Feuerhaken

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Feuerhaken im Wappen von Otto Haak
(gezeichnet von Martin Kortmann [1874-1945]; Exlibris von 1907)
Wappen der Wuthenau
Schlesisches Wappenbuch 1901

Der Feuerhaken (auch Schüreisen, Schürhaken, [lokal] Feuerkrücke; [veraltet] Attisoir genannt) ist im Wappenwesen eine gemeine Figur.

Gebrauch

Der Ausdruck „Feuerhaken“ ist ein Oberbegriff und bezeichnet mehrere bekannte (historische) Werkzeuge mit unterschiedlichen Funktionen, die alle in der einen oder anderen Form in Wappen erscheinen können. Grundsätzlich kann als „Feuerhaken“ bereits ein einfacher „Stock“ interpretiert werden, an dem seitlich ein Ast in Art eines Widerhakens entspringt. Feuerhaken besitzen unter anderem folgende Funktionen:

  • EinreißhakenW-Logo.png: Das sind lange „Brandhaken“, die man beim Feuerlöschen oder beim „Löschangriff“ zum Öffnen von Brandnestern, zum Einreißen und Wegziehen brennender Balken oder (brennender) Gebäudeteile und Dächer verwendet.
  • „Hexen-/Ketzerfeuerhaken“: Lange Feuerhaken kamen bei Hexen- und Ketzerverbrennungen zum Einsatz. Vermutlich dienten sie dazu, das Feuer durch Herumstochern anzufachen oder gezielt zu vergrößern. Denkbar ist, dass die angeblichen Hexen/Ketzer mit den Feuerhaken gequält wurden.
  • Rodungshaken: Bei der BrandrodungW-Logo.png zur Vorbereitung landwirtschaftlicher Produktion verwendet man lange Feuerhaken. Sie dienen beispielsweise dem kontrollierten Abbrennen der Primär- oder Sekundärwaldflächen oder werden eingesetzt, um das Niederholz oder den Reisig bewaldeter Berghänge durch Flammen- oder Schmotfeuer sicher zu erledigen.
  • SchürhakenW-Logo.png (auch Schürstange, Schüreisen, Stocheisen oder ähnlich genannt) bezeichnet ein Metall-, Schmiedehaken- oder Köhler-Werkzeug zum Verändern der Lage von heißem Brennstoff in einer Esse, einem Holz- oder Kohleofen oder ähnlichem.
  • Kesselhaken, die man gebraucht, um einen Kessel über ein Feuer zu hängen, werden teilweise Feuerhaken genannt, obwohl ihre Funktion sich wesentlich von den zuvor genannten Feuerhaken unterscheidet.

Darstellung

Die Figur Feuerhaken erscheint im Wappen gewöhnlich heraldisch stilisiert mit einer langen (hölzernen) Stange, an deren oberen Ende ein (metallischer) Stangenaufsatz angebraucht ist („Eisenzeug“), der in eine Spitze mit einem seitlichen Wider-/Wendehaken ausgearbeitet ist. Neben den oben genannten Formen eines Feuerhakens existieren regional unterschiedliche Konstruktionsformen des Werkzeugs. Alle Besonderheiten, die signifikant für die Wappenfigur sind, sollten mit den spezifischen Details gemeldet werden. Ist beispielsweise der Widerhaken als ein stilisiertes Lilienblatt ausgeprägt, sollte dies gemeldet werden.

Die Figur kommt einzeln im Wappen vor, wird teilweise aber auch in Mehrzahl (zum Beispiel schräggekreuzt) oder mit anderen Wappenfiguren kombiniert. In der Regel ist die Lage des Widerhakens bzw. der widerhakenförmigen Vorrichtung nach heraldisch rechts gewendet. In anderen Fällen sollte man sie in der Wappenbeschreibung angeben (zum Beispiel nach links gewendet, auswärtsgekehrt oder ähnlich). Wenn der Aufsatz mit der Spitze und seinem hakenförmigen Teil zum oberen und der Stab der Figur zum unteren Schildrand gerichtet sind, muss dies nicht unbedingt gemeldet werden, kann aber als „aufrechter Feuerhaken“ beschrieben sein. Ist der Feuerhaken gestürzt oder in einer anderen Weise im Schild oder Feld gestellt, ist dies anzuzeigen. Alle heraldischen Farben sind als Tingierung der Figur gebräuchlich. Wird der obere Teil des Feuerhaken anders tingiert als der Stab, ist dies zu melden.

Wappen Nanckenreuth und Derivate

ca. 1475–1500: Wappen der von Nanckenreuth im Wernigeroder Wappenbuch

Der Feuerhaken im Wappen derer von NanckenreuthW-Logo.png ist ein Einreiß-/Brandhaken, wie er bei der Feuerbekämpfung eingesetzt wird. Erkennbar ist das an zwei charakteristischen Ringen, die beim Gebrauch des Einreißhakens dabei helfen, die Einreiß-/Zugkraft zu erhöhen (wobei im Wappen Nanckenreuth gewöhnlich nur die Tülle oder das Oberteil des Einreißhakens dargestellt wird, nicht der komplette Feuerhaken).

„Die Feuerhaken aber sind noch mit einigen Ringen zu versehen, wodurch man Stricke ziehet, damit mehrere Menschen daran hülfliche Hand leisten können.“

Annalen der Braunschweig Luneburgischen Churlande (1787)[1]

Obwohl die beiden Ringe ein klarer Hinweis darauf sind, dass im Wappenschild das Oberteil eines Feuer-/Einreißhakens erscheint, wird die Figur manchmal mißverständlich als „silberne lilienförmige Spießspitze“ oder als „Feuerhaken für Rodungstätigkeiten“ beschrieben. Ob der Ausdruck Nanken einen Feuerhaken bezeichnet, wie es in der Literatur häufig zu lesen ist, ist nicht ausreichend untersucht. In den gebräuchlichen Wörterbüchern (Grimm u. a.) findet sich kein entsprechendes Schlagwort, was bedeuten könnte, dass der Ausdruck nicht zur Umgangssprache gehört.

Wappen des Bistums Lebus und Derivate

1576: Wappen des Bistums LebusW-Logo.png (nach dem Schrotschen Wappenbuch)

Auch die Haken-Wappenfiguren, die im Zusammenhang mit dem Bistum Lebus stehen, scheinen Feuer-/Einreißhaken nachempfunden zu sein. Zumindest heißt im Schrotschen Wappenbuch, das von Adam Berg 1576 herausgegeben wurde:

„Ein rother Schildt, darin ein klein gelbs in dem 2 eissen Fewrhacken.“

Martin Schrot (Wappenbuch 1576, hrgs. von Adam Berg)[2]

Gewöhnlich besitzen die Feuerhaken in den überlieferten Bistumswappen einen Ring. Im Schrottschen Wappenbuch wachsen die Feuerhaken des Bistums Lebus aus dem roten Bord, wodurch evident ist, dass die Haken länger sind, als sie im Wappen erscheinen und sich die Ringe im Oberteil des Werkzeugs befinden (was auf Feuer-/Einreißhaken verweist, aber auch auf Schiffshaken). Die Ringe erscheinen teilweise in den Wappendarstellungen und Derivaten an den unteren Enden der Haken und sehen manchmal ähnlich wie Handgriffe aus; zudem sind die Haken oft schwebend und mit kurzen Stangen im Wappen dargestellt. Das ist vermutlich der Grund, warum man die Haken in manchen Beschreibungen nicht als Feuerhaken, sondern als Boots-/Schiffshaken interpretiert. Man dichtet die Legende, bei den Haken handle es sich um einen Verweis auf die Marterwerkzeuge („Heiligenattribute“) des heiligen Adalbert von Prag, des Schutzpatrons des Lebuser Domstiftes, der angeblich mit Rudern und Boots-/Schiffs-/Fischerhaken („-spießen“) erschlagen worden sein soll. Im Wappen des Lebuser Bischofs Johann von BorsnitzW-Logo.png (ca. 1397-1422) erscheinen die Haken nach Siebmacher[3] ohne Ringe.

Wappen Wintzingerode und Derivate

Die Wappenfigur im Wappen derer von Wintzingerode wird im Siebmacher meist als „Feuerhaken“ beschrieben. Paul Schreckenbach (1866-1922) beschreibt die Wintzingerode-Wappenfigur in einem seiner Romane phantasievoll als „Spieß mit zweifacher Spitze“ bzw. als „doppelte Hellebardenspitze“. Es liegt jedoch nahe, die Wappenfigur als redendes Symbol aufzufassen. Demnach stellt sie das Oberteil einen „Rodungs-/Feuerhaken“ dar, in Anlehnung an den Familien- und Ortsnamen (Wintzingerode = „winczinge/winzige Rodung“).

Feuerhaken im Wappen von Otto Haak

Einem breitem Publikum ist die Wappenfigur Feuerhaken durch die unzähligen Exlibris des Berliner Buchhändlers Otto Haak (früher Haack) bekannt, der sein Wappen von namhaften Künstlern seiner Zeit entwerfen und als Exlibris drucken ließ.[4]

Schürhaken

Im Wappen von Zell an der Pram erscheint der Feuerhaken explizit als Schürhaken.

Abgrenzung

Die Darstellung der Wappenfigur Feuerhaken ist leicht mit anderen Haken (Schiffshaken, Enterhaken, Bootshaken, Floßhaken et cetera) zu verwechseln. Die Namen der Haken werden im Wappenwesen teilweise nicht scharf oder eindeutig voneinander getrennt, manchmal auch synonym verwendet. Um das Quidproquo zu vermeiden, sollten Name, Form und spezifische Eigenschaften der jeweiligen Wappenfigur in der Wappenbeschreibung möglichst genau gemeldet werden.

Einzelnachweise

  1. Jacobi und Kraut: Annalen der Braunschweig Luneburgischen Churlande. Band 1. Hannover. 1787. S. 76
  2. Schrot, Martin. Wappen Buch des hohen Geistlichen vnd Weltlichen Stands der Christenheit in Europa (..). Hrgs.: Adam Berg. München. 1576.
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, I. Band, 5. Abteilung, 1. Reihe; Bistümer; Author: G. A. Seyler, F. Kraemer, H. Nahde; Publikation: Nürnberg: Bauer & Raspe, 1881. S. 36. Tafelnummer 64.
  4. Vgl. zum Beispiel:
    Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Wappen und Aufriß, Konstanz und Variabilität Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Historische heraldische Exlibris (37) Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Historische heraldische Exlibris (48)