Geck (Heraldik)

Aus Heraldik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
„Geck“ (?) als Helmkleinod (im markgräflichen Wappen von SiebenlehnW-Logo.png)

Geck (mnd.: geck, =„Narr“, unter anderem Schimpf-/Kraftwort; auch in der Bedeutung „Verrückter“, „Schalk-“ bzw. „Hofnarr“, „Spaßmacher“, „Possenreißer“, „Bischof“, „Verliebter“, „Feigling“ etc.)[1] ist im Wappenwesen

  • ein synonymer Ausdruck für „Narr“ beziehungsweise eine Wappenfigur oder ein Helmkleinod, welche sich in der Gestaltung an die spätmittelalterliche Vorstellungen und Darstellungen eines Narren anlehnen.
  • etwa ab dem 18. Jahrhundert in einem weiten Sinn ein vager Ober-/Sammelbegriff für alle Helmkleinode, die als menschliche Rümpfe (meist im Plural: „die Gecken“, „die Puppen“) gestaltet sind. In dieser Bedeutung gilt der Ausdruck bereits im 19. Jahrhunderts als fragwürdig, eher geduldet als überzeugend verwendet beziehungsweise mehr oder weniger als grundlos vorhanden, wobei unklar ist, wer ihn ursprünglich einführte:

„Was die Helm-Kleinode (..) anlangt (..) halbe Männer und Jungfrauen, welche Puppen, Gecken (hermae) pflegen genennet zu werden (..)“

Johann Paul Reinhard (1747)[2]

„Von den Helmkleinodien (..) §. 123 (..) Menschen, halbe Männer und Jungfrauen, welchen Puppen, Gecken, bustes, hermae, genennt werden (..)“

Johann Christian Siebenkees (1789)[3]

„Die Rümpfe oder Brustbilder (..) von einigen »modernen« Heraldikern, mir nicht bekannt aus welchem Grunde, auch »Puppen« oder »Gecken« genannt (..) und wir sehen manchmal förmlich »modern frisierte« männliche Rümpfe mit feindressierten Backenbärten schon im 14. Jahrhundert, bei denen der Name »Gecken« wirklich einigermaßen zu entschuldigen wäre (..) Wenn daher die Bennung »Puppen« für heraldische Kleinod-Rümpfe im Allgemeinen ein ganz schlecht gewählter Ausdruck ist, so dürfte er in Bezug auf die Verfertigungsweise macher derselben, allerdings noch etwas Bezeichnendes haben.“

Carl Mayer von Mayerfels (1857)[4]

„(..) »Gecken« nennt man die vielfach als Helmkleinode verwendeten wachsenden Figuren“ -- „Gecken werden auch bisweilen die »Puppen« (..) genannt. Wir finden sie im Mittelalter oft humoristisch behandelt; daher wohl der Name »Gecken« sich rechtfertigen läßt.“

Curt Oswalt Edler von Querfurt (1857)[5]

„(..) alter Ausdruck für menschliche Rümpfe auf Helmen“

Siebmacher/Gritzner (1889)[6]

„Gecken: altheraldische Bezeichnung für die als Helmkleinode verwendeten, wachsenden (..) Figuren. Der Name Gecken dürfte auf die im Mittelalter oft recht humoristisch behandelten und dargestellten Helmfiguren zurückzuführen zu sein.“

Gert Oswald: Lexikon der Heraldik (1984)[7]

Einzelnachweise

  1. Blason ville fr Garidech (Haute-Garonne).svg Lemma Geck. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854-1960 (www.woerterbuchnetz.de).
  2. Reinhard, Johann Paul: Vollständige Wappen-Kunst nebst der Blasonierung des Hochfürstl. Brandenb. Culmbachischen Wappen zum Gebrauch feiner Vorlesungen herausgegeben von Joh. Paul Reinhard (..) Nürnberg. 1747. S. 97, 98
  3. Siebenkees, Johann Christian: Erläuterungen der Heraldik als ein Commentar über Herrn Hofrath Gatterers Abriss dieser Wissenschaft. 1789. S. 117
  4. Mayerfels, Carl Mayer von: Heraldisches ABC-Buch. Das ist Wesen und Begriff der wissenschaftlichen Heraldik, ihre Gesetze, Literatur, Theorie und Praxis. Leipzig 1857. S. 148 ff.
  5. Querfurt, Curt Oswalt Edler von: Kritisches Wörterbuch der heraldischen Terminologie. Nördlingen: Beck. 1872. Neudruck: Wiesbaden: M. Sändig. 1969. Seite 41, 104
  6. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 242
  7. Oswald, Gert: Lexikon der Heraldik. Mannheim, Wien, Zürich. 1984. S. 146.ISBN 978-3-411-02149-9