Tiger (Wappentier)

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(Schreitender) Tyger / Tiger
 
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Tiger (gemäß Siebmacher)
Tiger in der bildenden Kunst (1560)

Das Wappentier Tiger ist in der Heraldik eine gemeine Figur, die in zwei Varianten vorkommt:

  • Der Heraldische Tiger (auch Tyger oder Tigre geschrieben; frz.: tigre; engl.: tyger/tigre) ist die Darstellung eines Fabelwesens (oder des Wappentieres Löwe mit einer spezifischen Fellzeichnung, die in der heraldischen Literatur nicht durchgehend oder einheitlich als verbindliches Merkmal definiert ist).
  • Ein Natürlicher Tiger (auch bengalischer Tiger genannt; frz.: tigre naturel; engl.: tiger natural, royal tiger oder „tiger ppr.“) ist die stilisierte oder naturalistische Darstellung eines echten Tigers (Panthera tigrisW-Logo.png).

Beide Varianten sind in der älteren Heraldik nicht gebräuchlich, sondern erscheinen erst in der neueren Heraldik.

Geschichte

Obwohl Tiger in den Kulturen des Ostens (Indien, China und andere) Jahrtausende vor Christus eine wichtige Rolle spielte -- auf Amtssiegeln der Induskultur im heutigen Pakistan erscheinen Tiger bereits vor etwa 5000 Jahren -- wurde das Tier erst nach den Feldzügen Alexanders des Großen (330-325 v. Chr.) nach Asien im antiken Griechenland, später im antiken Rom beziehungsweise in Europa teilweise bekannt. Bereits im Altertum, spätestens im frühen Mittelalter, als ein großer Teil der griechischen, römischen und arabischen Schriften in Vergessenheit geriet, scheint der Tiger wieder aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschen des Mittelmeergebietes und des europäischen Kontinents zu verschwinden.

Die ältere Heraldik verzichtet ganz auf ein Wappentier Tiger, womöglich weil mit dem Löwen ein Wappentier mit ähnlicher Symbolkraft zur Verfügung stand (Sinnbild für Stärke, Wildnis, Tapferkeit et cetera), welches einerseits im Gegensatz zum Tiger in der Bibel erwähnt wird und andererseits seit zirka 30.000 Jahren in den europäischen Kulturen eine wichtige Rolle spielt.

„Erst durch die Reisen Marco Polos im 13. Jahrhundert wurde er für die Europäer wiederentdeckt. Marco Polo sah sie erstmals am Hof des Kublai Khan, beschrieb sie jedoch als Löwen, die größer seien als die „babylonischen“ und außerdem schwarze, weiße und rote Streifen hätten. Der erste Tiger, der in nachrömischer Zeit nach Europa gelangte, dürfte vermutlich jener am Hof der Herzogin von Savoyen in Turin gewesen sein, der 1478 dort eintraf. Kurz darauf gelangten Tiger auch an andere Höfe Europas.“

Deutsche Wikipedia (2012)[1]

Als Wappentier der neueren (englischen) Heraldik erscheint der Tiger in Ermangelung eines realen Vorbildes vermutlich erst als Fabelwesen („heraldischer Tiger“), später dann auch in Anlehnung an seine natürliche Gestalt („natürlicher Tiger“).

Darstellung

Sowohl der heraldische Tiger als auch der natürliche erscheinen, wenn nichts anderes gemeldet wird, stets mit dem Blick nach (heraldisch) rechts zum Schildrand. Tiger werden in jenen Stellungen in Wappen gezeigt, die von anderen heraldische Großkatzen bekannt sind (steigend, laufend, aufgerichtet, stehend et cetera).

Heraldischer Tiger

Die Gestalt des heraldischen Tigers ist

„(..) dem heraldischen Löwen ähnlich, während der Kopf mit dem Stachel an der Nase an einen Drachen mit Wolfszügen denken läßt.“

– Carl Alexander von Volborth (1996)[2]

Auch sein Körper wird manchmal ähnlich wie der eines Wolfes dargestellt, wenn auch meist kräftiger und massiver. Er ist in der Heraldik mit einem starken Kiefer mit ausgeprägten Eckzähnen und einem Stoßzahn am Ende der Nase bewaffnet. Letzerer gleicht einem kurzen gebogenen Horn oder einer Art spitzem Stachel. Meist schmücken eine Reihe von verknoteten, mähnenartigen Haarbüschel den Nacken, die Brust und die Oberschenkel. Starken Krallen an den Beinen und ein löwenartiger Schwanz vervollständigen seine Erscheinung.

Natürlicher Tiger

Der natürliche Tiger erscheint in der Heraldik wie sein lebendes Vorbild. Durch die besondere Fellzeichnung, die tigerartigen Streifen, die besonders in Längsrichtung des Rückens reihenförmig angeordnet sind, ist eine Verwechslung mit anderen Wappengroßkatzen so gut wie ausgeschlossen.

Galerie


Verbreitung

Der „heraldische Tiger“ ist vor allem in der englischen Heraldik gebräuchlich; in modernen Wappen aus Ländern aus dem asiatisch-russischen Kulturkreis findet sich dagegen häufig der dem realen Vorbild nachempfundene „natürliche Tiger“. Im Siebmacher erscheinen zirka 35 Wappen mit der Motivbezeichnung „Tiger“ (bzw. „gefleckte(r)/gestreifte Katze/Löwe“), darunter zum Beispiel die Wappen der Familien Kretz v. Ratzenhofen, Walditz, Limpacher, Günther auf Defersdorf, Ditmarsdorf, Kollakovich, Kallo, Börstel, Möller, Mayer, Kis v. Maklar, Bezur, Bokros, Dallos, Haunolt, Brastberger, Baumeister und andere.

Wappenbilderordnung

Das Motiv Tiger wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) unter der Nr. 5035 aufgenommen.

Paraheraldik

Auch als Logo, Armschild, in der Universitäts,- Militär- und Paraheraldik ist das Motiv Tiger gebräuchlich.

Weblinks

 Commons: Tiger in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Seite „Tiger“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 29. März 2012, 01:13 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tiger&oldid=101414241 (Abgerufen: 25. April 2012, 07:49 UTC)
  2. Volborth, Carl Alexander von: Fabelwesen der Heraldik in Familien und Städtewappen, Stuttgart und Zürich 1996 Belser-Verlag, auch 2001. S. 115