Hirsch (Wappentier)

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zwischen 1330 und 1345: Hirsch (Wappen der Schindelin, nach Zürcher Wappenrolle)
zwischen 1305 und 1315: In Blau ein halber springender silberner Hirsch (schwarz oxidiert) mit roter Zunge
(Wappen Ulrich von SingenbergW-Logo.png, Truchseß zu St. Gallen, nach Codex Manesse)

Der Hirsch (frz.: cerf; engl.: stag, hart) ist in der Heraldik eine gemeine Figur.

Darstellung

Im Wappen wird der Hirsch sehr unterschiedlich dargestellt. So kann er schreitend, liegend oder stehend sein. In der springenden Form müssen die Hinterläufe dicht nebeneinander stehen.

Bei der Tingierung (heraldische Farbgebung) ist jede Farbe möglich, aber der Heraldiker beschränkt sich oft auf rot oder schwarz. Die Naturfarbe kommt selten vor. Dafür aber oft goldenes oder silbernes Hirschgeweih.

Bei der Blasonierung kommt es besonders auf das Geweih an. Die Zahl der sogenannten Enden muss genau blasoniert werden. Auch der gesenkte Kopf hat eine Bedeutung. Der Hirsch wäre dann äsend. Die weite Verbreitung als Wappentier geht auf die Möglichkeit redende Wappen zu zeichnen, zurück. Beispiel wäre der Ort Hirschberg (Jelenia Góra) in Schlesien.

Hirsch: erscheint sehr häufig sowohl stehend (Tafel XVII. Figur 9. 10.) wie schreitend (Tafel XVII. Figur 11. 12.) und aufrecht (Tafel XVII. Figur 13. 15.), seltener in vollem Lauf und liegend in Wappen. Das Geweih und die Hufe (die „Waffen“) sind meist abstechend von seiner Farbe und der des Schildes tingirt. Neuerdings zählt man die Enden des Geweihes, so dass also die Zahl der einzelnen Zinken einer Stange angibt, ob er vier-, fünf-, sechs-, acht-, zehnendig etc. ist.
Ein halber Hirsch ist auf Tafel XVII. Figur 16. 17. zu sehen. Ein Hirschrumpf (abgeschnitten) Tafel XVII. Figur 18. Ein Dammhirschkopf im Visier erscheint auf Tafel XVII. Figur 19.

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Hirschgeweih

Hirschgeweih mit Grind
(Wappen von Valzeina)

Vielfach findet sich auch nur das Hirschgeweih im Wappen. Dadurch haben auch viele andere Begriffe aus der Jagd Einzug gehalten. Hirschgestänge oder nur Gestäng sind in den Wappenbeschreibungen zu finden. Die Geweihe werden auch mit einem Teil der ornamentierten Hirnschale, dem Grind, dargestellt.

„(..) Ein paar unten zusammenstossende Hirschstangen, mit einem Stück der ornamental verzierten Hirschaale („Grind“ genannt) heißt Hirschgeweih (Tafel XVII. Figur 20.) (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Hirschstange

Hirschstange
(Wappen von Münsingen)
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Hirschstange

Oft wird nur eine einzelne Hirschstange, als Halbgestäng dargestellt. Mehrere Stangen werden in gleicher Richtung ausgerichtet. Bekannt ist das Wappen von Württemberg mit den drei Halbgestäng.

„(..) „eine Hirschstange“ auf Dreiberg gebogen (der Grind links) ist Tafel XVII. Figur 21; „drei Hirschstangen querlinkshin übereinander“, das heißt, der Grind nach rechts, die obere Spitze nach links gekehrt (Wappen von Württemberg) ist auf Tafel XVII. Figur 17. dargestellt.
Wenn nicht anders gemeldet, zeigen bei querliegenden Hirschstangen die Zinken stets nach oben, der Grind nach rechts bei einer einzeln im Schilde oder auf dem Helm vorkommenden aufrechten Hirschstange ist zu melden, ob es eine rechte ist (d. h die Zinken nach rechts kehrt) oder eine linke (d. h. die Zinken links gekehrt).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Hirsch mit Kruzifix

Ein Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih hat eine symbolische Bedeutung. Es steht für den heiligen HubertusW-Logo.png als Schutzpatron der Jäger.

Hirsch mit Fischschwanz

Eine seltene Darstellung ist ein Hirsch mit einem Fischschwanz. Im Wappen Herren von Lindenberg ist in einem silbernen Schild ein roter springender Hirsch mit Fischschwanz. [2]

Geflügelter Hirsch

Hindin

Der weibliche Hirsch wird in der Heraldik oft Hindin oder Hirschkuh, aber auch Hinde oder Schmaltier genannt.

„Die Hindin (Hirschkuh), schreitend, führten die † von Hindenburg in Ostpreußen (jetzt die von Beneckendorf-Hindenburg

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Verwendung

Als Wappentier ist der Hirsch schon von Gebhard III.W-Logo.png Graf von HirschbergW-Logo.png 1253 im schildförmigen Siegel und etwa zeitgleich von Gebhard IV.W-Logo.png (gestorben 1305) ebenfalls geführt.[3]

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Literatur

  • Herbert Cerutti: Sorgen eines Platzhirsches. 30 erstaunliche Tiergeschichte dtv-TaschenbuchW-Logo.png 20409, München 2001 (Erstausgabe bei NZZ-Buchverlag, Zürich 1999, ISBN 3-85823-789-2), ISBN 3-423-20409-5.
  • Gert Oswald: Lexikon der Heraldik: Von Apfelkreuz bis Zwillingsbalken. 2., unveränderte Auflage, Battenberg, Regenstauf 2006, ISBN 978-3-8664-6010-2.
  • Georg Scheibelreiter: Tiernamen und Wappenwesen In: Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 24, Böhlau, Wien / Köln / Graz 1976, ISBN 3-205-08509-4.
Quellen
  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Neues preußisches Adelslexikon: Oder genealogische und diplomatische Nachrichten, von Freiherr Leopold von Zedlitz-Neukirch, veröffentlicht Leipzig, Gebrüder Reichenbach, 1837
  3. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch, Band I Abt.2, 1918 und Abt.1, 1884-1911, Johann Siebmacher, Nürnberg

Weblinks

 Commons: Hirsch in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Hirsch_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 14. Juli 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.