Ast (Heraldik)

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Ast als gemeine Figur im Wappen derer von Lenthe
Ast beziehungsweise Stamm (mittelalterliche Hausbuch von Schloss Wolfegg, 1480)

Der Ast (auch Baumast genannt; frz.: hallotte, branche; engl.: branch) ist im Wappenwesen entweder eine gemeine Figur oder ein Heroldsbild.

Ast als gemeine Figur

Ein stärkerer Ast-Darstellung mit oder ohne stark vergrößerten Blättern in heraldischen Farben, die nicht den Schild mittels gerader oder krummliniger Striche in verschiedene Farben durch Abgrenzung zerlegt, bildet die gemeine Wappenfigur. Die gemeine Figur Ast wird leicht stilisiert, sollte aber übertrieben dick, mit teilweise gekappten Auswüchsen (Knorren) und mit keinen oder mit möglichst wenigen Früchten/Blättern dargestellt sein (letztere nur als Neutrieb).

Im Wappenschild wird die Stilisierung des unbestimmten Astes an eine bekannte Baumart angelehnt (beispielsweise an einen Eichenast, einen Lindenast, Birkenast oder einen Obstbaum- oder Nadelbaumast). Um genau zu sein, ist die Anzahl und die Position der Knorren, Blätter, Früchte und so weiter an einem Ast zu melden.

Für Wappentiere, wie Vögel, ist er im Wappen eine Sitzgelegenheit und das Tier wird als astend beschrieben. Manchmal wird der gemeine Ast von einer anderen Wappenfigur gehalten oder getragen.

Der Brand (Feuerbrand)

Liegende, stehende oder schräggestellte brennende Äste sind ein beliebtes heraldisches Motiv. Sie werden als Brand (Feuerbrand) bezeichnet. Meist züngeln mehrere Flammen aus dem oberen Astende oder aus den nach oben weisenden Aststummeln heraus.

Ast als Heroldsbild

Der Ast als Heroldsbild ist sehr stark stilisiert und erscheint in verschiedenen Kombinationen im Wappenschild. So sind bekannt der Astbalken, der Astpfahl, das Astkreuz und der Astschragen. Der Astschragen wird auch als Burgunderkreuz bezeichnet. Das Besondere an den Heroldsbildern ist der sehr streng stilisierte Ast mit den kurzen Ansätzen der Astverzweigungen. Die Seitenlinien von Pfahl und Balken, auch von den Kreuzen sind auf beiden Seiten wie mit stark stilisierten Aststummeln geschnitten. Auf den Seiten können sich die Ansätze in gleicher Höhe gegenüberliegen oder versetzt sein.

Abgrenzung

Ast versus Zweig

Die gemeinen Figuern „Ast“ und „Zweig“ werden in der Heraldik sowohl in der Darstellung als auch bei der Wappenbeschreibung nicht immer sauber auseinander gehalten. Dennoch gibt es Unterschiede.

  • Ein „heraldischen Ast“ sollte übertrieben dick dargestellt sein und keine oder möglichst wenige Früchte/Blätter besitzen (wenn überhaupt, dann nur als Neutrieb). Abhängig vom vorhandenen Platz füllt der gemeine Ast diesen weitgehend aus, so daß nur wenig Raum für andere Elemente wie Blätter oder Früchte bleibt.
  • Ein „heraldischer Zweig“ sollte übertrieben dünn und immer mit vielen Blättern und/oder vielen Früchten und Blüten dargestellt sein.
  • Zwischenformen („Ästchen“ o. ä.), bei denen der Betrachter nicht auf Anhieb sagen kann, ob es sich um einen Ast oder einen Zweig handelt, gilt es, in der heraldischen Darstellung zu vermeiden.

Grundsätzlich kann man Äste und Zweige anhand der Anzahl Früchte (Eicheln, Äpfel und so weiter) und der Blätter, die aus ihnen gegebenenfalls treiben, voneinander abgrenzen. Allerdings ist dies erst bei einer großen Anzahl Blätter (zirka 7 oder mehr) und Früchte (zirka 5 oder mehr) möglich. Bei einer größeren Anzahl Blätter/Früchte -- die gemäß der heraldischen Regeln übertrieben groß dargestellt werden sollten -- ist rein grafisch für einen dicken Ast kein Platz mehr im Wappenbild. In diesem Fall wirkt der Ast optisch nur wie ein „Ästchen“ bzw. ist als „Zweig“ zu blasoniern.

Astkreuz

Äste werden häufig in Kreuzform dargestelllt.

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Astkreuz

Attribute

Ein Ast wird in der Heraldik nicht nur mit natürlichen Attributen (Blätter, Zweige und so weiter) abgebildet, sondern besitzt zuweilen auch ungewöhnliche Attribute (Köpfe, Kreuze, Schwerter), die aus ihm treiben. Ein schönes Beispiel findet sich in Conrad Grünenbergs Wappenbuch aus dem 15. Jahrhundert, wo Köpfe an den Astenden wachsen.

Weitere Beispiele

Wappenbilderordnung

Weblinks

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Besondere Motive: Der Brand – (brennender Ast)

 Commons: Äste/Zweige in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Abgeschnittene Äste/Bäume in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Blason: In Rot einen schrägrechts liegenden, beiderseits mit zwei gestümmelten Zweigen versehenen gestümmelten natürlichen Eichenast, aus dem an jeder Seite ein grünes Eichenblatt treibt.
  2. Das ursprüngliche Wappen zeigte einen Baumstamm mit drei Wurzeln und mehreren gezackten Blättern;
    Blason: (seit dem 16. Jahrhundert): In Silber ein quer- (später ein schrägrechts) gestellter Ast mit fünf grünen Stechpalmenblättern. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein offener, oben mit einer goldenen Kette, an der ein goldener Ring hängt, verbundener offener schwarzer Flug. (Quelle: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band X, Band 119 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1999.)