Reichsapfel

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Der Reichsapfel des Heiligen Römischen Reiches
Kaiser Heinrich III. mit Zepter und Reichsapfel, Miniatur um 1040

Ein Reichsapfel (lat. Globus Cruciger, von globus „Kugel“, crux „Kreuz“ und gerere „tragen“) ist ein Herrschaftszeichen in Form einer Weltkugel mit aufgesetztem Kreuz.

Geschichte

Der Reichsapfel geht historisch auf den Globus der Römer zurück, der die Weltherrschaft des Römischen Reichs symbolisierte. Auf mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen sind die deutschen Kaiser und Könige häufig mit dem Reichsapfel in der linken Hand dargestellt. Auch auf Münzen der rheinischen Pfalzgrafen (kurfürstliche Linien) ist der Reichsapfel dargestellt, denn sie hatten das Amt des Erztruchsesses inne, das durch den Reichsapfel symbolisiert wurde (Erzämter).

Ein Reichsapfel wird im Jahre 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. erstmals dem neuen Kaiser überreicht. Die Form des Kreuzes und die Filigranornamente legen nahe, dass der Reichsapfel nicht wesentlich früher entstanden sein kann. Andererseits gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Reichsapfel des Heiligen Römischen Reiches, der heute in der Schatzkammer in Wien aufbewahrt wird, dem Kaiser überreicht wurde. Das Lexikon des Mittelalters schreibt dazu: Die traditionellen Krönungsinsignien, darunter Zepter und Reichsapfel, wurden aus dem Hort beliebig ausgewählt.[1]

Reichsäpfel anderer Monarchien

Kaiserreich Österreich

Der österreichische Reichsapfel

Zum Reichsapfel des Kaisertums Österreich siehe Österreichische Kaiserkrone.

Königreich Großbritannien

Für den Reichsapfel des Königreichs Großbritannien siehe Reichsapfel britischer Monarchen.

Dänemark

Der dänische Reichsapfel

Die Reichsinsignien der dänischen Könige sind im Keller des Schloss Rosenborg aufbewahrt.

Norwegen

Der Reichsapfel der norwegischen Reichsinsignien wurde 1818 in Stockholm angefertigt und besteht aus vergoldetem Silber. Der Globus wird von einem mit Rosen dekorierten Goldband in zwei Hälften geteilt. Ein ähnliches Band teilt die obere Halbkugel in zwei Teile. Darauf steht ein Reichsapfel in Kleinformat mit einem ziselierten lateinischen Kreuz. Siehe auch: Reichsschwert (Norwegen)

Preußen

Der preußische Reichsapfel in Form einer blau emaillierten Kugel mit Goldreif und goldenem Kreuz ist mit 50 Facettensteinen und 36 Rubinen geschmückt und wurde 1700 als Krönungsinsignie für die Krönung König Friedrichs I. 1701 geschaffen.

Reichsapfel in der Heraldik

In der Heraldik ist der Reichsapfel eine gemeine Figur und ist sehr verstreut in den Wappen zu finden. Die Darstellung erfolgt durch eine Kugel mit aufgesetztem Kreuz. Um die Kugel ist ein Metallband wie ein Äquator gespannt und mittig wird das Band nach oben weiter geführt, so dass es in das Kreuz ausläuft. Die weltliche Macht symbolisierend, ist im deutschen Sprachraum durch den Truchsess als besonderen Beamten dem Kaiser diese Insignie vorangetragen worden. Die Pfalzgrafen hatten dieses Symbol in ihren Wappen übernommen. Dabei waren wohl die bayrischen, rheinischen und die kurpfälzischen Pfalzgrafen, die Besten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Hier ist der Reichsapfel im Wappen etwas gehäufter. Als Insignie hält der Preussenadler das Zeichen links und das Zepter rechts im Fang. Wiederholung auch im Oberwappen des Wappens Königreich Preußen. Hier ist der Reichsapfel blau mit goldenem Kreuz am Reif.

Wappenbeispiele

Einzelnachweise

  1. H. Trnek: Artikel Reichsinsignien in Lexikon des Mittelalters

Weblinks

 Commons: Reichsapfel – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Commons: Reichsapfel in der Heraldik – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
  • Literatur über Reichsapfel in Bibliothekskatalogen: DNB, GBV


Fensterraute links oben ausgebrochen.png

Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag „Reichsapfel“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 8. Juni 2010 (Permanentlink: [1]). Der Originaltext steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation bzw. unter CC-by-sa 3.0. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.