Zahnrad (Heraldik)

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Muster: Zahnrad
(nach WBO, Nr. 9417)

Das Maschinenbauteil Zahnrad (auch Maschinenrad genannt; frz.: roue denteé; engl.: cog-wheel) hat seinen Platz in der neueren Heraldik gefunden; in der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens ist dieses Motiv nicht gebräuchlich.

Darstellung

1889: Maschinenrad
(nach Siebmacher)
Zahnrad-Animation (Stirnradgetriebe)
Der Eingriffspunkt bewegt sich auf der Eingriffsgeraden (EvolventenverzahnungW-Logo.png, zweite Eingriffslinie nicht gezeichnet); im Eingriffspunkt wälzen die beiden Zähne vorwiegend aufeinander, gleiten auch geringfügig gegeneinander (Wälzgleiten).

Das Zahnrad wird zu den gemeinen Figuren gerechnet und ist dem gleichnamigen Maschinenrad mit über den Radumfang gleichmäßig verteilten ZähnenW-Logo.png nachempfunden. Die Figur erscheint in Wappen stark heraldisch stilisiert. Die Zahnradfigur ist eine von vielen Radfiguren, die im Wappenwesen erscheinen. Verwechslungen mit anderen Rädern wie dem Mühlrad sind möglich. Im Zweifelsfalle kann die Blasonierung, der Wappenführende oder umfangreiche Recherchen zu einer Wappengeschichte Auskunft erteilen, ob ein Zahnrad in einem Wappen erscheint. Zwei ineinandergreifende Zahnräder sind selten. Die Farbgebung sollte in den heraldischen Tinkturen vorgenommen werden, wobei Schwarz, Gold und Blau („stahlblau“) bevorzugt sind.

Maschinenrad (Tafel XXX. Figur 76.): (vom Mühlrad/Kammrad -- Anmerkung der Redaktion) ist das in modernen Wappen häufige Maschinenrad (..), das heißt ein dem Ersteren zwar ähnelndes, aber mehr Zähne und andere Speichen aufweisendes ganz eisernes Rad zu unterscheiden, welches meist schwarze oder stahlblaue Färbung hat.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Geschichte und Verwendung

Die Tradition, ein Zahnrad im Wappen zu führen, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. GrevesmühlenW-Logo.png hatte ursprünglich kein Zahnrad im Wappen; amtlich wurde es ab 1817 geführt. HeidenauW-Logo.png führt seit Mai 1931 im Wappen ein unterhalbes Zahnrad („unterhalbe“ bedeutet, dass nur ein halbes Rad mit der offenen Seite nach oben dargestellt ist; beim „oberhalben Rad“ ist es umgekehrt). LudwigsfeldeW-Logo.png führt ein Zahnrad als Nebenfigur.

Ein Zahnrad erscheint in vielen Staatswappen, Siegeln oder anderen Hoheitszeichen (z. B. im Wappen von Aruba, Benin, Botswana, Burma (1974-2008), China und Kambodscha). Italien nahm die Figur als Schildersatz im Staatswappen auf.[2]

Symbolik

Die Figur Zahnrad symbolisiert in einem weitem Sinn die IndustrialisierungW-Logo.png, den Maschinen- oder Autobau einer Region et cetera. Insbesondere in der Deutschen Demokratischen RepublikW-Logo.png, der UdSSRW-Logo.png oder anderen sozialistischen bzw. kommunistischen Staaten, die die Heraldik vergleichsweise spät als identitätsstiftendes Merkmal für eine Region oder als Mittel zur Ideologieverbreitung entdeckten, wurden historisch gewachsene Wappen ohne Zahnrad durch Wappen mit Zahnradfigur als Kennzeichen „entwickelter sozialistischer Industrie“ oder ähnlichem ersetzt.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Literatur

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 144
  2. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 450. ISBN 978-3-411-02149-9

Weblinks

 Commons: Zahnrad in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag (Heraldik) „Zahnrad (Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine (Heraldik)&action=history Liste der Autoren verfügbar.