Buzentaur (Wappentier)

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Dieser Artikel erläutert Buzentaur in der Heraldik; zu anderen Bedeutungen siehe in der Wikipedia BucentaurW-Logo.png
1475–1500: Buzentaur
(Fabelwappen des Königs von BethlehemW-Logo.png nach Wernigeroder Wappenbuch)
1602: Buzentaur im Fabel­wap­pen von König Nebukadnezzar (nach Grünenbergs Wappenbuch, Ortenburger Kopie)

Der Buzentaur und die Buzentaurin (auch Bukentaur und Bukentaurin, von griechisch Bukentauros, plural Bukentauroi; latinisiert Bucentaurus, Bucentauri, teilweise Stier- oder Ochsenzentaur genannt) sind in der Heraldik als Wappentier sehr seltene gemeine Figuren.

Darstellung und Blason

Buzentaur

Die Darstellung des Buzentaur folgt in der Wappenkunde dem gleichnamigen mythologischen Mischwesen aus Mensch und Rind („Stiermensch“, „Ochsenmensch“). Das Motiv erscheint gewöhnlich mit dem behörnten Kopf eines Mannes und dem Körper und den Beinen eines Rindes, manchmal mit kupiertem Schwanz (siehe oben: Fabelwappen von König Nebukadnezzar aus Grünenbergs Wappenbuch). Der Buzentaur verfügt über vier Rinderbeine, selten über zwei, was zu melden ist. Wenn er besondere Eigenschaften besitzt (z. B. beflügelt ist), sollte dies ebenfalls gemeldet werden. Die Darstellung eines Buzentaur mit Menschenrumpf und Menscharmen (zusätzlich zum Menschenkopf), ist möglich, aber beim männlichen Buzentaur nicht gebräuchlich und gegebenenfalls zu beschreiben.

Buzentaurin

Im Gegensatz zum männlichen Buzentaur besitzt die Buzentaurin normalerweise keine Hörner. Sie erscheint selten oder gar nicht mit einem Frauenkopf direkt am Rinderhals, sondern hat als Oberkörper einen nackten Frauenrumpf mit zwei Armen. Ihr Rinderunterkörper wird in der bildenden Kunst gleichermaßen mit zwei oder vier Rinderbeinen dargestellt, mal mit, mal ohne Rinderschwanz, teilweise sogar sirenartig bzw. als Meerbuzentaurin (mit Fischschwanz oder ähnlichen Attributen eines Wasserwesens). In der Heraldik ist daher die Anzahl der Glieder und jede besondere Ausprägung der Buzentaurin sehr genau zu melden.

Buzentaurin im Stadtwappen von Taormina
 
Vierbeinig, mit Weltkugel etc.
(moderne Darstellung)
 
Zweibeinig, mit Reichsapfel usw. am Rathaus
(klassische Darstellung)

Centauressa

Die bekannteste Darstellung einer Buzentaurin, die in der Literatur auch „Centauressa“ genannt wird, findet sich im Stadtwappen von Taormina auf Sizilien. Deren Darstellung ist im offiziellen Wappen vierbeinig und lehnt sich sehr frei an überlieferte Abbildungen und Skulpturen des Ortes von Zentauren, Sirenen und anderen Mischwesen an. Die „moderne“ Centauressa wird im Stadtwappen als „Königin“ mit Krone dargestellt, die in der Rechten eine Weltkugel, in der Linken ein Zepter hält (in älteren Darstellungen aber mit Reichsapfel, Kreuz, Mauerkrone, zweibeinig, ohne Rinderschwanz oder noch anders)[1]. In vielen Quellen wird der Stierteil im Stadtwappen von Taormina als Symbol für den „Monte Tauro“ interpretiert, der weibliche Oberkörper soll die Stadt selbst symbolisieren, die in antiken Vorstellungen „weiblich“ war.

Abgrenzung

  • Als Fabelwesen gehört der Buzentaur zu den TaurenW-Logo.png (griech.: tauros = „Stier“) und sollte nicht mit dem MinotaurosW-Logo.png verwechselt werden, der, was die Zusammensetzung anbetrifft, genau andersherum ein Mischwesen aus Stierkopf und Menschenkörper ist („Menschstier“, „Mannstier“).
  • Der Stierkörper und die Stierbeine des Buzentaur sind in der bildenden Kunst und der Heraldik teilweise nur schwer oder gar nicht vom Pferdkörper und den Pferdebeinen eines Zentaur zu unterscheiden. Welches Mischwesen ursprünglich dargestellt wurde, ist daher in vielen Fällen offen oder nur durch genauere Forschungen zu ermitteln.

Siehe auch

Einzelnachweis

  1. Blason: „D'azzurro alla donna coronata regina tenente con la destra un mondo e con la sinistra lo scettro, dai fianchi in giù con la forma di tauro, il tutto al naturale.“ (Quelle: comuni-italiani.it)

Weblinks

Show-handle-HW.png Bernhard Peter: Besondere Motive: Centaur (Kentaur, Zentaur)

 Commons: Minotaurusbrunnen (Taormina) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien