Hund (Wappentier)

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1305-1315: Hund/Dogge
(jüngeres Wappen der ToggenburgerW-Logo.png; nach Codex Manesse)
1605: Wappen der Familie von Hundt (nach Siebmacher)
Wappen der Familie von Hundbiß

Der Hund (französisch chien; englisch dog oder hound) ist in der Heraldik ein Wappentier, bei dem die Wappenbeschreibungen neben dem (gemeinen) unbestimmten Hund mehrere spezifische Darstellungsformen (Bracke, Rüde, Windhund et cetera) im Wappen als gemeine Figur, Schildhalter oder als Helmzier unterscheiden.

Darstellung

Gemeiner Hund (unbestimmt)

Der im Wappen dargestellte, heraldisch stilisierte, gemeine Hund ist nicht einer bestimmten Hundeform aus der Unterart der natürlichen HaushundeW-Logo.png nachgebildet. Vielmehr lehnt sich die Figur an ein Idealbild eines Haushundes an, das sich von empirisch durchschnittlich gegebenen Realtypen abgrenzt. Grundsätzlich wird der Hund springend, schreitend, sitzend oder spürend (Kopf gesenkt) gezeigt. Die Hauptblickrichtung ist nach heraldisch rechts (vorn). Wie bei allen Wappentieren ist eine Stilisierung üblich. Er kommt im Oberwappen häufig als Kopf- bzw. Rumpfdarstellung vor.

Sind einem Hund Ohren und Schwanz verstümmelt, so wird das als geschändet oder gestümmelt blasoniert.

Hunde werden ohne oder mit Halsband in Wappen geführt. Die Halsbänder sind mit Edelsteinen und/oder Stacheln besetzt oder anders hervorgehoben. Sie kommen mit unterschiedlichen „Halsungen“ (Halsband, Leitring, Leitseil oder Kette) vor.

Abgrenzung

Die klassische Heraldik kennt neben dem unbestimmten (gemeinen) Hund folgende bestimmte Hunde:

Hunde: Hier unterscheidet die Heraldik dreierlei:
1. den Windhund,
2. den Bracken (Leithund),
3. den Rüden (Dogge).“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

„Der Windhund zeichnet sich von den andern durch langfliegenden oder umgelegten spitzen Behang, schlanken glatten Körper und Ruthe aus. Er kommt laufend, aber auch aufrecht vor, zuweilen auch liegend, wie z. B. im Wappen der v. Poser.

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Windhund
(Burgwindheim)

„Der Bracke ebenfalls in beiden Stellungen, auch stehend, sitzend und liegend vorkommend, hat langen runden Behang, gedrungenen Körper und zottige Ruthe.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Bracke
(Altenried)

„Der Rüde endlich (ein Rüdenrumpf Wappen der Rüdt v. Collenberg) hat die Struktur des Bracken, aber wie der Windhund spitzen, jedoch nicht umgelegten Behang.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]
Rüde
(Antiesenhofen)

„Sowohl Windhund wie Rüde tragen für gewöhnlich ein Halsband, theils einfach gelb, oder auch roth mit goldenen Borden, Ring und Buckeln.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[1]

In der klassischen englischen Heraldik zudem noch:

Talbot

Als Einzelfall oder nicht etabliert, finden sich in der modernen Heraldik auch Darstellungen/Blasonierungen von:

Sonderformen

  • Doppelköpfiger Hund
  • Kerberos (dreiköpfiger Hund)
  • Hund mit Drachenflügeln
  • Zu den Hunden zählen zuweilen in den Wappenbilderordnungen auch sämtliche Varianten der Seehunde.
HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Seehund (Wappentier)

Symbolik

Im Zusammenhang mit dem historisch verankerten Jagdprivileg des Adels ist die Bedeutung des Jagdhundes in der Heraldik zu sehen. Während der Hund traditionell als Symbol für Treue, Wachsamkeit und Zielstrebigkeit gilt, repräsentiert der Jagdhund üblicherweise das Recht der hohen Jagd oder kennzeichnet das Amt des Erblandesjägermeisters. So stellt beispielsweise das Gerichtssiegel der Stadt Eisighofen aus dem Jahr 1782 einen Reiter auf der Beizjagd in Begleitung eines Jagdhundes dar.

Verbreitung

Zum redenden Wappen hat der unbestimmte Hund es im Familienwappen der Familie Kanis geschafft. Canis ist der lateinische Name der Gattung Hunde.

Paraheraldik

In der Paraheraldik hielt der Hund zum Beispiel als Logo einer TankstellengesellschaftW-Logo.png Einzug (im Beispiel: als schwarzer feuerspeiender, rückwärtsgewandt Hund mit sechs Beinen).

Galerie

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Hund in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie ( M. Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 84