Fuchs (Wappentier)

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1450-1480: In Gold ein aufspringender roter Fuchs
(Wappen Fuchs von WalbachW-Logo.png, nach Scheibler'schen Wappenbuch)
um 1480: In Silber ein aufrechter roter Fuchs
(Wappen der Fuchs von FuchsbergW-Logo.png, nach Grünenbergs Wappenbuch)
1450-1480: In Silber ein springender roter Fuchs
(Wappen der Fuchs von FuchsbergW-Logo.png, nach Scheibler'schen Wappenbuch)
Rotfuchs (Vulpes vulpes)
Rechts oben: Wappen von Fuchs

Der Fuchs (frz.: renard; engl.: fox) ist in der Heraldik ein Wappentier beziehungsweise eine gemeine Figur.

Darstellung

Die gemeine Figur Fuchs ist heraldisch stilisiert dem natürlichen RotfuchsW-Logo.png (Vulpes vulpes) nachempfunden. Sie ist kein gebräuchliches Motiv des frühen Wappenwesens beziehungsweise spielt in der mittelalterlichen Heraldik eine eher bescheidene Rolle. In Bedeutung und Anzahl rangiert die Fuchsfigur weit hinter anderen traditionellen, heimischen Wappentieren (Bär, Wolf, Eber, Hirsch, Steinbock, Rabe, Schwan, Pferd), die aber ebenfalls alle in der frühesten heraldischen Epoche nur selten im Wappen erscheinen, wenn man ihre Anzahl mit anderen exotischen oder „majestätischen“ Figuren (Löwe, Adler et cetera) vergleicht. Im 13. Jahrhundert erscheint nach Gustav Adelbert Seyler der Fuchs als Nebenfigur in einem Siegel der Familie Voss:

„Reiner Voss, Pfarrer zu Dukow (Mecklenburg) führt 1284 ein spitzovales Siegel, darin der Erzengel Michael den Drachen besiegend, mit der linken einen Schild (darin ein Fuchs, redendes Wappen) haltend. Umschrift: S. Reyneri. Plebani. De Ducouwe“

Gustav Adelbert Seyler (1885-1890)[1]

In der neuern Heraldik erscheint der Fuchs in vielen heraldischen Stellungen (aufrecht, schreitend, laufend, stehend, (auf-)springend, sitzend). Oft wird die Figur Fuchs, dem natürlichen Vorbild angenähert, in Rot tingiert, doch findet man sie in Wappen auch in allen anderen heraldischen Farben (Silbern/Weiß, Schwarz, Golden/Gelb, Blau, Grün) oder in Naturfarbe. Der Schwanz (Rute) wird besonders buschig gezeigt und in einigen Abbildungen die Spitze als geweißt. Abweichende Farbgebung der Bewehrung ist nicht gebräuchlich.

Viele andere Namen hat der Fuchs. Das reicht von Voß in der niederdeutschen Sprache als Wort für Fuchs bis zum Fabelnamen Reinicke. Das Wappen des Bezirks ReinickendorfW-Logo.png in Berlin ist redend mit Reinicke oder das Wappen von VoßwinkelW-Logo.png in ArnsbergW-Logo.png mit Voß.

Fuchs (Tafel XV. Figur 37. bis 42.): Bestimmt sind Füchse die Wappenthiere der von Voss, von Reineck (Hessen-Nassau), von Bobenhausen eine Gans raubend (Figur 41.), von Fuchs (Tirol und Franken) und überhaupt immer da, wo der Name „Voss“, „Fuchs“ oder der „Reineke" anklingt. Der Fuchs trägt manchmal eine Gugel, ein Mönch- oder (wie Figur 38.) ein Rittergewand; unseres Erachtens nur als Beizeichen einer jüngeren Linie, obwohl die betroffenen Wappenherrn daran stets eine interessante Historie knüpfen wollen; eine Gans raubt auch der Fuchs oder Wolf im Wappen der von Dresky; ein Hirschgeweih trägt er im Rachen im Wappen der von Brandenstein (Figur 37.), einen abfliegenden Mantel in Figur 40.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Aufrechter Fuchs

Ein „aufrechter/steigender Fuchs“ erscheint im Profil mit zwei angehobenen Vorderbeinen. Die Position der Hinterbeine variiert je nach Zeitgeist und regionalen Gepflogenheiten: der Fuchs kann auf beiden -- weit auseinander gestellten -- Hinterbeinen stehen oder nur auf einem Hinterbein, das Andere zum Kampf erhoben.

Springender Fuchs

Zwei Füchse (ursprünglich Wölfe) im Wappen derer von KleistW-Logo.png

Ein „(auf-)springender Fuchs“ erscheint mit beiden Hinterbeinen -- eng beieinander -- auf dem Boden und den beiden Vorderbeinen -- eng beieinander -- in der Luft. Die Haltung der springenden Figur sollte im Rahmen der Gesamtharmonie eines Wappens gestaltet sein und kann je nach Aufriss von nahezu senkrecht über schräg bis waagerecht gestaltet sein (letzteres beispielsweise, wenn drei Füchse pfahlweise übereinander angeordnet sind).

Schreitender Fuchs

Ein „schreitender Fuchs“ erscheint „gehend“, wobei die gewöhnlich die rechte Vorderpfote (ausnahmsweise die linke) angehoben ist und alle anderen drei auf dem Boden stehen.

Stehender Fuchs

Ein „stehender Fuchs“ erscheint mit allen Vieren (Vorder- und Hinterpfoten) auf dem Boden, wobei die Beine möglichst ausgestreckt und gerade beziehungsweise ohne Knick dargestellt werden.

Sitzender Fuchs

1450-1480: In Silber ein sitzender roter Fuchs (Wappen von Mezenhaußen)

Ein „sitzender Fuchs“ erscheint mit eingeknickter Hüfte auf seinen Hinterbeinen „hockend“, mit den beiden ausgestreckten Vorderbeinen dagegen auf dem Boden stehend.

Fuchs mit Fang

Der Figur Fuchs erscheint in manchen Wappen mit einem erbeuteten Beutefang/-raub im Maul/Rachen.

Fuchskopf

Wenn nicht besonders blasoniert, erscheint ein Fuchskopf im Wappen gewöhnlich im Profil beziehungsweise zum heraldisch rechten Rand sehend; ein dem Betrachter zugewendeter Fuchskopf ist dagegen eine sogenannte „Fuchsmaske“, die im Wappenwesen alternativ als Fuchskopf von vorne, Fuchskopf en face, hersehende Fuchsmaske, Fuchskopf in Visieransicht oder ähnlich beschrieben werden kann. In der Visier-Ansicht scheint die Figur Fuchs die dem Tier nachgesagte Schläue und Listigkeit zu zeigen.

Leipziger Fuchs

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Leipziger Fuchs

Geflügelter Fuchs

Abgrenzung

In Wappen ist durch die heraldische Stilisierung die Figur Fuchs nur schwer oder gar nicht von andere Wappenfiguren -- insbesondere von der Figur Wolf -- zu unterscheiden.

„Der Wolf (..) und (..) der Fuchs (..) sind, besonders in neueren Wappen, schwer zu unterscheiden.“

Otto Titan von Hefner: 1855[3]

„Wolf und Fuchs sind oft schwer zu unterscheiden (..)“

Ralph von Retberg (1873)[4]

„(..) Der Unterschied zwischen Wolf und Fuchs ist sehr schwer zu finden; es geben dabei nur die ältesten Siegel den Ausweis, welches Thier es ursprünglich war (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[2]

Es lassen sich zahlreiche, teilweise gravierende Verwechslungen in einzelnen Wappengeschichten nachweisen. Beispielsweise erscheinen im Wappen der von Kleist ursprünglich nicht zwei Füchse, sondern -- wie von von Mülverstedt 1862 in überzeugender Weise ausführt[5] -- zwei Wölfe. Auch das Wappen von Górowo Iławeckie (dt.: Landsberg, Ostpreußen), das nach einem Siegel aus dem 16. Jahrhundert gestaltet ist und einen roten Fuchs mit silberner Gans im Rachen zeigt, ist eine Fehldeutung: in einem älteren Siegel aus dem 14. Jahrhundert ist nach Hupp und Voßberg dagegen ein stehender Wolf nachweisbar, der ein Lamm in seinem Rachen hält.[6] Teilweise wird die Figur Fuchs auch mit einem Biber oder mit einem Eichhörnchen verwechselt.

„Es ist schon vorgekommen, dass man Füchse und Wölfe für Eichhörner erklärte, letztere sollen aber in der Heraldik nur sitzend, mit erhobenen Wedel und mit den Vorderpfoten nagend abgebildet werden (..)“

Otto Titan von Hefner: 1855[3]

Hefner, von Retberg, Gritzner und von Mülverstedt führen folgende grobe und unverbindliche Unterscheidungsmerkmale zwischen den Figuren Fuchs und Wolf an:[5]

Unterscheidungsmerkmal Vulpes vulpes 1 (Martin Mecnarowski).jpg Figur Fuchs Canis lupus 2 (Martin Mecnarowski).jpg Figur Wolf
Schnauze
  • stumpf, breit[5]
Ohren
  • spitz und steif, nach vorn gerichtet[5]
  • breit und nach hinten liegend[5]
  • mit kürzeren Lauschern als der Fuchs[2]
Läufe/Beine
  • fein, ziemlich dünn[5]
  • breit und kräftig[5]
  • mit größeren Tatzen[2]
Schwanz, Schweif, Lunte
  • rund und glatt behaart, keulenförmig gehoben und hochaufgesetzt, aber auch herabhängend[5]
  • abwärts haltend[3]
  • ab 15. Jhr.: mit abwärts gerichteter Lunte[4]
  • (nicht maßgebend)[2]
  • zottig, mehr nach unten hängend, höchstens gerade aufgesteckt[5]
  • ab 15. Jhr.: mit aufgerichteter Lunte[4]
  • (nicht maßgebend), die des Wolfs struppiger[2]
Bewehrung
  • geschlossener Rachen[3]
  • ohne ausgeschlagene Zunge[5]
  • ab 15. Jhr.: mit geschlossenem Maul[4]
  • mit Zähnen und Krallen[3]
  • Krallen der Füße in sehr prägnanter Ausbildung[5]
  • ab 15. Jhr.: die Zähne und Zunge zeigend[4]
Beute
  • im Allgemeinen ohne Raub[2]
Stellung
  • mehr springend als angreifend[3]
  • aufspringend oder aufgerichtet (rampant)[5]
  • ab 15. Jhr.: mehr rennend[4]
  • Stellung des Löwen[3]
  • bis 1350: Immer stehend, selbst als Helmzier oder schreitend, rennend und auch nur der Rumpf, besonders aber als Helmzier wachsend[4]
  • ab 15. Jhr.: der Wolf in der Haltung des Löwen[5]
  • aufgerichtet oder zum Sprunge erhebend oder laufend[5]
  • sowohl aufrecht, aber auch schreitend[2]
Farbe
  • bis 1350: meistens Braun, seltener Silber/Weiß[4]
  • meist Schwarz, Rot[3]
  • oder Silber/Weiß
Häufigkeit
  • ausnehmend viel geführt[5]

Wappenbilderordnung

Weblink

 Commons: Fuchs in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wappen der Familie Fuchs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wappen der Familie Bobenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wappen der Familie Kleist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wappen der Familie Voß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Ottfried Neubecker: Großes Wappen–Bilder–Lexikon. Verlag Battenberg Gietl, Regenstauf 2008, ISBN 3-86646-038-4.
  • Adolf M. Hildebrandt: Handbuch der Heraldik: Wappenfibel. Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg 2007, ISBN 3-937872-65-5.

Einzelnachweise

  1. Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Heraldik. Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft. In: J. Siebmachers großes Wappenbuch. Band A. Repgrografischer Nachdruck der Ausgabe Nürnberg 1885-1889 (1890). Neustadt an der Aisch. 1970. S. 303
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 83 f.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 3,8 Hefner, Otto Titan von: Grundsätze der Wappenkunst. Nürnberg. 1855. S. 23. Abbildung 112
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 Ralph von Retberg; Adler (Verein) (Hrgs.): Kleine Bemerkungen zur Wappenkunde. In: Heraldisch-genealogische Zeitschrift. III. Jahrgang. Nr. 9. Wien. September 1873. S. 142 f.
  5. 5,00 5,01 5,02 5,03 5,04 5,05 5,06 5,07 5,08 5,09 5,10 5,11 5,12 5,13 5,14 5,15 5,16 5,17 George Adalbert von Mülverstedt (Gustav Adolf Kratz, G.; Quandt, Johann Ludwig; Stettin, Wilhelm; Hrgs. Sigurd von Kleist): Die Wappen des Geschlechts von Kleist. In: Geschichte des Geschlechts von Kleist. Zweiter Teil. Allgemeine Geschichte. 2. Auflage. Bergisch Gladbach. 1862/1873/1887/2007. S. 150 ff.
  6. Otto Hupp: Königreich Preußen. Wappen der Städte, Flecken und Dörfer. Ostpreußen, Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien. Reprint von 1896 und 1898. Entspricht: Heft 1 und Heft 2 von Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer. Hrsg.: Kulturstiftung der deutschen VertriebenenW-Logo.png. Bonn 1985, ISBN 3-88557-035-1, S. 34.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Fuchs_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 14. August 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.