Stab (Heraldik)

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Stab (Heroldsbild)
 
1/7 der Schildbreite
 
1/6 der Schildbreite
Stab (gemeine Figur)
 
 
Rechthand mit silbernen Stab (Mähringen)

Der Stab (althochdeutsch: „der Stützende, steif Machende“) ist in der Heraldik

Stab als Heroldsbild

Das Heroldsbild Stab (auch Stabpfahl, Pfahlfaden, Rute, Stock genannt; frz.: vergette; engl.: endorse) leitet sich vom Pfahl ab. Genau wie ein Pfahl erscheint eine Stab, indem man sich zwei parallellaufende senkrechte Begrenzungslinien von Rand zu Rand denkt, die ein Feld oder ein Wappenschild in drei Flächen aufteilen. Die rechte und die linke Fläche besitzen zwingend die gleiche heraldische Farbe, die sich von jener des eigentlichen Stabes unterscheidet. Wenn rechts und links der Teilungslinien nicht die gleichen Farben verwendet werden, spricht man nicht von einem „Stab“, sondern von „Spaltung“.

Die Begrenzungslinien eines Stabes stehen eng beieinander. Ein Stab erscheint insgesamt schmaler als der Pfahl. Er wird allgemein mit etwa der Breite von der Hälfte eines Pfahles dargestellt beziehungsweise hat eine Breite von etwa 1/7 bis 1/6 der Schildbreite.

Diese Angaben sind kein heraldisches Dogma, sondern eine Empfehlung. Je nach Wappen und Wappendarstellung und Kontext, kann die Stabbreite leicht variieren, wenn dies dem Gesamteindruck des Wappens förderlich ist. Erscheinen mehrere Stäbe im Schildbild werden die Breiten entsprechend angepaßt.

Grundsätzlich spricht man bei der Darstellung von mehr als 4 „Pfählen“ auf einem Schild von Stäben, da die Pfähle in diesem Fall „verkleinert" bzw. „schmaler“ als normal erscheinen.

Siebmacher

Staab (Tafel II. Figur 94.; absichtlich mit 2 a geschrieben, zur Unterscheidung vom Stabe) ist ein auf die Hälfte seiner natürlichen Breite (also reduzierter Pfahl (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Ausprägungen des Heroldsbildes Stab

Ist der Verlauf eines Stabes diagonal in der Fläche, wird er als Schrägleiste bezeichnet. Es wird die Richtung "Schräglinks-" mit angegeben, wenn der Verlauf von vorn unten nach hinten oben ist. Bei entgegengesetzter Richtung ist die Angabe nicht erforderlich.

Stab als gemeine Figur

Der (unbestimmte) Stab (auch Stecken, Stock, Knüppel, Prügel oder anders genannt; frz.: bâton, indéterminé; engl.: staff, indefinite) ist in der Heraldik eine mehr oder weniger eigenständige gemeine Figur, deren Darstellung an den gleichnamigen länglichen massiven zylindrischen, meist auch handhabbaren Gegenstand angelehnt ist.

Oft ergibt sich nur aus dem Kontext, in welcher Form ein unbesimmter Stab im Wappen erscheint. Wird er beispielsweise als Nebenmotiv in der Hand einer anderen gemeinen Figur gehalten, ist er meist als eine Art „Wanderstab“, „Hirtenstab“, „Pilgerstab“, „Holzstock“ oder ähnliches ausgeführt. Steht ein unbestimmter Stab dagegen solitär oder gekreuzt mit einem zweiten im Wappen, ist er teilweise als eine Art „Richterstab“ („über jemand die Stäbe brechen“) oder ähnliches auszuführen. Es empfiehlt sich, die unbestimmte Bezeichnung „Stab“ für eine gemeine Figur in der Wappenbeschreibung nicht zu verwenden. Statt dessen sollte man den spezifischen Eigennamen eines Stabes angeben oder sein Aussehen möglichst genau melden, damit Verwechslungen weitgehend ausgeschlossen sind.

Wappenbilderordnung

  • Das Heroldsbild Stab wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 0121 aufgenommen.
  • Die gemeine Figur (unbestimmter) Stab wurde in die Wappenbilderordnung des Herold (Verein) unter der Nr. 9840 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

  • Wiktionary Wiktionary: Stab – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • StabW-Logo.png, (Wikipedia)

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Wappenbeschreibung: „In Rot ein goldener Pfahl, vorne eine nimbierte silberne Taube, hinten der silberne Doppelbuchstabe R. “
  3. Wappenbeschreibung: „Unter silbernem mit blauem Wellenbalken belegten Schildhaupt grüner, mit silbernem Stab gespaltener Schild; vorne goldenes Eichenblatt mit zwei Eicheln, hinten goldene Sichel.“
  4. Wappenbeschreibung: „In Gold ein blauer Stab; vorn ein rückschauender, rot bewehrter und rot gezungter schwarzer Lindwurm; hinten zwischen zwei grünen Kleeblättern eine grüne Weizenähre.“
  5. Wappenbeschreibung: „Von Grün und Gold schräggeviert; Feld 1: ein goldenes Siebenblatt, Feld 2 und 3: ein blauer Wellenstab, Feld 4: über einem goldenen Boden ein goldenes Kastanienblatt.“
  6. Wappenbeschreibung: „Von Gold und Blau geteilt, darauf ein aufrechter, kurzer, oben und unten mit einem Knauf abschließender, in der Mitte sich verdickender Stab in verwechselten Farben.“
  7. Wappenbeschreibung: „In Gold zwei schräg gekreuzte rote Stäbe, bewinkelt von vier roten Rosen mit goldenem Butzen und grünen Kelchblättern“
  8. Wappenbeschreibung: „In Silber über zwei schräg gekreuzten roten Stäben schwebend ein halber roter Adler mit goldenem Schnabel.“
  9. Wappenbeschreibung: „In Blau zwei pfahlweis gestellte silberne Stäbe mit Blattbüscheln. “
  10. Wappenbeschreibung: „In Silber, beiderseits begleitet von je drei blauen, zueinander gekehrten Heringen, der heilige Christophorus in Vorderansicht, barhaupt, mit rotem Mantel und silbernem Bart, die nackten Beine in abwechselnd blauen und silbernen Wellen verschwindend, in der rechten Hand einen astförmigen, naturfarbenen Stab, mit der linken den Jesusknaben, der die rechte Hand segnend erhebt, und mit der linken die Weltkugel in Gold auf seinem linken Knie umfasst, auf seinen Schultern haltend. “
  11. Wappenbeschreibung: „In Blau ein silberner Mann mit schwarzem Hut und Gürtel und schwarzen Stiefeln, in der Rechten ein silberner, auf den Boden gestellter Stab, die Linke in der Hüfte gestützt; in den Flanken in Silber je eine grüne Waidpflanze.“
  12. Wappenbeschreibung: „In Silber ein nimbierter Heiliger im blauen Mantel, in der Rechten ein erhobenes silbernes Messer. in der Linken einen Stab haltend; zu seinen Füßen ein schwarzer Schild, darin ein schrägrechts gestellter goldener Ast mit drei goldenen Ahornblättern.“