Wolf (Wappentier)

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etwa 1335-1345: Zwei Wölfe übereinander
(Wappen derer von Wolfurt)
Wolf
 
Naturfarben/Schwarz („struppig“)
Wappen derer von Westernach
 
Silbern („ohne Fell/nackt“)
Wappen derer von Weißenwolff
Wappen derer von Asseburg
Landkreis Prignitz
Stilisierter Wolf, wie er in einem Wappen dargestellt werden könnte.

Der Wolf (frz.: loup; engl.: wolf) ist in der Heraldik ein relativ häufig gewähltes Wappentier. Besonders in Gegenden, in denen er ein beliebtes Jagdtier bis zu seiner starken Dezimierung war, ist seine Präsenz im Wappen als gemeine Figur bestimmt.

Darstellung

Im Wappen werden alle Darstellungsmöglichkeiten für den Wolf etwas übertrieben gezeigt. Die natürliche und stilisierte Form sind vertreten. So ist er immer sehr angriffslustig. Auf langen staksigen Beinen wird er laufend nach heraldisch rechts in der Grundform dargestellt. Sein Fell und die Rute wird gewöhnlich sehr struppig (aufgerichtete Fellhaare) gezeichnet (andere Ausprägungen sollten gemeldet werden). Besonders die Nackenhaare und die spitzen Ohren sind stark aufgerichtet. Das Maul ist weit aufgerissen. Die Zähne sind im langen spitzen Kopf groß und fletschend dargestellt. Die Grundfarbe des Tieres ist schwarz. Auch aufgerichtet und nur das Vorderteil und andere Farben ist für die Wolfdarstellung möglich. Eine Beschränkung auf den Kopf kommt auch vor. Als heraldisch linker Schildhalter ist er im Wappen des schottischen Verwaltungsgebietes Stirling (Unitary Authority)W-Logo.png (engl. Stirling (council area)W-Logo en.png).

Die Bewehrung wird gern anders tingiert. Dazu gehören beispielsweise Zunge, Krallen und als Besonderheit das Gemächt. Diese werden als „geziert“ (zeigt Geschlechtsteil) oder „ungeziert“ (keine Geschlechtsteile) blasoniert.

Wolf kommt sowohl in aufrechter Stellung vor, aber auch schreitend. Die Stellung, wie er sie im Wappen der v. der Asseburg hat dürfte viel eher auf einen Vielfrass, in der bekannten merkwürdigen Stellung (wie er z. B. auch auf dem Helme der v. Quitzow vorkommt, d. h. nach der Fabel im Begriff, sich nach der Uebersättigung zwischen 2 Bäumen durchzuklemmen, um den Überfluss los zu werden, hindeuten, als auf einen „zum Sprung geschickten" Wolf)

(..) Der Unterschied zwischen Wolf und Fuchs ist sehr schwer zu finden; es geben dabei nur die ältesten Siegel den Ausweis, welches Thier es ursprünglich war, denn dass der Wolf, wenn er hungrig ist, ebenso eine Gans raubt, ist klar, im Allgemeinen wird der Wolf indess ohne Raub und struppiger, mit grösseren Tatzen und kürzeren Lauschern als der Fuchs abgebildet. Die Ruthe, welche nach einigen Heraldikern der Wolf aufrecht, der Fuchs gesenkt tragen soll, ist durchaus nicht massgebend, wie denn z. B. von Alters her eine Linie der Mecklenburgischen v. Voss, ihr Namenswappenbild, den Fuchs zur Unterscheidung von einer anderen Linie mit erhobener Ruthe führt, doch ist die des Wolfes struppiger.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Siebmacher Wolf.jpg

Wölfin

1901-1903: Wappenaufriss mit zwei Wölfinnen (Bock von Wülfingen; Wappen I im Wappenbuch des westfälischen Adels)

„(..) Die Wölfin kommt stehend widersehend (Romulus und Remus säugend) im Wappen der Rummel und Rommel und schreitend, z. B. im Wappen der Bock von Wülfingen, vor. Hier sind die Zitzen deutlich gekennzeichnet (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Wolfskopf

Rotbezungter grüner Wolfskopf (1305/15: im Wappen des Herrn Dietmar der Setzer, nach Codex Manesse)

Der Kopf des Wolfes mit seinen ausgeprägten Raubtierzähnen erscheint extrem aggressiv und wird in Familien oder Kommunen, die als Namensbestandteil in irgendeiner Form des Morphem „Wolf“ besitzen, zuweilen als gemeine Figur geführt.

Wolf mit Fang

Der Figur Wolf erscheint in manchen Wappen mit einem erbeuteten Beutefang/-raub im Maul/Rachen.

Wolf-Mischwesen

  • Geflügelt findet man den Wolf z. B. im Wappen der Familie Lindholtz.
  • Im dem Werk "Fabelwesen der Heraldik" von Carl-Alexander von Volborth wird ein Wolf mit Drachenflügeln gezeigt (Nr. 204). Es fehlt jedoch eine Angabe, wer diesen Fabelwesen in seinem Wappen führte oder führt.
  • Im gleichen Werk wird auch ein Werwolf (Wolf mit kupierter Rute und Kopf eines Mannes) dargestellt (Nr. 179), abermals ohne Nennung einer Familie oder einer Institution, die dieses Mischwesen im Wappen führte oder führt.
  • Das alte dänische Adelsgeschlecht von Ulefeld führte eine Wappenfigur halb Wolf (oben), halb Adler (unten), also ein Mischwesen mit zwei Wolfsvorderbeinen, zwei Adlerhinterbeinen und zwei Adlerflügeln. Es kann sich auch nur ein Wolfskopf auf einem Adlerkörper befinden. Diese heraldische Mischwesen sind kommen zum Beispiel im Ortwappen von Langenorla oder bei den Herren von Orla vor.
  • Der litauische Ort Grendavė führt einen fischgeschwänzten Wolf
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wolfsadler
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wolfsdrache

Wolfszähne

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Wolfszahnschnitt

Die Wolfszähne im Wappen haben mit denen des Tieres nichts direkt gemein. Hier handelt es sich um eine Form des Wappenschnittes.

Wappenbilderordnung

Der Wolf wurde zusammen mit dem Schakal in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Säugetiere: Raubtiere unter der Nr. 5083 aufgenommen.

Redende Symbolik

Als Namensgeber ist die Figur Wolf für redende Wappen der Familien und Orte mit Namen Wolf wie geschaffen.

Weblinks

 Commons: Wolf im Wappen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wolfsköpfe in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Wolf_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 14. Juli 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.