, da die Proportionen bei größerer Anzahl des Wappentieres zwangsweise verringert werden müssen. Beim Löwen ist der Sachverhalt ebenso und hier wird der Begriff junge Löwen gebraucht.[4]

Gestümmelter Adler / Alérion

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Alérion

Der Adler wird teilweise gestümmelt dargestellt (zum Beispiel ohne Adlerfänge und Adlerschwanz beziehungsweise „unterhalb gestümmelt“ wie im Wappen des Landkreises Heilbronn). Die genaue Form der Verstümmelung ist zu melden. Ohne Schnabel und Krallen heißt er Alérion (Beispiel ist das Wappen von Lothringen).

Kopfloser Adler

Teile des Adlers

In Wappen finden häufig auch nur Teile des Adlers Anwendung. So wird der Kopf, nur ein Fang (Bein) oder beide Fänge zur Gestaltung genommen. Farben entsprechen den heraldischen Regeln. Wird nur der Oberkörper im Wappen gezeigt, so kann er wachsend oder wenn er nicht den Schildrand berührt, schwebend sein. Sind nur die Flügel oder mindestens einer im oder über dem Wappen (Oberwappen) angebracht, spricht der Heraldiker vom Flug. Dieser Flug kann offen, geschlossen oder ein Halber Flug sein. Schnabel, Zunge, Körper und Schwanz, aber auch die Krallen und Flügel können immer andere Farben im Schild haben. Das erloschene mährische Adelsgeschlecht von Lomnitz führte einen Adlerflügel im Wappen.

Eine Sonderform eines Fluges ist das Flügelrad, einseitig oder beidseitig. Die hauptsächliche Verwendung ist weniger in der Heraldik, sondern als Abzeichen auf Dienstuniformen.

Der Adlerfang mit halben Flug wird auch als Klauenflügel bezeichnet. Der am Flügel befindlichen Kralle wird oft ein Gegenstand, besonders ein Schwert, schwingend beigegeben.

Varianten des Adlers

Spezielle Adlerarten

Weißkopfseeadler

Die USA nutzen, im Gegensatz zu den anderen Nationen, mit dem WeißkopfseeadlerW-Logo.png eine bestimmte AdlerartW-Logo.png und ein Wappen in Form eines Siegels.

Phönix

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Phönix (Wappentier)

Ein aus der Asche, Glut oder Feuer aufsteigender Adler wird Phönix genannt. Er wird in der Heraldik oft eingesetzt.

Scherbvogel

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Scherbvogel

Als Scherbvogel wird in der Heraldik eine natürliche („naturalistisch-heraldische“) Darstellung eines zum Auffliegen bereiten Adlers beschrieben.

Drachenadler

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Drachenadler

Der Drachenadler ist allgemein eine Chimäre aus einem Adler mit einem Drachenschwanz (oder einem Schlangenschwanz).

Adler mit anderem Körper

Diese Adlerformen sind zu den Fabelwesen zu zählen.

Adlerlöwe

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Adlerlöwe

Das große Wappen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde rechts von einem Adlerlöwen als Schildhalter gehalten. Auf einem Löwenkörper wurde das Vorderteil durch den oberen Teil eines Adlers ersetzt.

Jungfrauenadler

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Jungfrauenadler

Der Jungfrauenadler und Harpye sind Mischfabelwesen aus Mensch (vorwiegend weiblich und mit nacktem Oberkörper) und einem heraldischen Adler. Eine Ausprägung des Jungfrauenadlers ist der sogenannte Kaiser-/Königsadler im Wappen Nürnbergs, das ist ein heraldischer Adler mit männlichem Antlitz/Oberleib und einer Krone.

Adlermann

Seltener ist in der Heraldik der Adlermann.[4] Diese Fantasiegestalt ist aus dem Oberkörper des Adlers und den Beinen eines Mannes zusammengesetzt.

Adler mit Panzerarm

Einen Adler mit geharnischtem schwertschwingenden Arm (Panzerarm) gibt es im Wappen Westpreußens.

Garuda

GarudaW-Logo.png ist im thailändischen Wappen ein Mischwesen. Die allgemeine Beschreibung dieses Wappentieres ist seit 1910: Menschlicher Oberkörper in Rot mit gleichfarbigen Flügeln, goldener gekrönter löwenähnlicher Kopf, rote Schwanzfedern und goldene Adlerklauen am Unterkörper. Im Wappen Indonesiens ist der Garuda-Adler aber ein normaler goldener Adler.

Adler mit anderem Kopf

In der Heraldik haben sich noch weitere Formen herausgebildet. So gibt es im Wappen der märkischen Familie von Flans den Wolfsadler, ein Adler mit Wolfskopf und im Wappen der Grafen von Reichenbach-Lessonitz einen Adler mit Ziegenkopf, den Ziegenkopfadler (. ein weiteres Beispiel ist das Wappen von Schwalmstadt). Selten sind der Pferdeadler, der zum Beispiel im Wappen der Familie Ulfeld erscheint, der Hahnenadler, der Bärenadler, der Stieradler.

Beispiele für namentliche Adler

Aquila: Römische Feldzeichen

Bereits die Römer nutzten seit etwa 100 v. Chr. den (einköpfigen) Adler als Heeres- und Wappenzeichen, sowie die Aquila als Feldzeichen der Römischen Legionen. Grundsätzlich stammen alle europäischen Adler von diesen römischen Adlern ab.

Reichsadler

Hauptartikel: Reichsadler

Entnazifizierter Reichsadler aus der Zeit des Nationalsozialismus
Napoleonischer Adler

Das ganze Mittelalter über bis in das 20. Jahrhundert war der Kaiserliche oder Reichsadler das Sinnbild für die – aus römischer Tradition übernommene – kaiserliche Gewalt:

Nach Zerfall des Heiligen Römischen Reiches 1806 ging der Adler über auf:

  • das Kaisertum Österreich, und ab 1867 die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn: Der Österreichische Adler ist ein vom Quaternionenadler abgeleiteter Doppeladler, mit den Wappen der Erblande belegt. Der heutige einköpfige Bundesadler Österreichs wurde 1919 aber bewusst in Distanz zum monarchischen Kaiseradler eingeführt; er leitet sich nicht von diesem, sondern von normalen Wappenadlern ab – während der nimbierte Doppeladler des Ständestaats 1934–1938 wieder einen ausdrücklichen Bezug zum römisch-deutschen Reichsadler nahm
  • Im Deutschen Reich stellte der einköpfige Reichsadler – neben dem Preußischen Adler (seit 1701) – auch das Hoheitszeichen des Deutschen Kaiserreiches (1871–1918) dar; auch die Weimarer Republik (1919–1933) führte den Reichsadler im Wappen.

Zur Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945) wurde der Reichsadler des „Dritten Reichs“ – mit einem vollkommen anderen Erscheinungsbild als die kaiserlichen Adler – mit dem Hakenkreuz in Verbindung gebracht.

Napoleonischer Adler

Der Adler Napoléons I. ist ein auffliegender Adler mit einem Blitzbündel in den Fängen. Auch für ihn und Napoléon III. war der Adler in Übernahme der päpstlich zugesicherten Nachfolge der römische Caesaren Kennzeichnungssymbol der Heere.

Deutscher Bundesadler im Bundeswappen

Bundesadler

In Österreich wird seit 1920, in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges das Wappentier Bundesadler genannt.

  • Der österreichische Bundesadler geht auf einen Entwurf von 1920 zurück. In der Zeit des austrofaschistischen Ständestaates von 1934 bis 1938 war er durch einen Doppeladler ersetzt worden. Seit 1945 ist der ursprüngliche Adler wieder in Gebrauch. Er trägt eine Mauerkrone (Symbol des Bürgertums), Hammer (Symbol der Arbeiterschaft) und Sichel (Symbol des Bauernstandes). Hinzugefügt wurden gesprengte Ketten an den Fängen des Adlers, die die wiedererlangte staatliche Unabhängigkeit symbolisieren sollen. Das Wappentier selbst kann auf einen Seeadler zurückgeführt werden, wie auch am gelben Schnabel und den gelben Fängen erkennbar ist.[6]

In Österreich sind Adler im großen Wappen von Wien (Wiener Wappen) und in den Wappen von Tirol (Tiroler Wappen), Niederösterreich (Niederösterreichisches Wappen), dem Burgenland (Burgenländisches Wappen), und Oberösterreich (Oberösterreichisches Wappen) zu sehen.

Adler Saladins

Der Adler Saladins ist nach Sultan Saladin dem Großen benannt. Er wird hauptsächlich in arabischsprachigen Ländern als Staatswappen verwendet. Dabei besitzt er in dieser Funktion ein Brustschild sowie ein Spruchband. Ägypten, der Irak, der Jemen und Palästina verwenden den Adler Saladins als Hoheitszeichen.

Preußischer Adler

Königreich Preußen (1701–1918)
Freistaat Preußen (1920)

Der Preußische Adler des Wappens und der Flagge Preußens geht auf den Deutschen Orden zurück. Hochmeister Hermann von Salza erhielt in der Goldbulle von Rimini den schwarzen Reichsadler als Gnadenzeichen verliehen, den er daraufhin in einem weißen Schild führte. Das Herzogtum Preußen übernahm diesen schwarzen Adler. Seit dem Königreich zeigt der gekrönte Königlich-Preußische Adler neben einer hellen Spange auch die Initialen „FR“ (Fridericus Rex) auf der Brust, während er in den Fängen Zepter und Reichsapfel hält.

In den heraldischen Symbolen des Landes Sachsen-Anhalt ist aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit von weiten Landesteilen zum Königreich Preußen (1701–1918) und späteren Freistaat Preußen (1919–1945) – als einzigem deutschen Bundesland – ein preußischer Adler zu sehen. Auch die Wappen von Ostpreußen und Westpreußen führen den preußischen Adler in modifizierter Form.

Brandenburgischer Adler

Der Märkische Adler

Der Brandenburgische oder Märkischer Adler hat eine lange Geschichte in der Heraldik erlebt. Als Wappentier im Land Brandenburg ist er in vielen Gemeindewappen vorhanden. Brandenburg führt den roten Adler auch in der Flagge.

Friesischer Adler

Ein mit Namen versehener Adler, der in vielen Wappen die Zugehörigkeit zu der Region Friesland dokumentieren soll, ist der Friesische Adler („Friesenadler“). Er verkörpert die Reichsunmittelbarkeit und die Freiheitsrechte der Friesen. Der Begriff Friesischer Adler ist nicht so feststehend wie Mainzer Rad. Eine einheitliche Darstellung ist nicht durchgängig. Ein verbreitetes Bild ist in Gold ein halber schwarzer rotbewehrter Adler am Spalt. Auch kann er in Silber ausgeführt sein.

Johannisadler

Der Johannisadler (auch Johannesadler, nimbierter Adler, Adler mit Nimbus oder ähnlich genannt) ist im Wappenwesen eine gemeine Figur, die einem Adler mit Heiligenschein nachempfunden ist. Sie ist als Symbol auf den Evangelisten JohannesW-Logo.png zu verstehen. Im Wappen von Spanien war der Johannisadler hinter dem Wappenschild gestellt, wenn es den KönigW-Logo.png symbolisiert. Bereits die katholischen Könige benutzten ihn seit etwa dem 5. Jahrhundert als Emblem. Von der spanischen Republik abgeschafft, wurde er 1938 wieder eingeführt, verblieb aber nur bis 1981 im Staatswappen. Der Johannisadler ist neben dem römisch-deutschen Reichsadler und dem österreichischen Adler einer der wenigen solitären Schildhalter.

Walachischer Adler

Mit walachischer Adler wird der Wappenadler des ehemaligen Königreiches Rumänien (Großrumänien) bezeichnet.

Der Adler war mit einem Schild belegt, das die Wappen einzelner Landesteile Siebenbürgen, Walachei, Moldau, Banat, Dobrudscha, und mittig (Mittelschild) das silber-schwarz gevierte Hohenzollernwappen zeigte. Das Haus Hohenzollern war durch Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen als König Carol I. vertreten.

Mährischer Adler

Der Mährische Adler ist ein goldgekrönter rot-weiß geschachter Adler mit goldener Bewehrung im blauen Feld.

Wenzelsadler

Der Wenzelsadler (Flammenadler), ein schwarzer Adler mit goldenen Waffen, silbernen Federn an den Flügeln und roten Flammen in einem silbernen Feld.

Piastenadler

Der Piastenadler ist nach dem polnischen Herrschaftsgeschlecht der Piasten benannt und war schon im frühen Mittelalter zu ihrem Wappentier geworden. In Wappenbeschreibungen steht sein Eigenname für die verkürzte Beschreibungsform.

Schlesischer Adler

Siehe: Adler im Wappen von Schlesien und Schlesisches Bewährungsabzeichen

Tschernigow’scher Adler

Wappen mit Tschernigow’schem Adler

Die vom heiligen Großfürsten Michael von Tschernigow abstammenden Fürsten führten den Tschernigow’schen Adler: Im silbernen Feld ein einköpfiger schwarzer gekrönter Adler in der linken Klaue ein großes schräg über ihm liegendes goldenes Kreuz haltend.[7] Auch Tschernihiw nutzt diesen Adler.

Chiemseeadler

Wappen des Bistums Chiemsee

Das ehemalige Bistum Chiemsee führte ebenfalls einen rot bewehrten Adler im Wappen. Dieser taucht auch heute noch in diversen Wappen im Chiemgau auf, so im Wappen des Landkreis Traunstein und in dem der Gemeinde Reit im Winkl (s. dort).

Symbolik

Der Adler symbolisiert außerhalb der Heraldik unter anderem Unsterblichkeit, Mut, Weitblick und Kraft. Er gilt auch als König der Lüfte und Bote der höchsten Götter. Nach alten Legenden blickt er beim Auffliegen direkt in die Sonne, weshalb er auch ein Sinnbild für den Aufstieg in den Himmel und die Erlösung der Seele ist.

Mythologisch wird der Adler bei den Griechen mit dem Gott Zeus, bei den Römern mit Jupiter und bei den Germanen mit Odin verbunden.

Der Adler ist ein religiöses Symbol für die Himmelfahrt Christi, und das Heiligenattribut des Evangelisten Johannes.

Wappenbilderordnung

Paraheraldik

Der heraldische Adler wird in der Paraheraldik oft abgeändert und zum Beispiel ohne Schild oder in einer unheraldischen Form dargestellt.

  • Beispielsweise leitet sich das Vereinswappen von Eintracht Frankfurt vom Wappen der Stadt Frankfurt am Main ab, welches wiederum auf dem einköpfigen Reichsadler des 13. Jahrhunderts basiert. Das Vereinswappen wurde und wird aber, trotz vieler Veränderungen, nicht als Wappenschild dargestellt, sondern in Form eines Kreises.
Vereinswappen gehören häufig zu den Parawappen
 
Das Stadtwappen von Frankfurt am Main.
 
Wappen des Frankfurter FV (von 1911), der TuS Eintracht Frankfurt (1920), der Sportgemeinde Eintracht Frankfurt (1967) und der schwarze Adler (1980-1999


  • Die Punkrock-Band Die Toten Hosen setzt als ihr Logo seit Mitte der 1980er Jahre einen sogenannten Knochenadler ein, etwa auf dem Album Bis zum bitteren Ende. Der Knochenadler kombiniert die Zeichensprache des Bundesadlers mit der einer PiratenflaggeW-Logo.png, indem der Adler als weißes Skelett auf schwarzem Grund abgebildet wird.

Siehe auch

Literatur

  • Walter Leonhard: Das große Wappenbuch der Wappenkunst. Verlag Georg D.W Callwey, J.R., München 1978.
  • Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1984, ISBN 3-411-02149-7.

Weblinks

 Commons: Adler in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 201 ff.
  2. Walter Leonhard, Die große Wappenkunst, Georg D.W. Callwey, München 1978, ISBN 3-8289-0768-7
  3. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 25
  4. 4,0 4,1 4,2 Gert Oswald, Lexikon Heraldik, VEB Bibliographische Institut, Leipzig 1984, ISBN 3-411-02149-7
  5. Römische Experimentalgruppe Legio·XV·Apollinaris·Cohors·I
  6. aeiou – das Kulturinformationssystem, Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon
  7. Wilhelm Rein und Compagnie, Genealogisch-chronologische Geschichte des allerdurchlauchtigsten Hauses Romanow und seines vorelterlichen Stammhauses, Balthasar Campenhausen, Leipzig 1805.


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