Astkreuz

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Astkreuze
 
Astkreuz, natürlich
(als gemeine Figur)
 
Gegenastkreuz, anstossend, regelmäßig
(als Heroldsbild)
 
Wechselastkreuz, anstossend, regelmäßig
(als Heroldsbild)

Astkreuz ist in der Heraldik ein Sammelbegriff für kreuzweise Wappenmotive, bei denen die senkrechten und waagerechten Kreuzarme auf beiden Seiten wie mit stark stilisierten, parallelogrammartigen Aststummeln geschnitten/begrenzt sind.

Die Astkreuze werden in der heraldischen Literatur unter anderem den Sonderformen Kreuz oder den gemeinen Figuren zugeordnet (wenn ein Astkreuz nicht bis zu den Schildrändern reicht, es also schwebend im Wappen erscheint); wenn ein Astkreuz bis zu den Schildrändern reicht, wird es gewöhnlich der Gruppe der Heroldsbilder zugeordnet.

Darstellung

Grundsätzlich erscheint das Astkreuz als gemeines Kreuz, dessen Begrenzungslinien mit stilisierten Aststümpfen ausgezogen sind. Alle Grundformen, die sich vom gemeinen Kreuz ableiten (Lateinisches Kreuz, Griechisches Kreuz, Schragen und so weiter) können „astförmig“ ausgeführt/begrenzt sein.

Auf den Seiten der Kreuzarme können sich die Astansätze in gleicher Höhe gegenüberliegen („Gegenast-“) oder versetzt („Wechselast-“) respektive ungeordnet sein. Gewöhnlich zeigen die stilisierten Aststümpfe in Richtung Kreuzzentrum und ihre Spitzen sind nach den vier Schildecken ausgerichtet. Sollen die Aststümpfe dagegen umgekehrt zu den Schildrändern zeigen und die Spitzen zum Kreuzzentrum ausgerichtet sein, sollte man dies melden.

Astkreuz (..) ist ein Kreuz, dessen Armbegrenzungslinien beiderseits in Astknorren, deren Spitzen nach den 4 Schildecken ausgerichtet sind, verlaufen.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Im 19. Jahrhundert wurde das Astkreuz oft mit Wein- oder Efeulaub umrundet ausgeführt.

Varianten

Astkreuz (schwebend)

(Schwebendes) Astkreuz: (Tafel VI. Figur 38.) bestehend aus 2 gekreuzten Ästen, deren jeder viermal nach hin geknorrt ist (..)“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Gegenastkreuz

Beim (Gegen)Astkreuz (frz.: croix écotée; engl.: cross raguly and trunked) liegen sich auf den Kreuzarmen stilisierte Aststümpfe in gleicher Höhe, Form und Anzahl direkt gegenüber.

Wechselastkreuz

Beim (Wechsel)Astkreuz liegen sich auf den Kreuzarmen stilisierte Aststümpfe nicht in gleicher Höhe direkt gegenüber, sondern sind in gleicher Form regelmäßig um ein „Astknorren“ versetzt.

Unregelmäßiges Astkreuz

Bei einem unregelmäßigen Astkreuz erscheinen die „Aststümpfe/-knorren“ nicht in einem geordneten oder regelmäßigen Muster, nicht in gleicher Form und Anzahl, sondern sind wahllos oder nach dem „Prinzip Zufall“ an den Begrenzungslinien des Kreuzes ausgezogen.

Astgabelkreuz

Das Astgabelkreuz (auch Pfeilschaftkreuz, Zwieselkreuz, endgeästetes Kreuz genannt[3]; frz.: croix composée de quatre fûts de flèche; engl.: cross with each arm terminating in an arrow fligth) ist ein Kreuz, bei dem die Enden der Kreuzarme gleichsam in „zwei Äste geteilt“ erscheinen (beziehungsweise wie eine Ast-/Baumgabelung [„Zwiesel“] respektive wie ein „Pfeilschaft“).

Astgabelkreuz (Tafel VI. Figur 37.): ist ein in vier Astgabeln endendes Kreuz.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

Zwieselkreuz: schwebendes gemeines Kreuz, dessen vier Arme in einem flachen „V“ enden.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[4]

Schragenastkreuz

Das schräggelegte Astkreuz wird zum Astschragen. Diese besondere Form wird auch Burgunderkreuz genannt.

Verwendung

Die Astkreuzform war in der Gotik gebräuchlich, so zum Beispiel in der Wiener MinoritenkircheW-Logo.png (1275) und im Hildesheimer DomW-Logo.png (1015).

Symbolik

Das Astkreuz wird außerhalb der Heraldik mit dem Baum des LebensW-Logo.png (Garten Eden/Paradies), das heißt mit dem ewigen Leben assoziiert.

Wappenbilderordnung

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889.
  2. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 287, Figur: 9.
  3. Bei Walter Leonhard mißverständlich als Welschzinnenkreuz bezeichnet, vgl. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 290, Nr. 13
  4. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 460