Lilienhaspel

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Glevenrad/Lilienhaspel
(gemäß WBO, Nr. 9419)
In Rot ein silberner Herzschild, das Feld überdeckt von einer goldenen, achtstrahligen Lilienhaspel (Herzogtum Kleve)

Die Ausdrücke Lilienhaspel, Lilienzepterstern, Lilienzepterrad, Glevenhaspel, Glevenzepterstern, Glevenrad, Kleverad, Zepterrad, Karfunkel, Karfunkelstern, Karfunkelrad (frz.: rais d'escarboucle; engl.: escarbuncle, carbuncle, chabocle) oder ähnlich bezeichnen in der Heraldik

Geschichte

Buckel und Buckelreis

Der Schildbuckel („Umbo“) ist eine metallene (evtl. auch hölzerne) Kalotte, welche auf der Vorderseite eines Kampfschildes aufgenagelt ist. Neben anderen Funktionen (Schildzier, Ziel beim Speerkampf) dient er gemeinsam mit dem Buckelreis - das sind die vom „Buckelhaus“ radial ausgehende gleven-/lilienendigen Metallstäbe oder Metallverstrebungen - der Verstärkung/Stabilisierung eines Schildes. Schildbuckel und Buckelreis haben nach Hohenlohe und Seyler bis ins 13. Jahrhundert keine heraldische Bedeutung. Sie waren kein wappenmäßiges Bild, gleichwohl teilweise als ornamentale Zier geschmiedet.[1] Als Beleg für dieses Forschungsergebnis wird unter anderem der Grabstein des Minnesängers Graf Albrecht von Haigerloch und HohenbergW-Logo.png angeführt, der am 17. April 1298 verstarb. Auf seinem Grabstein erscheint der wirkliche Kampfschild mit einem Schildbuckel, aus dem deutlich 6 (metallene) Lilienstäbe hervorgehen. Beide haben nichts mit dem heraldischen Wappenschild und dem bekannten Wappenmotiv, der Silber-Rot Teilung, zu tun. Auch später ersetzte das Buckelreis des Kampfschilds nie im Hohenberg'schen Wappen das eigentliche Wappenmotiv, die Teilung, sondern spielte in der weiteren Geschichte des Familienwappens keine Rolle.

Im Cleve'schen Wappen war es ganz anders: Um 1200 war das ursprüngliche Wappenbild ein Löwe (Heinsberger Wappenbild); außerdem führte die Familie ein Heroldsbild: ein silbernes Schildchen im roten Felde; Seyler belegt, daß im 13. Jahrhundert Glevenrad/Lilienhaspel nicht zum Cleve'schen Wappen gehörig waren, sondern nur als Schildverstärkung erscheinen. Erst im 14. Jahrhundert wird durch sphragistische Fixierung der haspelförmige Beschlag mit mittig gelegtem silbernen Schildchen ein wappenmäßiges Bild des gräflichen Wappens. Derivate des Cleve-Wappens referenzieren in der Folge gewöhnlich auf die Lilienhaspel, nicht mehr oder nur noch selten auf den Löwen oder das silberne Schildchen.

Darstellung

Lilienzepter-/Glevenrad
 
(gemäß Siebmacher)
 
(gemäß Siebmacher)

Die gemeine Figur Lilien-/Glevenhaspel ist aus mehreren Elementen aufgebaut. Gewöhnlich besteht sie ..

  • aus einem zentralen Ring von geringem Durchmesser (in Anlehnung an den Schildbuckel der früheren Kampfschilde); in der Regel liegt der Ring in der Schild-/Feldmitte eines Wappens („Mittelringlein“).
  • Das Innere des Rings beziehungsweise die Nabe kann „leer/offen“ sein, so daß die Schild-/Feldfarbe oder die darunterliegenden Figur erscheint. Die französische Bezeichnung escarboucle beschreibt die geschmückte Form des Glevenrades. Hier war mittig ein Karfunkelstein als Schmuck eingesetzt. Es ist zu melden, wenn das runde Innere mit einem Zierstein in anderer Tinktur belegt ist oder eine ganze Figur (zum Beispiel ein „Schildchen“) über oder unter dem Ring liegt.
  • Gewöhnlich sind aus dem Ring acht Stäbe in gleichmäßigen Abständen radial zum Schildrand ausgezogen.
  • Die Stäbe gehen an ihren Enden entweder mit Glevenspitzen (=„Oberteil der Stangenwaffe Gleve“) oder mit heraldischen Lilien oder mit Gleven (=„heraldische Lilien ohne Unterteil“) aus; in der heraldischen Literatur werden die so ausgehenden acht Stäbe auch als acht Lilienzepter/Glevenzepter bestimmt.

„Von Figur 65. der Glefenspitze ausgehend, würde Figur 68., eine aus acht Glefen (Glefenzeptern) bestehendes Rad, Glefenrad benannt werden.
Glevenrad (Tafel XXX. Figur 90.): ein aus 8 Glevenstäben gebildetes Rad (ohne Felgen), in der Mitte mit grünen Smaragdgestein führt das Herzogtum Cleve als redendes Wappen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Varianten

Weniger/mehr als acht Gleven-/Lilienstäbe

Weicht die Anzahl der Gleven-/Lilienstäbe von acht ab, ist dies zu melden.

Unter-/Oberhalbe Lilien-/Glevehaspel

In einigen Wappen erscheint die Lilien-/Glevehaspel nicht vollständig, sondern wird als unter- beziehungsweise oberhalbe Lilien-/Glevehaspel dargestellt.

Bedeckte/belegte Lilien-/Glevehaspel

In einigen Wappen wird die Mitte der Lilien-/Glevenhaspel mit anderen Wappenfiguren belegt/bedeckt.

Ornamentale Abwandlungen

Durch eine weitere heraldische Farbe hervorgehobene Kugeln, Querbänder oder ähnliche, zusätzliche oder ersatzweise ornamentale Verzierungen an den Stäben oder am zentralen Ring sollten gemeldet werden, wenn durch sie die Lilien-/Glevenhaspel signifikant verändert wird. Zum Beispiel erscheinen in einigen Wappen keine heraldischen Lilien an den Stäben, sondern Kugeln.

Gleven-/Lilienkranz

Der Glevenkranz ist eine Abwandlung der Figur Lilien-/Glevenhaspel. Im Unterschied zur Figur Lilien-/Glevenhaspel ist das Zentrum des Glevenkranzes nicht notwendig „ringförmig“ als Nabe ausgeführt (in Ahnlehnung an den Buckel und das Buckelreis auf den ehemaligen Schilden), sondern zum Beispiel sechseckig, achteckig oder ähnliches (die genaue Ausprägung sollte gemeldet werden). Außerdem sind beim Glevenkranz die (geraden) Stäbe gewöhnlich „kranzförmig“ und ornamental umgeformt, so daß sie als ehemalige metallene Schildstäbe nicht mehr erkennbar sind.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Lilien-/Glevenhaspel Lilienzepterstern, Glevenrad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Besondere Motive: Glevenrad und Karfunkel

Einzelnachweise

  1. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 85 bis 89.
  2. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. S. 122 und S. 145