Rinder (Heraldik)

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Rind (mittelhochdeutsch ohse, rint; plural: Rinder; auch „rinderartig“; lateinisch bos; französisch boeuf) ist in der Heraldik

  • „ein allgemeiner Ausdruck für Stier, Ochs, Büffel, Kuh, welche in älteren Wappen nicht unterschieden werden“ (..)[1]
  • ein gebräuchlicher Ordnungsbegriff, der sich zwanglos an den gleichlautenden umgangssprachlichen Ausdruck „Rinder, BoviniW-Logo.png“ anleht und bestimmte Wappentiere in einer Gruppe zusammenfaßt (Gattungsgruppe der Hornträger, Bovidae). Obwohl sich die heraldische Gruppierung an Biologie und Zoologie anlehnt, stellen heraldische Rinder kein biologisch-zoologisches Taxon dar!

Geschichte

Rinder oder rinderartige Wappenmotive sind seit der Blütezeit der Heraldik überliefert. Sie erscheinen in Wappen grundsätzlich angelehnt an natürliche Vorbilder wie WildrindW-Logo.png, HausrindW-Logo.png, OchseW-Logo.png, AuerochseW-Logo.png, BisonW-Logo.png, BüffelW-Logo.png, KuhW-Logo.png, KalbW-Logo.png etc. In der älteren Heraldik ist aber keine exakte Abgrenzung, die einem biologischen Taxon folgen würde, gebräuchlich. Wird in einem Wappen ein „Rind“ oder ein „rinderartiges Wesen“ dargestellt, so ist nur sehr schwer oder gar nicht zu unterscheiden, welches spezielle Mitglied aus der biolgisch-zoologischen Gruppe der Rinder erscheint. Die Heraldiker des 16. bis 20. Jahrhunderts führten darüber kontroverse Debatten, die teilweise in merkwürdigen Definitionen und Ausdrücken endeten (wie „Büffelstier“ (?), „Ochsenstier“ (?) usw.).

Erst in der neueren Heraldik werden Rinder im Wappenschild teilweise in einer sehr natürlichen Körperform und Haltung gezeigt, so daß in gewissem Sinn Rückschlüsse auf das spezielle biologische-zoologische Vorbild plausibel möglich sind. Diese Darstellungen wiederum werden von Vertretern einer „klassischen Heraldik“ kritisch und teilweise als außerhalb der Heraldik stehend („unheraldisch“) betrachtet.

Übersicht

Jedes Wappentier, das der Ordnungsgruppe Rinder zugeordnet ist, ist in der Heraldik eine gemeine Figur. In Wappen sind seit der Neuzeit alle Arten von Rindern in dieser Ordnungsgruppe anzutreffen. Jede einzelne „Rind-Wappentier“ hat eigene Regeln für die Darstellung in Schild oder Oberwappen beziehungsweise als Schildhalter. In der Heraldik werden die Wappentiere Rinder beispielsweise in folgenden Formen dargestellt und beschrieben („blasoniert“):

Name WBO Synonym Bemerkung Bsp.-Wappen
5421 Bulle
frz.: taureau;
engl. bull
Männliches Hausrind Wappen Luckau.png
5422 frz.: buffel, bison, bison d'europe ;
engl. buffalo, bison, wisent
Männliche Wildrinder Wappen Wiesenbach (Breidenbach).svg
5423 Ur
frz.: ure ;
engl. aurochs, ure-ox
Ausgestorbenes Urrind Wappen Auerbach Oberpfalz.svg
5424 frz.: boeuf;
engl. ox
Kastriertes männliches Hausrind Wappen Ochsenbach.png
5425 frz.: vache;
engl. cow
Weibliches Hausrind Wappen von Kühbach.png
5425 frz.: veau;
engl. calf
Juveniles Hausrind Wappen Kelbra.png
Stierzentaur
Ochsenzentaur
Stiermensch
Ochsenmensch
Mischwesen aus Rind und Mensch Fabelwappen Nebukadnesar aus Grünenbergs Wappenbuch.jpg
6361 frz.: taureau ailé;
engl. bull winged
Geflügelter Stier bzw. Stier mit Flügeln Blason de la ville de Charleval (13).svg
6361 Geflügelter Stier als ein Attribut des Evangelist Lukas Škabrnja.png
6376 frz.: aigle à tête de taureau;
engl. eagle with bull's head
Mischwesen aus Rind und Adler Stieradler.png

Einzelnachweise

  1. Retberg-Wettbergen, Ralph von: Zur Geschichte der deutschen Wappenbilder. Aus Ralph von Retberg's Nachlasse. In: Jahrbuch der k.k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien. Jahrgang 1886. Seite 34 f.