Leopard (Wappentier)

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(Aufrechter) Leopard
 
heraldisch
 
natürlich
(gemäß Siebmacher)
(Schreitender) Leopard
 
heraldisch
 
natürlich
Vorbilder in der bildenden Kunst
 
Pard im Aberdeen BestiaryW-Logo.png (1542)
 
Leopard (Mosaik aus dem 5. Jahrhundert, Beiteddine Palast)

Das Wappentier Leopard ist in der Heraldik eine gemeine Figur, die in zwei Varianten vorkommt, die ihrerseits in unterschiedlichen Ausprägungen erscheinen:

  • (Heraldische/gemeine) Leoparden (frz.: léopard; engl.: lion passant guardant) sind Darstellungen des Fabelwesens PardW-Logo en.png oder des Wappentieres Löwe mit einer spezifischen Körper- beziehungsweise Kopfstellung („hersehend“), die in der heraldischen Literatur nicht durchgehend oder einheitlich als verbindliche Merkmale definiert sind.
  • Natürliche Leoparden (frz.: léopard naturel; engl.: leopard natural) sind stilisierte oder naturalistische Darstellungen eines echten Leoparden (Panthera pardusW-Logo.png).

Darstellung

In der Heraldik unterscheidet sich der heraldische/gemeine Leopard mehr oder weniger deutlich vom natürlichen.

(Heraldischer/gemeiner) Leopard

Reales Vorbild: Löwe (Panthera leo)

Der (heraldische/gemeine) „Leopard“ ähnelt allgemein dem Wappentier Löwe (bzw. dem realen Löwen, Panthera leo), besitzt in der Regel eine löwenartige, zottlige Mähne und keine Fellzeichnung beziehungweise keine schwarze Flecken (maculae nigrea), wie sie Leoparden in der Natur eigen sind. Der (heraldische/gemeine) Leopard wird nahezu immer (unabhängig von seiner Körperstellung) zum Wappenbetrachter „hersehend“ dargestellt (=„hersehender Löwe“). Der Grund für die löwenartige Darstellung des heraldischen Leoparden liegt darin, dass man im Mittelalter Mischlinge aus Löwenmännchen und Pantherweibchen als „Leopard“ bezeichnet hat. Diese Annahme hat sich in der Heraldik gehalten. Der (heraldische/gemeine) „Leopard“ ist als Wappenfigur seit Beginn des Wappenwesens gebräuchlich. Da ein einzelner waagerecht im Schild schreitender, hersehender Leopard eher unauffällig erscheint, findet sich die Figur in Wappen oft in Dreizahl und übereinander angeordnet. Die bevorzugte Tingierung für den heraldischen Leoparden ist Gold.

(Heraldischer/gemeiner) Leopardenkopf

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Löwenmaske

Ein dem Betrachter zugewendeter Löwenkopf („hersehende Löwenkopf“) wird im Wappenwesen aus historischen Gründen unter anderem als „(heraldischer/gemeiner) Leopardenkopf“ bezeichnet (auch Pardelkopf, Leopardenmaske, Löwenmaske, Löwenkopf von vorne, Löwenkopf en face, Löwenkopf im Visier etc. genannt). Es empfiehlt sich, in der Wappenbeschreibung mehrdeutige Ausdrücke wie Leopardenkopf oder Löwenmaske für einen „hersehenden Löwenkopf“ zu vermeiden, weil sie in der Vergangenheit immer wieder zu Mißverständnissen führten und in jüngerer Zeit auch „natürliche Leopardenköpfe“ in Wappen erscheinen (siehe in diesem Beitrag weiter unten), was zu weiteren Verwechslungen führen kann.

Natürlicher Leopard

Reales Vorbild: Leopard (Panthera pardus)

Der „natürliche Leopard“ ähnelt allgemein seinem realen Vorbild (Panthera pardus}). Er ist selten und kommt überwiegend in der neueren Heraldik vor. In Wappenbeschreibungen ist er als natürlicher Leopard und mit seinen spezifischen Attributen explizit und exakt zu melden (gegebenenfalls sogar unter Angabe der spezifischen Art); unterbleibt die Spezifizierung im Blason, ist ein heraldischer Leopard darzustellen. Im Gegensatz zum „heraldisch-hersehenden“ Leoparden erscheint der „natürliche Leopard“ in Wappen nicht nur zum Betrachter hersehend, sondern auch nach rechts (oder links) zum Schildrand schauend o. ä. Die Fellzeichnung des natürlichen Leopard ähnelt dem realen Vorbild. Meist wird sie mit Rosetten oder mit unregelmäßig auf dem gesamten Wappentier verteilten, unterschiedlich geformten (schwarzen) Punkten angedeutet. Im Gegensatz zum heraldischen Leopard wird der natürliche in der Heraldik nur selten ohne Fellzeichnung dargestellt.

Natürlicher Leopardenkopf

Die Wappenfigur „natürlicher Leopardenkopf“ ist in der neueren Heraldik einem wirklichen Leopardenkopf nachempfunden, im frühen Wappenwesen ist diese Figur eher ein „hersehender Löwenkopf“, siehe oben unter (Heraldischer/gemeiner) Leopardenkopf).

Natürlicher Leopard als Schildhalter

Der natürliche Leopard erscheint im neueren Wappenwesen oft als Schildträger.

Natürlicher Leopard in Schwarz

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Natürlicher Panther

Ist der natürliche Leopard schwarz eingefärbt, wird er als natürlicher Panther bezeichnet.

Wappenbeschreibung

Heraldischer Leopard versus Löwe

In der älteren Wappenkunst differenzierte man nicht oder nur in wenigen Fällen konsistent zwischen den Wappentieren Löwe und Leopard. Erst in der neueren Heraldik grenzt man einen Löwen von einem (heraldischen) Leoparden ab und unterscheidet je nach Stellung der Wappenfigur oder der Haltung des Kopfes zum Betrachter.

Erläuterung (Standard) Muster Beispiel
  • (Heraldischer/gemeiner) Leopard

Der (heraldische) Leopard wird oft schreitend, stets aber mit dem Kopf zum Beschauer gerichtet abgebildet. Man bezeichnet diesen in der Regel als schreitenden Leopard.

Léopard
  • Löwe

Der Löwe wird in unterschiedlichen Stellungen (steigend, laufend, aufgerichtet, stehend etc.), stets aber mit dem Blick nach (heraldisch) rechts (beziehungsweise links) zum Schildrand dargestellt.

Lion rampant
Erläuterung (Details) Muster Beispiel
  • (Heraldischer/Gemeiner) Gelöwter/aufgerichteter Leopard

Viele Quellen bezeichnen den auf den Hinterfüßen stehenden und zum Betrachter blickenden Löwen als gelöwten Leopard oder als (aufgerichteten) Leopard.

Léopard lionnéLéopard lionné
  • Schreitender/leopardierter Löwe

Als schreitenden oder leopardierten Löwen bezeichnet man einen nach rechts beziehungsweise links schreitenden, geradeaus blickenden Löwen.

Lion léopardé

Inkonsistente Bezeichnungen

In vielen heraldischen Quellen wird, ausgehend von der Körperhaltung und der Blickrichtung, die Bezeichnung des Motivs Löwe/Leopard nicht konsistent angewendet.

  • Dies kann man beim Stammwappen-Löwen derer von Pentz zeigen: deren Schildfigur ist hersehend wie der Leopard, schreitet aber nicht (schreitend wäre er nur, wenn er die rechte Vorderpranke erhoben und die rechte Hinterpranke mehr vorgeschoben hätte) und steht nicht auf aufrecht auf seinen zwei Hinterfüßen. Statt dessen steht er auf auf allen vier Pranken. Würde man Körperhaltung und Blickrichtung freizügig auslegen, so könnte man dieses Motiv als stehenden, leopardierten Löwen bezeichnen (so geschah es tatsächlich im Genealogischen Handbuch des Adels). Dies entspricht aber nicht dem Standardausdruck leopardierter Löwe, der gewöhnlich einen nach rechts (beziehungsweise links) schreitenden und geradeaus zum Schildrand blickenden Löwen meint. Das Motiv im Wappen derer von Pentz sollte daher eher als „stehender Leopard“ (oder als „stehender und hersehender Löwe“) beschrieben werden.

Terminologie nach Siebmacher

„Mit den Ausdrücken für die Gesichtswendung des Löwen ist von jeher ein grosser Missbrauch getrieben worden, der nur dahin geführt hat, dass überhaupt Niemand mehr genau weiss, was ein „gelöwter Leopard" und ein „leopardirter Löwe" ist. Ganz einfach nennen wir daher:

1) den Löwen, welcher aufrecht steht und nach rechts, respektive links schaut: „Löwe"
(Tafel XIV. Figur 32-35).

2) den Löwen, welcher aufrecht steht und den Beschauer ansieht: (aufgerichteten) „Leopard"
(Tafel XV. Figur 2)

Wenn eins dieser Thiere schreitet, so liegt doch auf der Hand, dass es dadurch doch noch kein anderes, das heißt der Löwe kein Leopard wird, folglich bezeichnen wir die auf drei Pranken stehenden, eine der Vorderpranken in die Höhe hebenden", also „schreitenden" löwenartigen Thiere,

- sobald sie nach dem Seitenrande sehen, als: „schreitende Löwen" (Tafel XV. Fig. 38; Tafel XV. 3, 4, 6, 7)
- sehen sie aber den Beschauer an, als: „schreitende Leoparden" (Tafel XV. Figur 13).

In der alten Heraldik kannte man überhaupt den Unterschied zwischen Leopard und Löwe nicht, respektive man handelte ganz, nach dem Ermessen eines Jeden. So zeigen z. B. ältere Abdrücke des Wappens der Waldburg bald Leoparden, bald Löwen, ebenso wurden in ältester Zeit die englischen und dänischen Leoparden, schleswigschen Löwen eben so häufig rechts- als vorwärts sehend dargestellt. (Nur die Wappenthiere der Hohenlohe kommen von jeher stets als Leoparden vor, merkwürdiger Weise immer mit untergeschlagenen Schweifen), so dass die Behauptung, die Wappenthiere sollten überhaupt Katzen vorstellen, sehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt). Wir müssen jedoch jetzt den Unterschied thatsächlich festhalten und werfen den „gelöwten Leopard", ebenso den „leopardirten Löwen" zu anderen Ungeheuern hiermit feierlichst in die Wolfsschlucht.

Im allgemeinen bemerken wir noch, dass man in der alten Heraldik nicht einmal zwischen schreitenden und aufrechten Thieren einen ängstlichen Unterschied machte, sondern dieselben so in den Schild hineinbrachte, wie es dessen Form gerade zuliess, so, dass die Thiere stets möglichst den Platz ausfüllten, es kommen daher in einem Schilde beide Arten oft vor.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Wappenbilderordnung

Verwendung

Heraldische wie natürliche Leoparden (und alle abgewandelten Versionen) erscheinen als Wappentiere oft in Hoheitszeichen wie Landeswappen oder Staatswappen. Bei manchen Staaten weisen die Motive auf die ehemalige Kolonialherrschaft der Briten hin, in anderen nehmen sie Bezug auf den ursprünglichen Lebensraum des natürlichen Vorbildes.

In der Literatur

Viele ältere Übersetzungen des Romans "Der Gattopardo" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa übersetzen fälschlicherweise den Titel und das Wappentier der Hauptfigur als "Der Leopard". Tatsächlich handelt es sich aber um einen Ozelot (Pardelkatze), eine Katzenart, die nicht brüllen kann - in ironischer Anspielung auf das Verhalten der Figur. Das Familienwappen der Tomasi di Lampedusa ziert hingegen tatsächlich ein Leopard.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Leoparden in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Leopardengesicht in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Leopard_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 13. Juli 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.