Weihe (Wappentier)

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Dieser Artikel erläutert die Wappenfigur „Weihe“; die heraldisch-landläufigen Fachausdrücke „Gabelweihe“ und „Königsweihe“ beziehen sich auf die gemeine Figur „Milan“, siehe: Milan (Wappentier).
1400: Auffliegende Weihe (Aar; redendes Wappen Wiehen; nach Siebmacher, 1895)
1569: Weihe, Flügel angeschlossen (im redenden Wappen der Familie Weyh; nach Siebmacher, 1912)

Das Wappentier Weihe (auch Wy, Weih, Wehy[e], Wèj, Wîen, „gemeine Weihe“, „eigentlicher Weih“, oder ähnlich; lateinisch circus von altgriechisch κίρκος kirkos, deutsch ‚Kreis‘) ist in der Heraldik eine seltene gemeine Figur.

Darstellung

(Gemeine) Weihe

Die in Wappen dargestellten gemeinen Weihenfiguren sind nicht explizit einer der 15 bis 16 rezenten und der zwei ausgestorbenen natürlichen Weihenarten nachempfunden; vielmehr lehnen sie sich an ein IdealbildW-Logo.png der Greifvogelgattung Weihen (Cirrus)W-Logo.png an. Wenn überhaupt, sind für die heraldische Darstellung der Weihenfigur nur die drei in Europa beheimateten Arten KornweiheW-Logo.png, RohrweiheW-Logo.png und WiesenweiheW-Logo.png relevant; andere spezifische Weihenarten sollten stets unter Nennung ihres Eigennamens gemeldet werden, falls sie in einem Wappen erscheinen. Die KönigsweiheW-Logo.png (= derRotmilan) ist aus ornithologischer Sicht zwar eigentlich keine Weihe, wird aber trotzdem gelegentlich so benannt. In der DWR Band 78 erscheint sie in Schild und Helmzier einer Familie König und kann daher als "redend" bezeichnet werden. Ihr gegabelter Schwanz (weswegen sie auch als "Gabelweihe" bezeichnet wird) macht sie unverwechselbar – und damit als gemeine heraldische Figur geeignet.

In der Regel grenzt sich die vereinfachte heraldische Darstellung einer Weihe von den gegebenen Realformen ab und erfolgt im traditionellen Wappenwesen ähnlich dem Wappentier Adler in strenger heraldischer Stilisierung und Tingierung. Es gelten für die Weihefigur jene heraldische Regeln, die die für für heraldische Vögel allgemein bzw. für die Adlerfigur gelten, von dem sie schlecht oder gar nicht zu unterscheiden ist.

Ob es sich in einem Wappen um die Darstellung einer Weihe handelt, ist der Wappenbeschreibung (Blasonierung) oder dem Familiennamen zu entnehmen. Fehlen diese Hinweise, ist die Weihenfigur nicht immer als solche identifizierbar, sondern wird womöglich in der Literatur mit der „Adlerfigur“ gleichgesetzt.

Hauptblickrichtung der Weihenfigur ist, wie bei den meisten Wappentieren, heraldisch rechts (eine linksgekehrte Weihe ist zu melden). Die Figur Weihe wird eher in Einzahl, seltener oder gar nicht in Mehrzahl in Wappen dargestellt. Sie erscheint vorwiegend auffliegend oder stehend (zum Beispiel in Kombination mit einem Dreiberg), kann aber auch in allen anderen vogeltypischen Stellungen im Wappen vorkommen (frontal und mit nach rechts gewendetem Kopf, mit angelegten oder flugbereit erhobenen Flügeln, fliegend, schreitend und so weiter). Für die Weihenfigur sind alle heraldischen Farben möglich, nur sollten die Farbregeln der Heraldik eingehalten werden. Wenn die Krallen, die Zunge, der Schnabel oder ein anderer Teil des Wappenmotivs eine andere Farbe besitzen als der Rest der Figur, ist dies zu melden (vgl. „Bewehrung“). Die Weihe kann im Wappenschild oder als Kleinod im Oberwappen auftreten.

Natürliche Weihe

In der neueren Heraldik erscheint die gemeine Figur Weihe womöglich in einer Form, aber vor allem in der Farbe wie das reale Vorbild (also in „Naturfarbe“, nicht in heraldischer Tingierung). In diesen Fällen sollte die Weihenfigur stets als „natürliche Weihe“ gemeldet werden.

Begriffsgeschichte

In der Literatur gibt es mindestens drei Ansätze zur Herkunft des Ausdrucks „Weihe“:[1]

  1. Abgeleitet aus dem indogermanischen „wei-o“ für „aus zwei bestehend; Zweig“, was auf den gespaltenen Schwanz einer Vogelart verweist.
  2. Abgeleitet aus der indogermanischen Wurzel „ueie“ oder „wĭ“ für „eilen, jagen“, was auf das Jagdverhalten einer Vogelart verweist.
  3. Angelehnt an den gedehnten Ruf der Milane und Bussarde übernahm man das „Wih“ oder „Why“; wobei die ausgedehnten „ih“-Laute mithilfe der Kanzleisprache ab dem 13. Jahrhundert zum „ei“-Laut abgewandelt wurden.

„So wurde zum Beispiel aus „Wy“ der „Weih“. Mehr noch: Der Begriff „Weihe“ wurde auf andere mittelgroße Greifvögel ausgedehnt, verallgemeinert (..) »Nachdem [im 18. Jahrhundert] Bussard und Milan in unseren Sprachschatz Aufnahme gefunden hatten, beschränkten Vogelkenner die Bezeichnungen Weih und Weihe auf Circus-Arten [die heutigen Weihen], für die sie am wenigsten passen und auch nicht geschaffen wurden.«“

Peter Bertau (2014) und Schmidt-Bey (1936, zitiert nach Peter Bertau)[1]

Wappenbilderordnung

  • Die Figur Weihe besitzt in der Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) keine eigene Nummer. Man kann sie der allgemeinen Bestimmung „Raubvögel, unbestimmt“, Nr. 4145 zuordnen.

Weblinks

 Commons: Milan in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Peter Bertau: Die Bedeutung historischer Vogelnamen - Nichtsingvögel. Band 1. Berlin, Heidelberg. 2014. ISBN 978-3-642-41732-0. S. 275 f., 298