Pferd (Wappentier)

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pferd im Wappen derer von Heimenhofen (Schwaben)

Das Wappentier Pferd oder „heraldischer“ Ross (frz.: cheval; engl.: horse) ist in der Heraldik eine häufig verwendete Gemeine Figur.

Darstellung

Grundhaltung ist springend und rechts sehend. Liegend oder steigend (selten) ist auch möglich. Die Tingierung entspricht den zugelassenen heraldischen Farben, wobei silber oder schwarz die bevorzugte ist. Das sind, wie in der realen Welt, Schimmel oder Rappen. Ein Pferd ohne Zaumzeug und Sattel wird in der Beschreibung mit lediges Pferd erwähnt. Alle Teile, wie Sattel, Hufe, Mähne, Zaumzeug oder Satteltasche müssen blasoniert werden. Viele heraldische Pferde haben es zu Ruhm und Eigennamen gebracht. Bekannt sind das Niedersachsenpferd, das Welfenross oder der Tomsker Schimmel. Zur Bewehrung einen Pferdes zählen Mähne, Hufe und Schwanz. Ein „blaues Pferd, golden bewehrt“ bedeutet beispielsweise, dass die Mähne, die Hufe und der Schwanz des blauen Pferdes nicht in Blau, sondern in Gold erscheinen.

Pferd nach Siebmacher

Ross: kommt sehr häufig und zwar: schreitend, aufrecht und laufend in Wappen vor, entweder gezäumt oder angezäumt, sogar mit Sattel und mit Steigbügel, wie im Wappen der Grafen Goetzen und v. Kaphengst. In letzterem Wappen soll, dem Namen entsprechend, das schreitende Ross ein „Wallach", ebenso wie das Ross im Wappen von Stuttgart eine Stute vorstellt; im Uebrigen dürfen die Kennzeichen des Hengstes bei der Zeichnung nicht vergessen werden. Die Rosse haben selten die Zunge ausgeschlagen aber stets das Maul etwas geöffnet. Man gebraucht vom Pferde den Ausdruck „gezäumt", wenn ein Zaum vorhanden ist, „beschlagen“, wenn die Hufeisen von anderer Farbe, „behuft", wenn die Hufe von anderer als schwarzer Farbe, „gemahnt", wenn die Mähne von anderer Färbung als das Ross ist. Die Ausdrücke „wild" für ein aufgezäumt laufendes und "bäumend" für ein steil aufgerichtetes Ross scheinen uns überflüssig zu sein, da sie durch „laufend" oder „galoppirend" resp. „aufrecht" ersetzt werden.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Pferd mit Reiter

Oft wird in Wappen ein Reiter auf das Pferd gesetzt, der zum Beispiel lanzenschwingend, fahnenschwingend oder mit einem Drachen kämpfend ein Wappenbild vervollständigt. Der Reiter hat oft einen erwähnenswerten üppigen Umhang. Er kann auch im Harnisch stecken und einen Helm auf dem Kopf haben. Manchmal erscheint der Reiter als Schildträger, auf dem Teile des Wappens wiederholt werden.

Pferdekopf/Pferderumpf

Pferdekopf im Wappen derer von Haibach[2]

Zwischen Pferdekopf und Pferderumpf wird im Wappenwesen teilweise nicht konsistent differenziert (weder in der heraldischen Darstellungen noch im Blason), so dass die Beschreibungen dieser Figuren und ihre Wappenaufrisse manchmal nicht übereistimmen. Ein Pferdekopf, komplett ohne Hals, ist jedeoch eher die Ausnahme. Allgemein gilt, dass ein Pferderumpf im Gegensatz zum Pferdekopf mit einem längeren Stück des Halses -- jedoch ohne Vorderbeine -- erscheint. Pferdekopf/Perderumpf sollten, wenn nichts Besonderes gemeldet wird, stets abgerissen in einem Wappen erscheine; eine gerade Schnittkante-/linie sollte gemeldet weden („abgeschnittener Pferdekopf/Pferderumpf“). Insgesamt ist der Blason (also die Beschreibung des Wappens) ausschlaggebend, nicht ein konkreter Wappenaufriss.

Pferdeköpfe als Giebelschmuck

In der neueren Heraldik erscheinen Pferdeköpfe auch als gemeine Figuren, die dem gleichnamigen Giebelschmuck nachempfunden sind. Derartige Wappenmotive sind als solches eindeutig zu blasonieren und aufzureissen. In der Früh- und Blütezeit des Wappenwesens sind sie nicht gebräuchlich.

Oberhalbes Pferd

Pferd als Schildhalter

Das Pferd ist auch als Wappenträger anzutreffen. Beispiele sind die Wappen von Burkina Faso und Königreich Lesotho. Auch im Wappen von Botswana dienen zwei Zebras als Schildhalter. Im Wappen von Uruguay und Venezuela ist es vertreten und gilt als Symbol der Freiheit.

Fohlen

Fohlen im Wappen derer von Cammerberg (Schwaben)[3]

Die Figur Fohlen (auch Füllen genannt; von mkenisch-griechisch <po-ro> bzw. altgr. πῶλος /pōlos/ über [nach erster Lautverschiebung] gotisch fula und ahd. fulo; frz.: poulaine; engl.: foal) erscheint nur selten in einem Wappen.

Besondere heraldische Pferde

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Pferd in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Pegasus in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Reiter und Ritter in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Blason: In Gold ein schwarzer Pferdekopf mit rotem Zaumzeug und Zügeln. Auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken wachsend ein schwarzer Pferdekopf mit rotem Zaumzeug und Zügeln. Anmerkung: Je nach Quelle variiert die Tingierung. Bei der Gemeinde Haibach (Landkreis Straubing-Bogen) heißt es im Blason: In Silber ein roter Pferdekopf mit goldenem Zaumzeug ....
  3. Blason: In Silber ein aufspringendes, schwarzes Fohlen/Füllen). Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken auf einem grünen, rot bequasteten Kissen ein schwarzes Fohlen stehend.


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Pferd_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 01. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.