Rad (Heraldik)

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alles dreht sich um das Rad

Das Rad in der Heraldik hat nur eine symbolische Bedeutung.

Eine große Vielfalt dieses Bauteils hat seinen Einzug in die Wappenkunde, der Heraldik gefunden. Hier wird das Rad zur gemeinen Figur gerechnet. Damit ist seine Wappendarstellung auch in der Tingierung, der heraldischen Farbgebung, festgelegt und kann in Farbe wie auch in Metall gezeigt werden. Historisch war das Rad vor dem Wagen im Gebrauch und deshalb wird es auch bevorzugt vor dem Wagen in der Wappenkunde.

Felgen im Wappen von Artern

Mit dem Rad ist das Regieren verbunden. Neuzeitliche Sprichwörter oder bestimmte Wortverbindungen weisen darauf hin: Das Rad der Geschichte drehen; das Rad rumreißen, Steuer(rad) in die Hand nehmen.

Selbst die Anzahl der Speichen gibt die Gedanken der Wappenwahl preis. Räder mit 8 oder 12 Speichen werden als Glücksrad angesehen. Sieben Speichen sollte immer das Richtrad haben. Die Speiche entspricht vom Kreis umschlossene Hagelrune als altes germanisches Abwehrsymbol. Das Radkreuz selbst ist ein Sühnekreuz in Form eines antiken Scheibenrades. Eine Verlängerung der Arme ist möglich und dann kommt die Form dem Keltenkreuz nahe. Dann hat es natürlich nichts mehr mit dem Rad zu tun. Felgenlose Räder lassen sich zu den Windrädern zählen.

Radkreuz im Aukrug-Wappen

Durch die Darstellung von Radteilen sind die Zuordnungen nicht immer sicher. Die Beschreibung des Wappens kann es klären. Beispiel ist das Wappen von Arten. Zwei gebogene Felgenstücke sind im Wappen.

Vielfalt

Im Oberwappen kann es gelegentlich von zwei gestreckten Armen gehalten werden.

Die Vielfalt des Rades in Form und Gebrauch macht auch in der Heraldik eine Gruppierung notwendig, um eine Übersichtlichkeit der sogenannten Wappenräder zu erzielen:

  • Das wohl bekannteste Rad ist das Mainzer Rad. Mit langer Geschichte und relativ großer Verbreitung hat dieses Rad mit Eigenname geschafft, dass die Beschreibung (Blasonierung) fast auf die Nennung Mainzer Rad reduziert werden kann und jeder Wappenkundige kennt Form und Farbe. Es stellt eigentlich eine Achse mit zwei Rädern dar.
    HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Mainzer Rad
  • Für das alte Mühlenhandwerk ist häufig der Mühlstein und das Windrad symbolisch in Wappen zu finden, da die weite Verbreitung von Mühlen und die Wichtigkeit in der Versorgung eine zentrale Rolle für eine Gemeinde spielte. Stilisiert wird das Mühleisen gerne genommen, da es durch die Schlichtheit alles Notwendige zum Ausdruck bringt. Auch das herausragende Bauwerk (Mühle) in der nahen Dorfumgebung machte es zum Sichtpunkt aus großen Entfernungen und war somit Orientierung. Die Windmühlenflügel sind schragenförmig im Wappenschild. Die Nutzung der Wasserkraft im industriellen Aufstieg veranlasste viele Gemeinden, ihren Fortschritt und erworbenen Reichtum durch ein Wasserrad im Wappen zu dokumentieren. Diese Räder sind häufig in Wappen und bei Wasserrädern lässt sich zusätzlich eine Flussnähe zeigen.
    HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Mühle (Heraldik)
  • Weiterhin sind die Steuerräder von großen und kleinen Schiffen zu nennen. Hier steht das Rad für Schifffahrt und Hafen. Steuerräder kommen gehäuft in Wappen von Küstenstädten und Städte großer Binnenhäfen vor. Sie werden zur besseren Zuordnung meistens mit einem Anker belegt.
  • Eine schreckliche Geschichte hat das Richtrad. Das Folterwerkzeug gelangte ins Wappen, da es nicht nur Gerichtsbarkeitssymbol, sondern auch Heiligenattribut ist. Das Richtrad und Schwert sind verbunden mit dem Schicksal der Heiligen Katharina als Märtyrin. Als Anlass, ein Richtrad im Wappen zu führen, wird der Bezug Richtrad und Gerichtsbarkeit oder Richtrad und Heilige gesehen.
    HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Richtrad
  • Mit der Industrialisierung gelangen immer mehr moderne Zeichen in die Wappen. Das Zahnrad ist ein besonderes Rad und gehört immer häufiger zu den verwendeten gemeinen Figuren. Als es in vielen Wappen auch als besonderes politisches Zeichen genutzt wurde, war eine bedeutende Zunahme zu verzeichnen. Die alten Wappen wurden schnell mit einem Zahnrad versehen oder es wurden neue Wappen geschaffen. In russischen Wappen des Einzugsgebietes „Sowjetunion“ ist es ausgeprägt. Schade an diesen radikalen Wappenänderungen ist der Verlust an historisch gewachsener Heraldik.
    HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Zahnrad (Heraldik)
  • Nicht nur Schlägel und Eisen zieren Wappen aus Bergbauregionen, es wird auch der Förderturm mit dem hervorstechenden Förderrad für Wappenbilder genutzt. Es ist nicht die feine Heraldik, ein ganzes Bauungetüm ins Feld zustellen, aber die neue Zeit und der moderne Zweck (Werbung) machen es möglich.
  • Die einfachen Wagenräder sind nur dann von Bedeutung, wenn Handel oder der Wagenbau dokumentiert werden soll. Ein Rad kann symbolisch für eine Kutsche oder sonst ein Gefährt stehen. Die Einfachheit wird der komplizierten Wagendarstellung vorgezogen. Ein solches Rad im Wappen zeugt wie das Zahnrad von Industrialisierung. Nicht alle Räder werden vollständig dargestellt. Man legt wert auf die Anzahl der Speichen. Diese Zahl verkörpert oft eine Ortsgeschichte besonderer Art. Im Wappen von Radeberg ist die Speichenzahl sieben und im Halbrad bereits nach 1513 gebräuchlich. Mit drei Speichen ist bereits seit 1233 in Siegeln und Wappen. Zwischendurch wurden auch sechs von 1663 bis 1699 verwendet und eine Geschichte zur Wappenbegründung geschrieben. Das Wappenrad mit dem Schwert lässt eine Verbindung zum Richtrad erkennen. Die Wappenbesserung durch den Löwen geht auf den Landesherren Herzog Georg von Sachsen zurück. Der Wappenbrief vom 21. Dezember 1507 erlaubte das.

Flügelrad

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Flügelrad (Heraldik)
  • Ein Flügelrad ist eine Darstellung mit seitlich entlang der Radnabe angebrachten Flügeln. Häufig findet es sich im Logo alter Eisenbahngesellschaften.

Namen die mit Rädern verbunden sind

Zu den Namenspatronen der Räder zählen:

Liste fünfspeichiger Räder

  • silbernes Rad in Schwarz

Amstetten (Württemberg), Dörzbach, Herren von Berlichingen,Neckarzimmern, Illesheim, Jagsthausen, Wallhausen

  • schwarzes Rad in Silber

Ravenstein,

  • silbernes Rad in Rot

Seckach

  • goldenes Rad in Schwarz

Syberg (Adelsgeschlecht), Friedrich Matthias von Syberg

  • goldenes Rad in Grün

Dissen am Teutoburger Wald

Liste siebenspeichiger Räder

  • silbernes Rad in Rot

Tauberbischofsheim

  • silbernes Rad in Blau

Wittighausen

  • schwarzes Rad in Silber

Malberg (Westerwald)

Liste achtspeichiger Räder

  • zwei schwarze Räder in Silber

Julbach (Oberösterreich)

  • ein goldenes Rad in Grün

Oberraden

  • ein silbernes Rad in Blau

Möglingen

  • ein rotes Rad in Blau

Bischheim (Donnersberg)

Liste elfspeichiger Räder

Siehe auch

 Commons: Rad in der Heraldik – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Rad_(Heraldik)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 30.Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.