Greif (Wappentier)

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel stellt den Greif als heraldisches Fabelwesen dar; zu mythologischen Darstellung des Greifen siehe Greif.
Greif
(Woiwodschaft Westpommern (polnisch: województwo zachodniopomorskie)
Greif, altertümlich[1]
Ein Greif im Wappen des Heinrich von FrauenbergW-Logo.png (Codex Manesse, zwischen 1305 und 1315)

Der Greif (frz.: griffon: engl.: griffin) steht in der Heraldik als Wappentier in der Reihe der gemeinen Figuren.

Heraldische Greife sind bereits seit Mitte/Ende des 12. Jahrhundert bekannt (z. B. führte im Jahre 1162 der Earl von Exter den Greifen als Zeichen in seinem Wappen). In Pommern und Mecklenburg ist er in dieser Zeit bereits nachzuweisen. Vor allem im südlichen Ostseeraum ist der Greif als Wappentier sehr verbreitet[2].

Darstellung und Blason

Die Darstellung im Wappen erfolgt stets im Profil, gewöhnlich nach rechts (heraldisch) sehend und steigend. Er erscheint aber auch sitzend, was zu melden ist.

Der Kopf unterscheidet sich durch die spitzen Ohren vom Adler. Die vorgeworfenen Vorderfüße und die Flügel sind dem Adler, der ganze untere Teil des Körpers dem Löwen entlehnt. Der Schweif ist bald auf-, bald niedergeschlagen. Die Bewehrung (Krallen, Schnabel, Zunge und Vogelbeine) wird häufig andersfarbig tingiert.

Der Greif ist häufig Schildhalter und wird auch im Oberwappen aufsteigend gezeigt. Bei dieser Darstellung werden die Farben aus dem Wappenschild übernommen, aber nicht zwangsweise.

Siebmacher

„(Der Greif) hat den Oberkörper eines Adlers, d. h. Vogelkrallen, Schnabel, (daran in älterer Zeit hakenförmiger Ansatz und Flügeln und den Unterteil eines Löwen; seine Ohren sind aber meist lang und spitz, oder auch wie die des Bracken; der Schwanz ist, wenn nicht anders gemeldet, stets zwischen die Hinterbeine geschlungen, in älterer Zeit aber nur als rückwärts abfliegender Stummelschweif dargestellt. Die Flügel sitzen nicht am Rücken, sondern an der Wurzel der Vorderbeine (den Schultergelenken); in älteren Abbildungen kommen sie vielfach wie in Fig. 15, 17, d. h. beiderseits des Kopfes sichtbar vor; nur bei sehreitenden Greifen (Tafel XXII. Fig. 19.) nie. Die Schwingen der Flügel sollen in die Höhe gesträubt sein, doch werden sie auch wie in Fig. 18. niedergeschlagen abgebildet. Greifenköpfe zeigt Tafel XXII. Fig. 20. 21. Die Köpfe im W. der Grafen v. Oppersdorf und v. Pückler sind, alten Siegeln zufolge, auch Greifen- (nicht Adlers-) Köpfe, ebenso der im Wappen der Stadt Stettin.“

Siebmacher: Greif (Tafel XXII. Fig. 15—21)

Siebmacher Greifen 01.jpg

Galerie

Weitere Beispiele

Sonderformen

Fischgreif

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Fischgreif

Eine Sonderform ist der Greif mit dem Unterteil als Fischschwanz. Er heißt dann Fischgreif.

Männlicher Greif / Keythong

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Keythong

Der Kethong oder männliche Greif ist im Gegensatz zum „normalen“ Greif flügellos und manchmal gehörnt. Aus seinem Körper brechen goldene Strahlen hervor.

Greifenlöwe

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Greifenlöwe

Die Figur Greifenlöwe ähnelt dem Kethong, besitzt aber keine goldenen Spitzen oder Strahlen, die an verschiedenen Stellen aus seinem Körper hervorbrechen würden.

Greif mit Drachenattributen

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Drachengreif

Je nach Drachenattributen kann man in der Heraldik unterschiedliche „Drachengreifen“ unterscheiden. Neben dem eigentlichen Drachengreif existieren Arbarten wie zum Beispiel der Greif, den die schwedische Stadt Östergötland im Wappen führt, der die Zunge, den Schwanz und die Flügel eines Drachen besitzt.

Opinicus

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Opinicus

In der Heraldik wird der Greif auch als sogenannter Opinicus dargestellt, wobei es von letzerem mehrere Varianten gibt. Meist erscheint er mit kurzem Schwanz oder Kamelschwanz und mit vier Löwenbeinen (statt der zwei Adlerkrallen und der zwei Löwenbeine des Greifen).

Pferdegreif/Hippogryph

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Hippogryph

Der Pferdegreif/Hippogryph ist in der Heraldik gewöhnlich eine Kombination aus den Wappentieren Pegasos (Unterteil, Hinterbeine) und Greif (Oberteil, Vorderbeine). Er erscheint zuweilen aber auch wie in der bildenden Kunst als Mischwesen aus Pferd (Unterteil, Hinterbeine) und Greif (Oberteil, Vorderbeine).

Greifenschlange

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Greifenschlange

Die Greifenschlange ist im Prinzip ein Greif mit vogel- oder adlerartigen Flügeln, ohne Vorder- oder Hinterpranken, aber mit (pfeilspitzen) Schlangeschwanz (WBO Nr. 6132).

Paraheraldik

Greifen sind in der Paraheraldik gebräuchliche Motive, zum Beispiel als Logos, Schulembleme, Militär- und Sportvereinsabzeichen, et cetera.

Wappenbilderordnung

Der Greif wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Fabelwesen: Andere Doppeltiere und fantastische Zusammenstellungen unter der Nr. 6611 aufgenommen.

Siehe auch

Literatur

  1. Eugène Viollet-le-Duc: Dictionnaire raisonné de l'architecture française du XIe au XVIe siècle 1856)
  2. Ludwig Biewer: Der Greif in der pommerschen Kommunalheraldik. In: Der Herold. Vierteljahrsschrift für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften. Neue Folge Bd. 18, 2010, Heft 4, S. 121–135.
  3. Vinycomb, John: Fictitious and Symbolic Creatures in Art. 1906.
  4. Parker, James: Parker's Heraldry. A glossary of terms used in heraldry. 1894.
  • Johann Siebmacher (Begr.), Horst Appuhn (Hrsg.): Johann Siebmachers Wappenbuch von 1605. Orbis, München 1999, ISBN 3-572-10050-X
  • Johann Siebmachers Wappen-Buch. Faksimile-Nachdruck der 1701/05 bei Rudolph Helmers in Nürnberg erschienenen Ausgabe. Alle 6 Teile mit Anhang, Register und allen Erweiterungen bis zum Abschluss der Stammausgabe von 1772. Battenberg-Verlag, München 1975, ISBN 3-87045-098-3
  • Johann Siebmachers Wappen-Buch. Supplemente 1753 bis 1806. Faksimile-Nachdruck der von 1753 bis 1806 im Verlag der Raspischen Handlung in Nürnberg erschienenen zwölf Supplemente. Battenberg-Verlag, München 1979, ISBN 3-87045-163-7
  • Hanns Jäger-Sunstenau: General-Index zu den Siebmacherschen Wappenbüchern 1605-1967. Neuausgabe Graz 1984

Weblinks

 Commons: Greifen in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Pomersche Greif – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Kaschubisch Greif – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Fischgreif – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien


Fensterraute links oben ausgebrochen.png Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Greif_(Wappentier)“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 29.Mai 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.