Pflanzen (Hauptgruppe)

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Pflanzen (frz. plantes; engl. plants) oder Motive und Objekte aus dem Pflanzenreich werden als Gemeine Figur in einem Wappen sowohl im Wappenschild als auch im Oberwappen häufig dargestellt. Viele Pflanzen sind zudem Grundlage für spezifische Wappenschnitte.

Darstellung

Sämtliche bekannten Pflanzen des natürlichen Pflanzenreiches (vor allem Blumen wie die Rosen und Lilien) und Bäume, aber auch Bestandteile wie Blüten, Blätter, Früchte und so weiter) werden als Motive für Wappen verwendet. Sehr selten kommen in der Heraldik Pflanzemischwesen (z. B. „Daphne“) oder fiktive Pflanzen vor. In alten Wappen sind meist nur heimische oder in Europa vorkommende Pflanzenarten zu finden; exotische oder aus Übersee stammende Arten kamen im Verlauf der Geschichte und der modernen Heraldik hinzu.

Bis auf wenige Ausnahmen sind im Wappenschild die Pflanzen stilisiert oder ornamiert. Besonders die Pflanzen, die schon in der Frühzeit der Heraldik auf den Schilden ihren Platz gefunden haben, wurden durch die Jahrhunderte hindurch der Mode oder dem jeweiligen kulturellen Zeitgeist angepasst. Ihre Darstellung ist kunsthistorisch durchdrungen, so daß eine Pflanzen-Darstellung in einem Wappen oft einer Kunstepoche zugeordnet werden kann.

Im Blason erklären viele Fachbegriffe in Kurzform treffend das Aussehen, die Stellung, den Teil und die Farbe der pflanzlichen Darstellung. Beispielsweise können Pflanzen (oder ihre Teile) in der Heraldik wachsend, am Spalt stehend, abgehauen, gestümmelt, geknorrt, ohne Krone/Wipfel, ohne Unterteil, verdorrt, entlaubt, gestielt, mit Wurzeln, beblättert, blühend, mit Früchten, besamt, bebutzt, mit Kelchblättern, bebartet ... und so weiter sein.

Werden in Wappen nur Pflanzenteile wie Blüte, Stamm, Stengel, Frucht, Ast, Staude et cetera dargestellt, so referenzieren diese stets und möglichst markant auf die vollständige Pflanze. Die Darstellung der Blätter geht von Einzelblatt bis zu ganzen Kränzen, von der Einzelfrucht bis zu ganzen Fruchtarrangements.

Häufig werden Pflanzen oder ihre Bestandteile zusammen mit anderen gemeinen Figuren in Wappen präsentiert (beispielsweise in der Hand eines Menschen).

Siebmacher

Figuren aus dem Pflanzenreich: Diese Figuren, nämlich: Bäume, Pflanzen, Blüthen, Früchte und Blumenerscheinen in älteren Wappen stets in einer, der natürlichen Gestalt ähnelnden, aber ornamentirten Form. Dies mag wohl darin seinen Grund haben, dass anderen Falls es kaum möglich gewesen wäre, die verschiedenen Baum- und Pflanzen-Gattungen auf weite Entfernungen oder Siegeln zu erkennen, worauf (speziell bei letzteren) zu jener Zeit, als man die Urkunden meistens nur mehr besiegelte, nicht, oder nur schlecht unterschrieb, ein größerer Werth als heut gelegt wurde. So finden wir denn beispielsweise die Bäume mit nur wenigen, gleichförmig vertheilten Blättern resp. Früchten, deren Gattung stets deutlich erkennbar sind, weil sie im Verhältnis zu Stamm und Ästen sehr groß dargestellt sind.

Ferner wurden Blätter, Blüthen und Früchte in der der Naturfarbe nächstliegenden heraldischen Färbung dargestellt, also die Stämme und Äste etc. nicht braun, sondern schwarz oder roth etc.

Den modernen „grünen Boden, Hügel oder Rasen“, kannte die alte Heraldik nicht; sollte der Baum ausgerissen (d. h. entwurzelt) dargestellt werden, so wuchs er stets aus einem (manchmal auch schwebenden) Dreiberg im Schildfuss.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Motiv-Ordnung

Baum und Wald allgemein

Zu den häufig gewählten Bäumen sind starke Eichen, alte ehrwürdige Linden, Buchen und Ahorne zu zählen. Die Blattform ist charakteristisch. Wird der Baum mit Wurzeln dargestellt, dann ist er ausgerissen. Das lässt eine andere Farbe für die Wurzeln zu. Auch Baumstümpfe sind beliebt.


Nadelbaum

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Nadelbäume (Heraldik)

Laubbaum

Obstbaum

Strauch, Staude

Halmpflanzen und andere Gewächse

Knollengewächse

Blumen

Galerie

Blüten und Früchte

Stilisierte Pflanzen

Spezielles

  • Bei der Weinrebe ist es mit der Verschlingung besonders attraktiv. Die Ranken sind dafür geeignet. Die Traube selbst wird in Farbe oder Metall dargestellt. Anordnung im Wappenschild oder Feld kann einzeln, zwei über eins, nebeneinander oder strahlenförmig aus der Mitte sein.
  • Von den unauffälligen Pflanzen hat der Klee, insbesondere das Kleeblatt in die Heraldik Einzug gehalten. Als Einzelblatt oder als Teil von Kreuzen und Wappenschnitten ist es anzutreffen.
  • Weitere häufig verwendete, stilisierte Blätter sind das Lindenblatt, das Seeblatt, das Eichenlaub und das Nesselblatt, welches wegen seiner den Schild füllenden Form nicht eindeutig den Heroldsbildern oder Gemeinen Figuren zuzuordnen ist.
  • Die im Wappen von Ohmenhausen anzutreffende Dörrbirne ist eine seltene Figur. Sie hat auch viele Bezeichnungen: Hutzel, Hutze oder Kletze.
  • Der Palmwedel wird im Wappenschild, oft durch Figuren gehalten, aber auch um den Schild gelegt und als Helmzier verwendet. Für einige Heilige ist er ein Attribut.
  • Die Doppeleiche ist ein Baum besonderer Art. Er hat stilisiert in die Heraldik Einzug gehalten. Der Baum verfügt über zwei Stämme, die oft im unteren Teil zusammengewachsen sind (Wappen von Zwiesel) und eine gemeinsame Krone bilden. Die Doppeleiche wurde zum Symbol im Zuge des Konflikts zwischen Dänen und Deutschen über den völkerrechtlichen Status Schleswig-Holsteins.

Webseiten

 Commons: Pflanzen in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.