Maria (Heraldik)

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Maria (auch Jungfrau Maria, Madonna, Mariam; griechisch Μαριάμ; hebräisch מרים; aramäisch ܡܪܝܡ; auch: Maria von Nazaret, Mutter Jesu, Muttergottes, Mutter Gottes, Gottesmutter, Gottesgebärerin, griechisch Θεοτόκος Theotókos; lateinisch Dei Genitrix, Mater Dei oder ähnlich), die im Neuen Testamtent als „Mutter von Jesu von Nazaret“ genannt wird, ist in der Heraldik eine gemeine Figur, die in unterschiedlichen Ausprägungen in Wappen erscheint.

Darstellung

Der Figur Maria wird im Wappenwesen in langem faltenreichem Gewand mit wallendem, lockigem Haar, Nimbus, Krone und mit den für die MarienverehrungW-Logo.png gebräuchlichen Attributen dargestellt sowie „bald mit, bald ohne Jesuskindlein“[1]. Beispielsweise erscheint sie im Wappen zusammen mit Ölbaum/Ölzweig[2], Zeder/Zedernzweig, Zweig aus der Wurzel des Jesse, Lilie, Rose[2], Stern des Meeres [stella maris][2], Mond unter den Füßen, um das Haupt einen Kranz von (zwölf) Sternen, auch zusammen mit Sonne, Phönix, Pelikan, Löwe, Einhorn und so weiter). Welches Maria-Attribut in einem Wappen in welcher Form zur Anwendung gelangt, ist genau zu melden. Die historischen Wappendarstellungen der Maria sind teilweise kulturgeschichtlich interessant (zum Beispiel, wenn Maria im Wappen in einem regionalen oder zeitgenössischem Gewand, mit lokalen Maria-Attributen oder ähnlichem erscheint). Die Farbgebung der Mariafigur ist im Rahmen der Regeln zu den heraldischen Farben nicht weiter beschränkt.

Im Wappenwesen erscheint die Figur Maria gewöhnlich mit dem Jesuskind auf ihrer heraldisch linken (seltener heraldisch rechten) Seite, in ihrer Rechten (beziehungsweise Linken) ein Maria-Attribut (Rose, Lilienzepter oder ähnliches) haltend/zeigend. Sie wird als stehende, sitzende/thronende, knieende/betende Wappenfigur oder in anderen Haltungen in Wappen dargestellt. Zentrale Formen in der Heraldik sind:

Die genaue Form/Haltung ist stets zu melden. Die meisten aus der bildenden Kunst bekannten Darstellungstypen für Maria sind auch im Wappenwesen gebräuchlich. Unter anderem kann die Figur Maria beispielsweise in folgende Darstellungsvarianten in einem Wappen erscheinen (was gegebenenfalls angezeigt werden sollte):

Bezeichnung Darstellung Beispiel Wappenbsp.
NikopoiaW-Logo.png („Siegbringende“), Kyriotissa („Herrin“, „Mutter des Herrn“), sedes sapientiae („Thron der Weisheit“) Maria erscheint auf einem Thron sitzend, das Jesuskind zentral auf ihrem Schoß sitzend
Nikopoia (Hagia Sophia, Istanbul)
Damvant-Blazono.png
HodegetriaW-Logo.png („Wegweiserin“) beziehungsweise Dexiokratusa („mit der Rechten festhaltend“) Das Jesuskind erscheint am linken (in der Heraldik manchmal auch am rechten) Arm oder Oberschenkel von Maria; Maria zeigt mit dem anderen Arm auf das Kind
Hodegetria (Gottesmutter von Smolensk, 1482)
POL gmina Juchnowiec Kościelny COA.svg
EleousaW-Logo.png („Barmherzige“) beziehungsweise Glykophilousa („Liebkosende“) Maria ist dem Kind zugewendet; die Gesichter der beiden Figuren sind ganz nahe beieinander oder berühren sich.
Eleousa ("Fedorowskaja" - Ikone, byzantinischer Stil, Kopie, frühes 18. Jahrh.)
Eisiskes COA.png
PanhagiaW-Logo.png („Allheilige“) beziehungsweise Platytera („Weitere“), Virgo orans („Betende Jungfrau“), Maria orans („betende Maria“). Maria erscheint mit zum Gebet ausgebreiteten Armen; machmal mit dem Jesuskind in einem Medaillon über ihrer Brust; teilweise knieend, gewöhnlich nach heraldisch rechts gewendet und die Hände zum Gebet erhoben.
Panhagia
Breil/BrigelsMaaria, Finnland

Stehende Maria mit Jesusknaben

Thronende Maria mit Jesusknaben

Mondsichelmadonna

Maria, wachsend

In manchen Wappen erscheint Maria wachsend (zum Beispiel aus dem unteren Schild-/Feldrand, einer Mondsichel oder ähnliches).

Besondere Maria-Figur

Manchmal wird im Wappenwesen eine heraldisch stilisierte Maria in inhaltlichen Zusammenhängen präsentiert, die der MarienverehrungW-Logo.png oder der biblischen Überlieferung bildhaften Ausdruck verleihen. Die Darstellung der Maria ist in diesen besonderen Fällen detailliert zu melden.

Maria über dem Wappenschild

In wenigen, eher paraheraldischen Fällen wird eine Maria im Oberwappen, in der Helmzier oder über dem Schild dargestellt.

Maria als Schildträgerin

Im Zusammenhang mit Passionswappen erscheint Maria auch als Schildträgerin.

Wappenbilderordnung

  • Die Figur Maria wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Christliche Heilige und biblische Gestalten unter der Nr. 7911 aufgenommen.
  • Die Figur Maria mit dem Jesuskind wurde in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Christliche Heilige und biblische Gestalten unter der Nr. 7912 aufgenommen.
  • Die Figur Jungfrau wurde (zusammen mit Frau, bekleidet unbestimmt) in die Wappenbilderordnung (WBO) des Herold (Verein) im Abschnitt Menschen unter der Nr. 7043 aufgenommen.

Webseiten

 Commons: Jungfrau Maria in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Madonna und Kind in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Sitzende Madonna mit Jesuskind in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Madonna auf der Mondsichel in der Heraldik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Georg D. W. Callwey, München 1978, ISBN 3-7667-0345-5, S. 179 Bild1, Bild 2.

Einzelnachweise

  1. J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch, Einleitungsband, Abteilung B: Grundsätze der Wappenkunst verbunden mit einem Handbuch der heraldischen Terminologie (Maximilian Gritzner). Nürnberg: Bauer & Raspe, 1889. S. 147.
  2. 2,0 2,1 2,2 Bäumer, Scheffczyk (Hrsg.): Marienlexikon. 4. Band: Lajtha – Orangenbaum. 1992, ISBN 3-88096-894-2, S. 384, 548f., 673–675.