Mjölnir (Heraldik)

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In der Früh-/Blütezeit des Wappenwesens sind Mjölnirfiguren nicht gebräuchlich.
Mjölnir/Thorshammer (hammerartig)
 
800–1050: Thor mit seinem Hammer „Mjölnir“ auf dem Runenstein von AltunaW-Logo.png (U 1161; Detailabbildung)[1]
 
Im Wappen von TorsåsW-Logo.png
(vgl.: Torsås kommunvapenArmoiries Suède moderne.svg)
1100: Vermutlich Thor mit dem Thorshammer (nach einem Teppich in der Kirche von Skog)
1872: Thor mit Mjölnir im Kampf gegen Riesen (nach Mårten Eskil WingeW-Logo.png)

Die Wappenfigur Mjölnir (auch Thors Hammer, Thorshammer, Thors Keule, Thors Klopfer, Donars Hammer oder ähnlich genannt; französisch mjöllnir oder marteau de thor; englisch mjöllnir oder mjölner; schwedischW-Logo.png mjölner; norwegischW-Logo.png mjølner; färöisch mjølnir; dänischW-Logo.png mjølne; von altnordisch mjølner, = „Zermalmer, Blitz, glänzende Bltzwaffe“; aus der proto-germanischen Wurzel melwą: zermalmen, zerschlagen, pulverisieren [2][3]) ist in der neueren Heraldik eine seltene gemeine Figur, die hauptsächlich in zwei Ausprägungen erscheint:

  • als hammerartiger Mjölnir
  • als amulettartiger Mjölnir

Darstellung

Mjölnir (hammerartig)

In einem Wappen ist die gemeine Figur Thorshammer gewöhnlich einem besonderen Hammer mit einem kurz, spitz zulaufenden Griff und einem fünfeckig ausgedehnten Hammerkopf mit zwei gleichgestalteten Schlägflächen („Bahnen“) nachempfunden. Ob die Bahnen des Hammerkopfes rund (■), gerade |■|, nach oben oder unten abgeschrägt /■\ bzw. \■/ respektive gleich oder unterschiedlich erscheinen, obliegt gewöhnlich der künstlerischen Freiheit des aufreißenden Wappenkünstlers, wenn eine konkrete Darstellungsweise der Bahnen nicht explizit gemeldet wird.

Aus dem heraldischen Motiv können Blitze, Flammen oder beides hervorbrechen, was zu melden ist. Die Figur lehnt sich zwanglos an überlieferte Darstellungen des fiktiven mythologischen Hammers „Mjölnir“ an, der das ikonographische Attribut des germannischen Donnergottes Thor ist, mit dem er Blitze zur Erde schleudert (cave: nicht an einen historischen KriegshammerW-Logo.png, wie manchmal in der Literatur kolportiert wird, der eine andere Form aufweist). Ist das Griffende der Figur zu einer Art Querbalken, Sockel oder kugelrund ausgedehnt respektive als Vogel-, Menschen-, Wolfskopf oder in einer anderen Form besonders gestaltet, sollte dies gemeldet werden.

Der Thorshammer wird in unterschiedlichen Positionen (pfahlweise, balkenweise, schrägrechts, schräglinks und so weiter), meist in Einzahl und in allen heraldischen Tingierungen abgebildet (bevorzugt in Silber oder Gold, aber auch in Rot oder Blau, seltener oder gar nicht in Schwarz oder Grün). Teilweise wird die Thorshammerfigur mit anderen gemeinen Figuren kombiniert. Beispielsweise kann sie zusammen mit einem Arm erscheinen, dessen Hand den Thorshammer hält (vgl. den inoffiziellen Wappenaufriss von Tórshavn, was „Thors Hafen“ bedeutet).

Mjölnir als Heroldsbild

T-förmiges Heroldsbild, das auf Mjölnir re­fe­ren­ziert (Thorsby, AlabamaW-Logo en.png)

Am 19. Oktober 2009 nahm Thorsby, AlabamaW-Logo en.png offiziell ein Wappen mit einem „T“-förmig, zur Mitte des oberen Schildrands zugespitzt ausgezogenem Heroldsbild an, das unten von zwei Pfirsichen begleitet wird. Das Heroldsbild steht in dem Wappen einerseits für Thors Hammer „Mjölnir“, andererseits für den Anfangsbuchstaben der Stadt. Das Wappen wurde von Thomas Falk, jahrelang Mitglied de Svenska Heraldiska Föreningen, entworfen. Thorsby wurde von skandinavischen Einwanderern gegründet, daher spielen die Farben in den Wappen auf Schweden an und die Pfirsiche auf die lokale Landwirtschaft. In der heraldischen Kunstsprache des deutschsprachigen Kulturraums könnte man das Heroldsbild vermutlich als „durchgehendes Hochkreuz ansprechen, „dessen oberer Arm rund zu einem Dorn ausgezogen ist“ (oder ähnlich).

Mjölnir (amulettartig)

Mjölnir/Thorshammer (amulettartig)
 
Historischer Amulettschmuck (Slottsmöllan)
 
mit neben­einander­ste­hen­den, nach der Figur ge­leg­ten Punkten; (aufrecht) schrägrechts gestellt
(Wappen von TaarstedtW-Logo.png, =„Stätte des Thor“)[4]
Mjölniramulett mit Da­mas­zierung und Ringansatz (TurretotW-Logo.png)

Erscheint in einem Wappen eine Mjölnirfigur mit einer Öse für eine Kette oder mit einer ornamentalen „Damaszierung“ aus sich wiederholenden Kreisen, Linien, Runen, abstrakten Mustern oder ähnlichem, die womöglich bis zum Ende des Hammerstiels reichen, so ist die heraldische Thorshammerfigur in erster Linie nicht einem „Hammer“ nachempfunden, sondern einem schmückenden Amulettanhänger („Mjölnir-Amulett), wie es seit dem 9. und 10. Jahrhundert (vermutlich noch früher) in den verschiedensten Formen und Ausprägungen mit einer Kette um den Hals getragen wurde und wird.

Allgemein besitzen ornamentale Damaszierungen im Wappenwesen nur dekorativen Charakter und werden in Wappenbeschreibungen nicht erwähnt. Im Falle von Mjölnir-Amuletten stellen die sich darauf befindenden Muster, Runen, Ornamente etc. jedoch ein wesentliches Merkmal der Figur dar. Sie sollten daher explizit Bestandteil der Blasonierung sein (Ausnahme von der Regel), so dass Verwechslungen zwischen einer hammerartigen und einer amulettartigen Mjölnirfigur möglichst vermieden werden können.

Hammerartige versus amulettartige Mjölnirfigur
Eine Mjölnirfigur, die in einem weiten Sinn dem Werkzeug/der Waffe „Hammer“ nachempfunden ist, ist gewöhnlich nicht mit einem Ornament aus sich wiederholenden Kreisen, Linien, abstrakten Mustern oder ähnlichem verziert und wird im Wappenwesen ohne Öse für eine Kette aufgerissen. Sie wird im Schild in der Normalform aufrecht (stehend) dargestellt (der Hammerkopf befindet sich oben, der Stiel unten); eine amulettartige wird dagegen in der Normalform gestürzt dargestellt, das heißt, der hammerkopfartige Teil ist zum unteren Schildrand gerichtet, der „Stiel“ mit der Öse für die Kette zum oberen).

Paraheraldik

Mjölnirfiguren sind in der Paraheraldik als Logos, als Schiffswappen oder ähnliches gebräuchlich. Beispielsweise wurden sie in der schwedischen Seefahrt für die Patrouillenboote HMS Mode (P154)Armoiries Suède moderne.svg und HMS Mjölner (P157)Armoiries Suède moderne.svg und für die TorArmoiries Suède moderne.svg genutzt.

Wappenbilderordnung

Beim Verfassen des Beitrags ist nicht bekannt, ob die Figur Mjölnir in die aktuelle Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) aufgenommen wurde. In der Wappenbilderordnung (1990-1996) ist sie nicht gelistet.[5]

Symbolik

Thorshammer als neuzeitlicher Schmuck

Außerhalb der Heraldik ist der Thorshammer ein

„(..) segenspendendes Symbol, das etwa Eheschließungen (Verheiratung) sanktioniert. Ebenso tritt er als Amulettanhänger oder als Grabbild auf, um böse Kräfte abzuschrecken. Er erinnert formal an das T-förmige »Tau-Kreuz« im spätantiken Ägypten.“

Lexikon der Symbole (1989/1994/1998)[6]

Mjölnir-Amulette erscheinen heute in vielen Formen, sowohl als originalgetreue ReplikenW-Logo.png als auch als fantasievolle Neuschöpfungen. Insbesondere in Skandinavien und Norddeutschland werden Thorshämmer als reiner Schmuck ohne religiösen oder ideologischenW-Logo.png Symbolgehalt getragen (abgesehen von einer Verbundenheit mit nordischer bzw. skandinavischer Kultur und Geschichte und Interesse an der Wikingerzeit).[7]

Religiöses Funeralzeichen

Im Mai 2013 nahm das Kriegsveteranenministerium der Vereinigten StaatenW-Logo.png den „Hammer von Thor“ unter der Nummer „USVA emblem 55“ in die Gruppe der religiösen EmblemeW-Logo en.png, die Grabsteine auf Soldatenfriedhöfen zieren dürfen, als Symbol für das Germanische NeuheidentumW-Logo.png auf.

Mjölnir im Metal und LARP

„In der MetalszeneW-Logo.png wird dieses Symbol hauptsächlich von Anhängern der Musikrichtungen Pagan MetalW-Logo.png und Viking MetalW-Logo.png getragen und gilt dort als ein positives Symbol innerer Stärke und Tatkraft und als Zeichen der Verbundenheit untereinander. Beliebt ist der Thorshammer außerdem bei Angehörigen der „Schwarzen SzeneW-Logo.png“ und traditionell bei RockernW-Logo.png (Bikern). Auch bei LARPW-Logo.png-Spielern mit Bezug zu Wikingern und Fans der Mittelalter- und MittelalterrockW-Logo.png-Szene ist der Thorshammer ein beliebtes Accessoire. Sie werden zudem von Anhängern des AsatruW-Logo.png (germanisches NeuheidentumW-Logo.png) ebenfalls als Zeichen ihres Glaubens getragen.“

Deutschsprachige Wikipedia (2018)[7]

Mjölnir als politisches Symbol

„Der Thorshammer wurde von der um 1880 entstandenen Völkischen BewegungW-Logo.png als Abzeichen verwendet, wurde aber 1910 zunehmend vom Hakenkreuz abgelöst. In jüngerer Zeit wurde der Hammer als legal verwendbares germanisches Symbol von der rechtsextremen SzeneW-Logo.png wiederentdeckt. Aus diesem Grunde wird er immer häufiger auch in Listen rechtsextremer Symbole und ZeichenW-Logo.png geführt. Aufgrund seiner Beliebtheit auch bei Personen, die nicht der rechten Szene angehören, und weil ihm ein unmittelbarer Bezug zur NS-Zeit fehlt, weil er nicht als offizielles Zeichen der NS-Regierung oder irgendeines ihrer Organe geführt wurde, kann der Thorshammer für sich genommen allerdings nicht als rechtsextremes Erkennungsmerkmal gelten. „Mjölnir“ war auch der Künstlername des Reichsbeauftragten für Künstlerische Formgebung Hans Herbert SchweitzerW-Logo.png, eines bekannten Grafikers aus der Zeit des Dritten Reichs.“

Deutschsprachige Wikipedia (2018)[7]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Mjölnir in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Harry Eilenstein: Der Donnergott Thor. Die Götter der Germanen. Band 17. 2011/2017. ISBN 374312551X. S. 198 ff.

Einzelnachweise

  1. Eintrag des Altunastein im Onlineregister des schwedischen Riksantikvarieämbetet
  2. melwą: zermalmen, zerschlagen, pulverisieren. Reconstruction:Proto-Germanic/melwą
  3. Jackson Crawford: The Poetic Edda: Stories of the Norse Gods and Heroes, S. 36–39, ISBN 978-1-62466-356-7
  4. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  5. Vgl. Jürgen Arndt und Werner Seeger (Bearbeiter): Wappenbilderordnung. Symbolorum armorialium ordo. Zit.: WBO - General-Index. Hrsg.: Herold, Verein für Heraldik Genealogie und verwandte Wissenschaften (= J. Siebmachers Großes Wappenbuch. B). Band II. Bauer & Raspe, Inh. Manfred Dreiss, Neustadt an der Aisch 1990, ISBN 3-87947-100-2 (393 S., zugleich Neubearbeitung des Handbuchs der heraldischen Terminologie von Maximilian Gritzner; Einleitungsband, Abt. B des Neuen Siebmacherschen Wappenbuches, Nürnberg, 1890).
  6. Lemma: Hammer. In: Lexikon der Symbole. Berlin. 1989/1994/1998. S. 441 (vgl. LdS, S. 177-178)
  7. 7,0 7,1 7,2 Seite „Mjölnir“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. Oktober 2018, 10:19 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Mj%C3%B6lnir&oldid=181961947 (Abgerufen: 5. November 2018, 01:43 UTC)
  8. Brownlee, John (9. Juli 2013). How Thor's Hammer Made Its Way Onto Soldiers' Headstones (Englisch). Fast Company Design. Abgerufen am 3. November 2018.
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