Herz (Heraldik)

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Herz
(Wappen von Uissigheim)

Das Herz (frz. cœr; engl.: heart) ist im Wappenwesen (Heraldik) eine gemeine Figur.

Darstellung

Die Figur Herz ist dem Organ HerzW-Logo.png nachempfunden, wie es bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. zu finden ist und als „Symbol der Liebe“ den stilisierten Darstellungen von Feigenblättern entspringt. Auf die (schwebende) Figur Herz sind die heraldischen Regeln anzuwenden, die für eine gemeine Figur allgemein gelten. Die Figur Herz kann in einem Wappen in Einzahl, in einer bestimmten Anzahl (Zweizahl, Dreizahl oder ähnliches) respektive in einer unbestimmten, beliebigen Anzahl erscheinen. Die gebräuchlichste Farbe ist Rot von Gold gefolgt.

Herzen in bestimmter Mehrzahl

Erscheinen Herzen in Mehrzahl innerhalb eines Wappens, sollte stets die Stellung der einzelnen Herzen zueinander beschrieben sein. Mehrere Herzen können beispielsweise balken- oder pfahlweise, aber auch schragenweise im Schild erscheinen.

„Bei drei Herzen ist der Dreipass gebräuchlich. Hierbei zeigen die Herzspitzen zum gedachten Mittelpunkt des Wappenfeldes und legen im gleiche Abstand zueinander. Auch ist die Stellung zwei über eins (2:1 -- Anm. der Red.) gebräuchlich.“

Wikipedia (2015)[1]

Herzen in unbestimmter Mehrzahl (besät/bestreut)

Das Herz kann in unbestimmter Anzahl in einem Wappen erscheinen (zum Beispiel wenn das Wappenfeld oder die Figur darin mit Herzen besät oder bestreut ist). In solchen Fällen erfüllt die Darstellung von vielen kleinen Herzen oft einen subjektiv-ästhetischen Zweck („Wappenverschönerung“) oder wird zur Wappenminderung eingesetzt:

„Kleine Herzformen dienen vielfach als Beizeichen zur Wappenminderung oder zur Belebung freier Schildplätze.“

Walter Leonhard (2003)[2]

Die aufzureisende Bemusterung ist über die Wappenbeschreibung näher zu bestimmen.

Varianten und Derivate

Gestürztes Herz

Die gestürzte Abbildung der Figur (Herz mit Spitze nach oben) ist im Wappenwesen selten. Manchmal ist diese Ausprägung nicht als „Herz“ zu interpretieren, sondern als schematische Darstellung der männlichen HodenW-Logo.png (zum Beispiel im Wappen der Familie Colleoni).

Durchbohrtes Herz

Teilweise erscheint die Figur Herz mit einem Pfeil (oder mehreren) durchbohrt („pfeildurchbohrt“), wobei die Pfeilrichtung (balken-/pfahlweise, schrägrechts/-links et cetera) gemeldet werden sollte.

Auch andere Figuren, die ein Herz durchbohren/durchstoßen/durchstecken, sind im Wappenwesen gebräuchlich (zum Beispiel: Schwert, Passionsnägel, Anker).

Befestigungen am Herz

Wenn andere gemeine Figuren am Herzen befestigt sind, ist die genaue Art der Befestigung zu beschreiben („besteckt“, „[hervor]wachsend“, „[hervor]sprießend“). Teilweise „wachsen“ zum Beispiel Pflanzen wie (stilisierte und echte) Rosen, Eichenteile oder ähnliches oben und mittig aus einem Herz „hervor“ respektive sind mit diesen „besteckt“.

Brennendes/flammendes Herz

1599: Flammendes Herz im Wappen „Georg Leyss von Seeligenstadt“

Geflügeltes Herz

Herz als Nebenfigur

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Das Herz erscheint teilweise auch als Nebenfigur, die von einem Tier, einem Menschen (Bauer), einem Arm oder einer anderen Hauptfigur gehalten, präsentiert oder in irgendeiner Form „benutzt“ wird.

Symbolik

Außerhalb der Heraldik steht die stilisierte Herzform hauptsächlich als Symbol für Liebe oder für Leiden:

Flügelherz und pfeildurchbohrtes Herz (Tafel XXXI. Figur 4. 6. 7.): symbolische Darstellung des Leidens Christi und Maria.“

Siebmacher/Gritzner (1889)[3]

Symbol der Chouannerie

HW Gtk-go-forward-ltr.png Hauptartikel: Herz und Kreuz

Das Identifizierungszeichen des Aufstandes der VendéeW-Logo.png beziehungsweise der ChouannerieW-Logo.png (rotes Heiligstes Herz Jesu mit Kreuz beziehungsweise „Sacré-Coeur“W-Logo.png) erscheint im Wappenwesen teilweise als eigentümliche Figur, bei der zwei ausgebrochene Herzen miteinander verbunden/verschlungen sind, oben ergänzt um eine Krone und ein Kreuz („Cœur vendée“). Ursprünglich war das „Sacré-Coeur“ ein Symbol der Aufständischen, die sich von 1793 bis 1800 der Französischen Revolution entgegenstellten; heute wird das „Cœur vendée“ zum Beispiel im Wappen/Logo des Département VendéeW-Logo.png beziehungsweise der Priesterbruderschaft St. Pius X.W-Logo.png geführt.

Wappenbilderordnung

  • Das Herz wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Teile lebender Organismen, Abnormitäten, Verstümmelungen - B: Obere bzw. vordere Teile: 3. Menschen unter der Nr. (7011)-720 aufgenommen.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Herzen in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Seite „Herz (Heraldik)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Februar 2015, 08:24 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Herz_(Heraldik)&oldid=138746528 (Abgerufen: 29. März 2015, 00:51 UTC)
  2. Leonhard, Walter: Das grosse Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung, Bechtermünz-Verlag 2003. ISBN 3-8289-0768-7. S. 177
  3. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 147