Gestürzt

Aus Heraldik-Wiki
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Gestürzt (frz.: (..) versé; engl.: (..) reversed) ist in der Heraldik ein Fachbegriff, der diejenigen Wappenfiguren beschreibt,

  • „deren oberes oder vorderes Ende nach unten gekehrt ist, die also umgekehrt erscheinen“[1];
  • die im Wappenschild vom Schildhauptrand gegen den Schildfußrand (also nach unten, schrägunten, niederwärts, abwärts o. ä.) gerichtet sind[2].

Irreführende Ausdrücke: „kopfstehend“ u. a.

Manchmal wird der Ausdruck „gestürzt“ in der neueren Heraldik oder in heraldikfremden Quellen etwa folgendermaßen umschrieben:

Wappenfigur, „(..) wenn diese um 180 Grad gedreht, auf dem Kopf steht“[3]

Diese Definition und vergleichbare sind in der Heraldik nicht zielführend. Heraldische Termini wie „gestürzt“ besitzen spezielle, historisch gewachsene Bedeutungen, die teilweise nicht äquivalent zu mathematisch-geometrischen oder umgangssprachlichen Umschreibungen sind.

Beispielsweise beschreibt der Ausdruck „um 180 Grad drehen“ respektive der umgangssprachliche Begriff „kopfstehend, auf dem Kopf“ nicht eindeutig, wie die Wappenfigur (Halb)Mond in einem Wappen zu zeichnen („aufzureißen“) ist. Tatsächlich ist die „übliche/normale“ Stellung der Wappenfigur (Halb)Mond im Wappenschild nach den heraldische Regeln festgelegt mit: „heraldisch nach rechts gewendet“ (zunehmend). Diese Stellung wird in einer Wappenbeschreibung nicht besonders gemeldet. Sie ist der Normalfall, von dem aus mehrere andere mögliche Stellungen des Mondes in einem Wappen mit gestürzt (oder mit ähnlichen, wohldefinierten heraldischen Termini) beschrieben werden können, andere nicht.

Ersatzwörter

Ausdrücke, die in der Heraldik manchmal bedeutungsgleich, manchmal nur bedeutungsähnlich, in wenigen Fällen auch in einer anderen Bedeutung zum Begriff „gestürzt“ verwendet werden, sind: nach unten gerichtet, abwärts gekehrt, niederwärts gekehrt, umgestürzt, hängend, sinkend, gesenkt oder ähnliches. Es ist im Einzelfall von der Beziehung der miteinander im Wappenbild kombinierten Wappenelemente abhängig, welcher Ausdruck in der Wappenbeschreibung zweckmäßig ist. Grundsätzlich empfiehlt es sich, gemäß den heraldischen Regeln die knappste und eindeutigste Formulierung zu melden.

Eigennamen

In der Heraldik gibt es einige Wappenfiguren, die man als „gestürzt“ beschreiben könnte, die aber Eigennamen besitzen. Beispielsweise ist der Begriff Petruskreuz für das gestürzte Lateinisches Kreuz gebräuchlich, Deichsel für den gestürzten Göpel und umgedreht Göpel für die gestürzte Deichsel) und so weiter. Bei vielen Wappenfiguren, insbesondere bei Heroldsbildern, wird das Präfix „Sturz-“ verwendet, wenn sie oder Teile des Motivs „gestürzt“ im Wappen erscheinen sollen (zum Beispiel Sturzsparren, Sturzfeh, Sturzkrücke, Sturzastpfahl).

In allen diesen Fällen empfiehlt es sich, bei der Wappenbeschreibung den knappsten und eindeutigsten Ausdruck bzw. den Eigennamen zu verwenden.

Wappenbilderordnung

Ein gestürztes Wappen als Hinweis auf das Aussterben des Geschlechts derer von Hailfingen in der Klosterkirche Bebenhausen

Gestürzt, nach unten gerichtet, hängend, sinkend, gesenkt wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt VI. Art der Darstellung der Einzelfigur unter der Nr. -659 aufgenommen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 245.
  2. Vgl. Sacken, Eduard Freiherr von: Katechismus der Heraldik. Grundzüge der Wappenkunde. Leipzig. 1893. S. 21.
  3. Seite „Gestürzt“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. Oktober 2012, 18:38 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gest%C3%BCrzt&oldid=109881203 (Abgerufen: 31. Oktober 2012, 15:51 UTC)